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Kein Zutatenverzeichnis bei Glühwein

 

Glühwein hat kein Zutatenverzeichnis und außerdem gibt es Einschränkungen bei geografischen Angaben.

Verbraucherbeschwerde 

Ich habe extra einen Bio-Glühwein gekauft, weil ich einen guten Glühwein und nicht so einen aromatisierten Zuckerwein wollte wie es ihn häufig auf dem Weihnachtsmarkt gibt.Sicherheitshalber wollte ich aber nochmal die Zutatenliste prüfen, ob wirlich nur Gewürze drin sind. Also: Ich habe keine gefunden. Da stehen zwar verschiedene Zutaten drauf, aber das klingt eher wie Werbung und ist keine richtige Zutatenliste. So was ist doch gar nicht erlaubt, oder?

Ein Lebensmittel aus mehreren Zutaten ohne Zutatenliste. Das kann doch wohl nicht sein.

Verbraucherin aus Karlsruhe vom 19.12.2019

Das Produkt "Winzer Glühwein" wirbt mit traditioneller Rezeptur. Ich bin also davon ausgegangen einen gewürzten Weißwein zu kaufen. Auf dem Etikett ist keinerlei Hinweis auf künstliche Zusätze oder Süßungsmittel enthalten.

Verbraucherin aus Mölln vom 06.11.2015

Auf dem Etikett steht "...Glühwein“ ohne Angabe der tatsächlichen Inhaltsstoffe, kein Weinanbaugebiet. Es werden nur die Vertriebsfirma ... und ein Abfüller ... genannt (diese ist weder im Internet noch in einem Telefonbuch zu finden). Der Produzent oder ein ... Weinanbaugebiet ... sind nicht aufgeführt ... Man kann einfach nicht entnehmen, was man eigentlich trinkt.

Verbraucher aus Freiberg vom 01.12.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Glühwein ist ein weinhaltiges Getränk und bedarf keines Zutatenverzeichnisses. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sollten auch Getränke mit einem Alkoholgehalt über 1,2 % vol. ein Zutatenverzeichnis aufweisen. Außerdem sollte die Herkunft des Weines genauer beschrieben werden, wenn das weinhaltige Getränk beispielsweise als Winzerglühwein besonders ausgelobt ist. Doch rechtlich sind den Angaben zu Weinanbaugebieten für Glühwein Grenzen gesetzt.

Darum geht’s:

Auf dem Etikett einer Flasche Glühwein wird mit einer besonderen Rezeptur geworben. Doch die Zutaten dieser Rezeptur bleiben dem Verbraucher verborgen. Außerdem wird besonders hervorgehoben, dass es sich um einen Glühwein von einem deutschen Winzer handelt, doch außer dem Hinweis, dass dieser Glühwein sich neben Gewürzen aus kräftigen deutschen Rotwein zusammensetzt, erfolgen keine näheren Angaben zur Herkunft des Rotweines.

Das ist geregelt:

Glühwein ist ein aromatisiertes weinhaltiges Getränk und braucht aufgrund seines Alkoholgehaltes von mindestens 7 bis weniger als 14,5 Volumenprozent kein Zutatenverzeichnis anzuführen. Diese Ausnahme sieht die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) vor für Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent, ausgenommen Bier. Weitere Angaben auf dem Etikett sind für diese Produktgruppe vorgeschrieben, wie etwa der Hersteller, der Abfüller oder Vertreiber, der Alkoholgehalt, die Füllmenge und ggf. eine Allergenkennzeichnung, wie „enthält Sulfite“.

Glühwein unterliegt zusätzlich den Regelungen des Weinrechts und wird gemäß europäischer Verordnung über aromatisierte Weinerzeugnisse hauptsächlich mit Zimt und/oder Gewürznelken gewürzt. Wird Weißwein für Glühwein verwendet, muss entsprechend der Verordnung in der Bezeichnung darauf hingewiesen werden. Bei Glühweinen sind zudem nur die geographischen Angaben „Thüringer“ und „Nürnberger“ zulässig. Außerdem dürfen nach der Verordnung aromatisierte weinhaltige Getränke Wortbestandteile wie „Winzer“ oder „Weingut“ nur verwenden, wenn die Trauben von den Rebflächen des kennzeichnenden Betriebes stammen, sowie die Herstellung des Getränkes vollständig im kennzeichnenden Betrieb erfolgt ist.

Mit dem Thema Gewürze in Glühwein hat sich in 2019 der Arbeitskreis Lebensmittelchemischer Sachverständiger der Länder und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (ALS) beschäftigt: Nach deren Beschluss dürfen auch weitere Gewürze sowie Orangen- und Zitronenschalen verwendet werden. Das Aroma von Zimt und/oder Gewürznelke sollte jedoch sensorisch erkennbar sein.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Über Zutatenverzeichnisse auf verpackten Lebensmitteln können sich Verbraucher in der Regel über die verwendeten Zutaten genauer informieren. Auch bei alkoholischen Getränken mit einem Alkoholgehalt über 1,2 Volumenprozent ist es aus unserer Sicht ein berechtigter Wunsch, aus der Zutatenliste beispielsweise erfahren zu wollen, welcher Wein und welche weiteren Zutaten, wie Zucker, verwendet wurden. Auch ist es von Bedeutung, ob der Geschmack aus Gewürzen oder aus Aromen stammt. Wird zudem der Glühwein als „Winzerglühwein“ bezeichnet, so suggeriert dies einen besonderen regionalen Bezug zu Winzern und deren regionaler Weinproduktion. Der Verbraucher darf zu Recht erwarten, dass dieser regionale Bezug genauer erläutert wird. Doch dem Hersteller sind hier gesetzliche Grenzen gesetzt.

Fazit:

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sollten auch Getränke mit einem Alkoholgehalt über 1,2 Volumenprozent ein Zutatenverzeichnis haben. Wir unterstützen daher Bestrebungen, ein Zutatenverzeichnis für solche Produkte gesetzlich verpflichtend zu regeln. Hinsichtlich der regionalen Angaben für die im Glühwein verwendeten Weine sollten auch aufgrund des zunehmenden Interesses der Verbraucher an der Herkunft der verwendeten Hauptzutaten gesetzliche Alternativen zum geltenden Weinrecht geprüft werden

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz [aktuell: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft] über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
19. Dezember 2019