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Rote Grütze

 

Rote Grütze als Verkehrsbezeichnung für Getreidecreme und für Fruchtzubereitung definiert – enttäuschte Erwartung je nach Erfahrungswert des Käufers

Verbraucherbeschwerde 

Unter "Roter Grütze" verstehe ich etwas anderes: Eine dickere (nicht stichfeste) Fruchtsoße mit vielen Früchten.


Die Packung ist zwar durchsichtig und man erkennt, dass in dem pinkfarbenen Dessert keine Früchte drin sind. Aber sollte nicht auch schon auf der Deckelfolie zu erkennen sein, dass es sich um "Rote Grütze aus Hartweizengrieß ..." handelt? Ist das rechtens? Rein vom Namen her erwarte ich Früchte! Ältere Kollegen kennen nur diese Art von Grütze aus DDR-Zeiten (nicht die roten Produkte mit Früchten). "Unser Original" steht  auch noch drauf – Handelt es dabei um ein in irgendeiner Form geschütztes Produkt?
Frau E. aus Dresden vom 15.08.2013

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

In den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches ist die Verkehrsauffassung für „Rote Grütze“ unterschiedlich beschrieben. Beide Versionen sind im Handel erhältlich. Je nachdem, welche Vorstellung ein Käufer von roter Grütze hat, kann er sich durch die eine oder andere Version getäuscht sehen.

Die beschreibende Bezeichnung als Erläuterung zum Produktnamen auf der Schauseite könnte Missverständnisse ausschließen.

Darum geht’s:

Im Kühlregal wird als Dessert im Plastikschälchen “Rote Grütze mit Vanillesoße“ angeboten. Abgebildet ist eine rosafarbene Creme mit gelber Soße. Die Zutatenliste zeigt, dass es sich bei der Creme um ein Produkt aus Wasser, Zucker, Getreideerzeugnis, Verdickungsmitteln, Farbstoffen und Aroma handelt. Die Verbraucherin sieht sich getäuscht, da sie eine gelierte Fruchtzubereitung aus Beeren erwartet hat.

Das ist geregelt:

Die Leitsätze für Obsterzeugnisse beschreiben Fruchtgrützen als Fruchtzubereitungen aus mehreren Fruchtarten. Sie werden mit Bezeichnungen entsprechend der verwendeten Früchte, z.B. Waldfrucht-Grütze, oder entsprechend ihrer jeweiligen Farbe, z.B. als Rote Grütze, in Verkehr gebracht. Zur Herstellung von Fruchtgrützen werden frische oder tiefgefrorene Früchte mit Wasser, Zuckerarten und Verdickungsmitteln versetzt und erhitzt, in geeignete Behältnisse abgefüllt, verschlossen und pasteurisiert. Für Rote Grütze werden überwiegend rote Früchte verwendet.

Nach den Leitsätzen für Pudding handelt es sich bei Grützen um Puddinge, andere süße Desserts und verwandte Erzeugnisse. Die typisch puddingartige Konsistenz wird demnach mit Zutaten erreicht, die stabilisieren, verdicken, gelieren und/oder emulgieren, zum Beispiel Stärke, Gelatine oder Getreideerzeugnisse. Die Produkte sind entweder verzehrfertig oder werden aus konzentrierten Zubereitungen oder Trockenmischungen durch Zusatz von Flüssigkeit, gegebenenfalls auch weiteren Zutaten, durch küchentechnische Herstellung verzehrfertig. Zu den „anderen süßen Desserts“ zählt unter anderem Grütze mit cremiger bis stichfester Konsistenz.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Bei „Roter Grütze“ kann es sich um zwei unterschiedlich zusammengesetzte Desserts handeln, die beide üblicherweise als „Grützen“ bezeichnet werden. Je nach Region ist die Vorstellung von dem, was man im Einkaufskorb hat, verschieden.
Beispielsweise könnten sich einige Westdeutsche durch die gefärbte Getreidegrütze getäuscht sehen, da ihnen nach ihrem Verständnis vermeintlich ein Pudding oder eine Getreidecreme als Fruchtzubereitung verkauft wird. Umgekehrt könnten einige Ostdeutsche irritiert sein, wenn sie statt einer Getreidecreme eine gelierte Früchtezubereitung kaufen.

Fazit:

Um Irritationen von Verbrauchern aus dem jeweils anderen Bundesland zu vermeiden, sollten die beschreibenden Bezeichnungen auf der Schauseite stehen.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz [aktuell: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft] über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
20. Dezember 2018