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Lebensmittel mit Kräuterauszügen, Beispiel Bonbons mit echtem Minzöl

 

Werbung mit „echten Kräuterauszügen“ bei Kennzeichnung von Aroma in der Zutatenliste erlaubt

Verbraucherbeschwerde 

Das Produkt bezeichnet sich als "..."-Bonbons. Die Beschreibung sagt: "...Kombination aus natürlichem Eukalyptus und Menthol..." Die Zutatenangabe zeigt nur Eukalyptusöl. Keinerlei Angaben zu Menthol. Entweder das Produkt enthält kein Menthol, oder die Zutatenliste ist falsch.
Herr B. aus Mülheim an der Ruhr vom 03.02.2014

Auf der Frontseite steht, dass Ingwerauszüge vorhanden sind. In der Zutatenliste ist davon aber keine Rede.
Verbraucher aus Schwetzingen vom 06.05.2012

Bei den Bonbons "mit echtem Minzöl“ befindet sich kein Minzöl in der Zutatenliste. Lediglich Aroma steht dort. Da auf der Frontseite mit dem echten Minzöl geworben wird, erwarte ich dies auch im Zutatenverzeichnis, gegebenenfalls mit Mengenangabe, zu finden.
Verbraucherin aus Koblenz vom 06.12.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Ein „echter Minzextrakt“ oder „Minzöl“ kann im Zutatenverzeichnis als „Aroma“ oder „natürliches Pfefferminzaroma“ bezeichnet werden. Aus Verbrauchersicht ist eine solche Kennzeichnung jedoch unbefriedigend, da die ausgelobten Kräuterauszüge nicht wörtlich in der Zutatenliste zu finden sind. Außerdem kann sich hinter einer solchen unkonkreten Kennzeichnung eine Mischung verschiedener Aromen mit dem echten Kräuterauszug verbergen.

Grundsätzlich sollten beworbene Zutaten als solche in der Zutatenliste stehen und nicht als „Oberbegriff“ auftauchen, der für qualitativ ganz verschiedene Substanzen stehen kann. Bisher lässt die EU-Aromenverordnung beide Möglichkeiten zu. Hier wäre eine Änderung der Verordnung im Sinne einer verpflichtenden Kennzeichnung beworbener Geschmacks- und Geruchsstoffe sinnvoll.

Darum geht’s:

Bei verschiedenen Lebensmitteln wie Getränken, Bonbons oder Desserts stellen die Anbieter prominent auf der Schauseite der Verpackung die Zugabe von echten Kräuterauszügen oder -extrakten heraus. Teilweise wird dieser Hinweis durch Abbildung der beworbenen Kräuter oder Gewürze verstärkt. Durch diese Aufmachung der Verpackung erwarten die Verbraucher, dass die ausgelobten Zutaten in der Zutatenliste stehen. Sie fühlen sich getäuscht, wenn sie Kräuterauszüge nicht in der Zutatenliste finden, sondern „Aroma“ oder „natürliches Aroma“.

Das ist geregelt:

Die EU-Aromenverordnung regelt die Verwendung der unterschiedlichen Begriffe zu Aromen sowie deren Herstellung. Allgemein steht Aroma für ein Erzeugnis, das Lebensmitteln zugesetzt wird um ihnen einen besonderen Geruch und/oder Geschmack zu verleihen oder diese zu verändern. „Aroma“ kann somit als Oberbegriff für alle Arten von Aromen im Zutatenverzeichnis stehen.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale fehlt hier die Transparenz für Verbraucher. Es ist möglich, dass Verbraucher die Kennzeichnung „Aroma“ nicht mit dem ausgelobten „Minzextrakt“ oder „Minzöl“ in Verbindung bringen und annehmen, die beworbene Zutat würde fehlen.

Tatsache ist, wenn ein echter Kräuterauszug beworben wird, muss er auch in dem Produkt enthalten sein. Dies sollte für Verbraucher im Zutatenverzeichnis erkennbar sein.

Fazit:

Beworbene Extrakte und Auszüge sollten als solche in der Zutatenliste stehen und nicht als Oberbegriff „Aroma“ auftauchen, der für qualitativ ganz verschiedene Substanzen stehen kann. Im konkreten Fall wäre eine Änderung der EU-Aromenverordnung sinnvoll.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz [aktuell: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft] über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
31. Januar 2019