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EDEKA Wildpfirsiche, Angebot auf reichelt-berlin.de vom 17.07.2013

 

Wildpfirsiche in Zukunft weniger missverständlich als Plattpfirsiche bezeichnet

Verbraucherbeschwerde 

Platt- oder Bergpfirsiche werden als Wildpfirsiche angeboten. Mit "wild" werden ganz andere Maßstäbe an Anbau, Ernte, Spritzen und Vermarktungswege verbunden, was bei diesen Pfirsichen alles nicht gegeben ist.
Herr B. aus Berlin vom 19.07.2013

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:
Es klingt immer gut, wenn „Wildfrüchte“ im Lebensmittelangebot sind. Es weckt die Assoziation von „wild gewachsen und ungespritzt“. Bei den so bezeichneten Früchten handelt es sich um eine andere Sorte, die sich äußerlich deutlich von den bekannten kugeligen Pfirsichen unterscheidet. Es ist nach Einschätzung der Verbraucherzentrale schwer vorstellbar, dass die angebotenen Warenmengen dieser Pfirsichsorte in der freien Natur geerntet wurden.
Der Anbieter sollte daher die Kennzeichnung ändern und die Früchte mit ihrem Sortennamen benennen.

Darum geht’s:
Online bot Edeka Reichelt aus Berlin am 17.07.2013 frische Pfirsiche als „Wildpfirsiche, weißfleischig, Sorte: Paraguayos“ an. Optisch unterscheiden sich diese Pfirsiche von den bekannten kugelförmigen Pfirsichen. Sie sehen eher wie plattgedrückte Kugeln in Tellerform aus. Es werden verschiedene Bezeichnungen für diese Pfirsichsorte wie Weinbergpfirsich, Bergpfirsich, Tellerpfirsich und Plattpfirsich genutzt.
Die korrekte Bezeichnung lautet Prunus persica var. platycarpa oder paraguayo. Die Sortenbezeichnung „Wildnektarinen“ gibt es botanisch nicht.

Das ist geregelt:
In den EU-Vermarktungsnormen für Obst und Gemüse (Durchführungsverordnung (EU) Nr. 543/2011) ist für Pfirsiche und Nektarinen zur Kennzeichnung vorgeschriebenen:

  • „Pfirsiche” oder „Nektarinen”,
  • wenn der Inhalt von außen nicht sichtbar ist, Farbe des Fruchtfleisches und
  • freiwillig der Name der Sorte.

Die Phantasiebezeichnung als „Wild“pfirsich ist demnach nicht vorgesehen.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:
Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale versucht der Hersteller mit der Bezeichnung „Wildpfirsiche“ seinem Produkt einen qualitativ hochwertigen Anschein zu geben. Verbraucher, die Wert auf Ursprünglichkeit und Natürlichkeit legen, könnten zu der Auffassung gelangen, es handele sich bei diesen Pfirsichen um naturbelassene, wild gewachsene Pfirsiche, die nicht kultiviert und damit auch nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden. Die Unterscheidung in Kultur-Obst und Wild-Obst kennt der Verbraucher z. B. von Heidelbeeren. Es erscheint hier eher unwahrscheinlich, dass die angebotenen Mengen dieser Pfirsichsorte aus Wildwuchs stammen.
Zweifelsfrei handelt es sich bei dem Angebot um eine andere Sorte als die kugeligen Pfirsiche, was durch die Sortenangabe Paraguayos auch gekennzeichnet ist. Die Sortenangabe spielt jedoch aus unserer Sicht hier bei der dominanten Bezeichnung Wildpfirsiche keine Rolle, da alle Sorten einer Obstart theoretisch wild gewachsen sein könnten.

Fazit:
Der Anbieter sollte bei der Bezeichnung auf den Wortbestandteil „Wild“ verzichten und die Sorte, z. B. als Plattpfirsiche, bezeichnen.

Stellungnahme der EDEKA Minden-Hannover Stiftung & Co. KG, Minden

Wir haben die Kennzeichnung des bisher in unserer Werbung als „Wildpfirsich“ bezeichneten Paraguayo Pfirsichs aufgrund eines Verbraucherhinweises geändert. Wir bedanken uns für den Hinweis des Verbrauchers über dieses Portal. Ab sofort werden unsere Kunden in der Werbung die einheitliche Kennzeichnung des Produktes mit der Bezeichnung „Plattpfirsich“ finden. Die EDEKA Minden - Hannover folgt damit zudem der empfohlenen Kennzeichnung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Stand 
24. Oktober 2013