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„Hafer-Vollkornbrot“ mit geringem Haferanteil

 

Brote wie „Hafer-Vollkornbrot“ oder „Buchweizenbrot“ mit geringem Anteil an Hafer oder Buchweizen

Verbraucherbeschwerde 

Beschwerden zu Buchweizenbrot

Auf der Vorderseite der Verpackung steht "Buchweizenbrot Backmischung". Ich bin davon ausgegangen, dass es sich auch um Buchweizenmehl handelt oder zumindest die Menge des Buchweizenmehls überwiegt. Schaut man aber hinten bei den Zutaten, ist lediglich 20 % Buchweizenmehl drin. 65 % sind Weizenmehl und 15 % Roggen.

Verbraucherin aus Bonn vom 02.04.2020

Beschwerden zu Haferbrot

Auf der Suche nach einem Haferbrot bin ich auf ganz unterschiedliche Sorten gestoßen. In diesem Fall heißt das Brot zwar Haferbrot, aber wenn man genauer hinschaut, ist es eben doch ein Mischbrot mit viel Weizen (also mehr Weizen als Hafer) und genau das wollte ich vermeiden. Es gibt doch auch Roggenbrot, das dann nur aus Roggenmehl besteht und dann gibt es auch glutenfreie Haferbrote. Das finde ich sehr verwirrend.

Verbraucherin aus Neustadt vom 09.01.2020

Die Fertigmischung ist als Haferbrot angepriesen, sind aber nur 16 % Haferflocken und 7 % Hafermehl verarbeitet. Durch geschickten Aufdruck, könnte man glauben, es wären 60 % Haferflocken und 16 % Haferflockenmehl enthalten.
Verbraucher aus Flensburg vom 08.03.2017

Einschätzung der Verbraucherzentrale:
Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Die Backmischung für Hafer-Vollkornbrot besteht mit 60 Prozent Weizenvollkornmehl zu gut zwei Dritteln des Getreideanteils aus Weizen und nicht aus Hafer. Die Bezeichnung weist Verbraucher nur auf Hafer hin und kann daher einen falschen Eindruck über dessen Anteil im Brot vermitteln.
Bei Auslobung einer Getreideart sollten alle anderen für die Backware verwendeten Getreidearten genannt werden und zwar in der Reihenfolge der Mengenanteile, beispielsweise „Weizen-Haferbrot“ oder „Weizenbrot mit Hafer“.

Darum geht’s:

In der Zutatenliste der Backmischung stehen an erster Stelle 60 Prozent Weizenvollkornmehl. Die Haferbestandteile folgen mit insgesamt 25 Prozent. Weiterhin sind als Getreidebestandteile noch 4,5 Prozent Weizenvollkornsauerteig und Weizeneiweiß enthalten.
Für Verbraucher steht die Zusammensetzung der Backmischung im Widerspruch zur Bezeichnung des Brotes, die nur auf Hafer hinweist.

Das ist geregelt:

Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Zusammensetzung. Das ist ein wesentlicher Grundsatz in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV).

Nach den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck soll Weizen-, Roggen- und Dinkelbrot ebenso wie Weizen- und Roggenvollkornbrot zu 90 Prozent aus der genannten Getreideart bestehen. Für Hafervollkornbrot sind dagegen nur mindestens 20 Prozent Hafervollkornerzeugnisse und insgesamt mindestens 90 Prozent Vollkornerzeugnisse vorgesehen. Entsprechendes gilt für Vollkornbrote mit Bezeichnungen von anderen Getreidearten wie Gerstenvollkornbrot. Auch Nicht-Vollkornvarianten enthalten jeweils nur mindestens 20 Prozent Hafer. Außer Haferbrot führen die Leitsätze noch Buchweizenbrot, Reisbrot, Maisbrot, Hirsebrot und Gerstenbrot auf.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Viele Brotsorten werden traditionell nach den verwendeten Getreidearten benannt. So enthält beispielsweise Weizen- oder Roggenbrot in erster Linie Weizen oder Roggen als Getreideart. Analog können Verbraucher bei Broten mit anderen Getreidearten in der Bezeichnung von einem überwiegenden Anteil dieser Getreidearten ausgehen.
Diese Thematik war Teil einer repräsentativen Verbraucherstudie im Auftrag von Lebensmittelklarheit in 2018. Danach halten viele Verbraucher den festgelegten Mindestanteil von 90 Prozent des Getreideanteils bei Roggen- und Weizenbrot für angemessen. Allerdings erwarten sie bei weiteren, weniger üblichen Getreidearten wie Hafer, Mais und Hirse zwar einen geringeren, aber mindestens 50-prozentigen Anteil. Somit scheint die Bezeichnung Haferbrot bei einem Haferanteil von lediglich 20 Prozent nicht mehr zeitgemäß.
Angesichts der Vielfalt an neuen Produkten am Markt mit sehr unterschiedlichen Anteilen an Getreiden und anderen Zutaten – ca. 3200 Brotsorten stehen aktuell im deutschen Brotregister –, ist eine einheitliche Bezeichnung für Brot hinsichtlich der Getreidearten aus unserer Sicht umso wichtiger.

Fazit:

Bei Auslobung einer Getreideart sollten alle anderen für die Backware verwendeten Getreidearten genannt werden und zwar in der Reihenfolge der Mengenanteile, beispielsweise „Weizen-Haferbrot“ oder „Weizenbrot mit Hafer“.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Problematik informiert.

Stand 
9. April 2020