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Rio d’Oro Traube Premium Direktsaft

 

Herkunftsland der Trauben unklar

Verbraucherbeschwerde 

Auf der Verpackung steht: Im Ernteland direkt verpresst. Bei mir wird suggeriert, dass die Trauben in Deutschland angebaut und gepresst wurden. Ist dies zutreffend oder nicht?
Herr L.-V. aus Münster vom 21.07.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Bei verarbeitetem Obst wie Saft oder Konfitüre braucht kein Herkunftsland der Rohware angegeben zu werden. Wenn jedoch mit der Aussage „Direkt im Ernteland gepresst“ geworben wird, sollte nach Ansicht der Verbraucherzentrale zumindest ein Hinweis darauf erfolgen, dass die Früchte aus unterschiedlichen Ernteländern stammen können und deswegen keine Angabe eines bestimmten Erzeugerlandes erfolgt. Verbraucher können sonst vermuten, dass der Saft aus dem Land des Herstellers (Abfüller) stammt.

Der aus Trauben gewonnene „Premiumdirektsaft“ der Marke rio d’oro wird auf der Verpackung mit der Aussage „Im Ernteland direkt gepresst“ beworben. Weiterhin wird eine Herstelleradresse in Deutschland genannt. Um welches Ernteland es sich handelt, wird jedoch nicht angegeben.

Meist werden Säfte wie Orangen-, Ananas- oder Traubensaft im Erzeugerland zu Konzentrat verarbeitet (das Wasser wird entzogen) und im Verarbeitungsland (z. B. Deutschland) mit Wasser rückverdünnt und abgefüllt. Direktsäfte werden dagegen weder konzentriert noch rückverdünnt, sondern nur gepresst, eventuell transportiert und abgefüllt.

Bei der Angabe des Herstellernamens handelt es sich um eine Pflichtangabe. Sie hat in der Regel nichts mit der Herkunft des Produkts oder der Rohstoffe zu tun. Der Hersteller ist bei Obsterzeugnissen nicht verpflichtet, das Ursprungsland der verarbeiteten Früchte anzugeben. Da keine weiteren Angaben zur Herkunft gemacht werden, könnten Verbraucher aufgrund der Herstelleradresse und der Auslobung „Im Ernteland direkt gepresst“ den Schluss ziehen, dass es sich um deutsche Trauben handelt, die in Deutschland gepresst wurden – dass es sich also bei dem „Ernteland“ um Deutschland handelt.

Nach Auskunft des Herstellers handelt es sich jedoch um eine Saftmischung von Trauben aus verschiedenen Herkunftsländern, die im jeweiligen Ernteland „direkt gepresst“ wurden.
Nach Meinung der Verbraucherzentrale erwarten Verbraucher nicht unbedingt, dass die Trauben für einen Direktsaft aus unterschiedlichen Ernteländern stammen. Für den Verbraucher wäre es hilfreicher, wenn bei dieser Auslobung entweder das Ernteland genannt wird oder explizit darauf hingewiesen wird, dass das Ernteland nicht Deutschland ist. Nur so kann hier eine Irritation der Verbraucher ausgeräumt werden.

Stellungnahme der Jacobi Scherbening GmbH & Co. KG, Paderborn

Kurzfassung:
Die Aussage IM ERNTELAND DIREKT GEPRESST ist zutreffend und dient zur Differenzierung von Direktsaft zu Fruchtsaft aus Fruchtsaftkonzentrat. Der geografisch nicht näher spezifizierte Begriff ERNTELAND wurde aufgrund verschiedener Herkünfte der Rohwaren gewählt. Die Angabe des Herstellers ist eine Pflichtangabe.
Wir sehen keinen Anhaltspunkt dafür, beide Angaben miteinander in Verbindung zu bringen.

Stellungnahme Downloads 
Stand 
20. September 2011