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Keks – trotz „baby- oder kleinkindgerechter Rezeptur“ mit 25 Prozent Zucker

 

Kekse mit herkömmlicher Zuckermenge erfüllen die Anforderungen der EU-Beikost-Richtlinie für Säuglinge und Kleinkinder

Verbraucherbeschwerde 

Auf der Vorderseite steht "In kleinkindgerechter Rezeptur". Auf der Rückseite steht "Ideal abgestimmt auf die Ernährungsbedürfnisse von Kleinkindern ab 1 Jahr". In der Zutatenliste findet sich dann Zucker an zweiter Stelle. Da frage ich mich dann doch, wie der Hersteller das als kleinkindgerecht anpreisen kann.
Verbraucher aus Rattelsdorf vom 12.02.2014

Der Kinderkeks wird mit "babygerechte Rezeptur" sowie "idealem und auch noch bekömmlichen Knabberspaß" beworben; enthält aber 25,2 g Zucker pro 100 g. Ich erwarte als Verbraucher, dass eine solche erhebliche Menge an Zucker sichtbar angegeben wird. Nicht nur in den Nährwerten. "Babygerecht" ist der Keks nicht.
Verbraucher aus Meißen vom 09.01.2013

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Kekse für Säuglinge und Kleinkinder werben mit „babygerechter Rezeptur“ oder „kleinkindgerechter Rezeptur“ und versprechen damit eine besondere an die Ernährungsbedürfnisse dieser Altersgruppe angepasste Zusammensetzung. Nach der EU-Beikostlinie-Richtlinie darf Getreidebeikost bis zu 7,5 Gramm Zucker/100 Kilokalorien enthalten, was etwa 34 Gramm/100 Gramm bei Mürbeteigkeksen entspricht. Dies ist deutlich mehr als ein durchschnittlicher Mürbeteigkeks mit 25 Gramm Zucker enthält. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sind Kekse als Nahrung für Säugling nicht geeignet. Auch Kleinkinder sollten allenfalls selten und in kleinen Mengen gering gesüßte Kekse zu essen bekommen. Eine Überarbeitung der EU-Beikost-Richtlinie hinsichtlich der erlaubten Nährstoffzusammensetzung für Getreidebeikost ist daher aus unserer Sicht empfehlenswert.

Darum geht´s:

Ein Keks zum Verzehr ab dem 8. Monat und damit für die Säuglingsernährung empfohlen, wirbt auf der Frontseite der Verpackung unter anderem mit „babygerechte Rezeptur“. Ein anderer Keks mit "In kleinkindgerechter Rezeptur" und "Ideal abgestimmt auf die Ernährungsbedürfnisse von Kleinkindern ab 1 Jahr". Die Zutatenliste bzw. Nährwerttabelle weisen auf einen Zuckergehalt wie in herkömmlichen Keksen (etwa 25 Gramm/100 Gramm) hin.
Die Verbraucher empfinden die Zusammensetzung aufgrund des hohen Zuckergehaltes nicht als baby- oder kleinkindgerecht.

Das ist geregelt:

Die EU-Beikost-Richtlinie Getreidebeikost beschreibt die Anforderungen für bestimmte Lebensmittel, die den besonderen Ernährungsanforderungen gesunder Säuglinge und Kleinkinder gerecht werden. Sie gilt unter anderem für Getreidebeikost, zu der auch Kekse zählen. Die Anforderungen an die  Lebensmittel legen Mengen an bestimmten Nährstoffen fest.
Unter dem Punkt Kohlenhydrate heißt es: „Werden den Produkten … Saccharose, Fructose, Glucose, Glucosesirupe oder Honig zugesetzt, so darf  der Anteil der aus diesen Zusätzen stammenden Kohlenhydrate höchstens 1,8 g/100 kJ (7,5 g/100 kcal) betragen; der Fructosezusatz höchstens 0,9 g/100 kJ (3,75 g/100 kcal) betragen.“

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Die ersten vier bis sechs Lebensmonate sollten Säuglinge nach übereinstimmender Ansicht der Fachleute ausschließlich Muttermilch oder Muttermilchersatznahrung erhalten. Im zweiten Lebenshalbjahr des Säuglings kommen schrittweise drei Beikostmahlzeiten – Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei, Getreide-Milch-Brei und Getreide-Obst-Brei – hinzu. Erst ab dem achten bis zehnten Lebensmonat des Kindes beginnt der schrittweise Übergang von der Säuglingsernährung zur Familienkost. Kekse und andere Fertigprodukte mit Zuckerzusatz sind nach Ansicht der Verbraucherzentralen kein Bestandteil der Säuglingsernährung. Eltern sollten darauf verzichten. Auch danach sollten die Eltern darauf achten, Kleinkindern allenfalls selten und in kleinen Mengen gering gesüßte Kekse aus dem vollen Korn zu geben.
Die vorliegenden „Kinderkekse“ enthalten genauso viel Zucker wie ein nach gängiger Nährwerttabelle vergleichbares herkömmliches Mürbeteiggebäck. Der für Getreidebeikost erlaubte Zuckergehalt kann bei einem durchschnittlich Energiegehalt von 450 kcal/100 g Mürbeteig-Keks sogar bis zu 34 g/100 g betragen, liegt also noch deutlich über dem tatsächlichen Gehalt der vorliegenden Kekse. Von einem kind- gar babygerechten Lebensmittel kann hier nach Ansicht der Verbraucherzentralen aufgrund des Zuckergehaltes nicht die Rede sein.

Fazit:

Die EU-Beikost-Richtlinie sollte hinsichtlich der empfohlen Nährstoffgehalte überarbeitet werden. Dabei sollte geprüft werden, ob  eine Unterscheidung der empfohlenen Lebensmittel nach Säuglingen und Kleinkindern sinnvoll ist, da die Ernährungsbedürfnisse sehr unterschiedlich sind.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz [aktuell: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft] über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
2. Juli 2018