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Vitaminkapseln: Empfohlene Verzehrsmenge viel zu hoch

Vitamintabletten werden häufig im Internet beworben.
Vitamintabletten werden häufig im Internet beworben. © Antonioguillem - Fotolia.com

Wer seine Vitaminkapseln als Nahrungsergänzungsmittel anbietet, muss sich ans Lebensmittelrecht halten. Unter anderem muss er eine empfohlene Verzehrsmenge aufs Etikett drucken. Zusätzlich ist er verpflichtet, für jedes Vitamin anzugeben, welchen Anteil an der empfohlenen Tageszufuhr das Produkt liefert. Diese Vorgabe hat der Anbieter eines Vitaminpräparates zwar erfüllt. Die von ihm genannte Dosierung liefert allerdings bereits 500 Prozent der von Experten empfohlenen Tageszufuhr an Vitamin D. Nach einer Verbraucherbeschwerde an Lebensmittelklarheit wurde der Fall an das Portal „Klartext Nahrungsergänzung“ weitergeleitet und der Lebensmittelüberwachung gemeldet.

Experten fordern Höchstmengen für Vitaminpräparate

Im EU-Lebensmittelrecht gibt es für die Anreicherung von Nahrungsergänzungsmitteln bislang keine Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe. Lediglich die oben genannten Angaben sowie der Warnhinweis: „Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrsmenge darf nicht überschritten werden“ sind Pflicht. Im Fall der oben erwähnten Vitaminkapseln liegt die täglich empfohlene Vitaminmenge allerdings bereits im Arzneimittel-Bereich. Als Arzneimittel müsste das Produkt aber ein aufwändiges Zulassungsverfahren durchlaufen und der Anbieter müsste Angaben zu möglichen Nebenwirkungen machen.

Experten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) haben bereits 2004 Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen und diese Mengen im Jahr 2018 aktualisiert. Auch die Verbraucherzentralen fordern seit Jahren rechtlich verbindliche Regelungen zu Höchstmengen für Stoffe in Nahrungsergänzungsmitteln, wie es die EU-Nahrungsergänzungsmittel-Richtlinie vorsieht. Diese lassen jedoch bereits seit 2002 auf sich warten.

Auf Instagram kursieren noch höhere Empfehlungen

Im Fall der Vitaminkapseln zeigt sich ein weiteres Problem: Auf dem Instagram-Account des Anbieters wird über eine empfohlene Menge von acht Kapseln täglich diskutiert. Dies ist viermal so viel, wie der Hersteller auf seiner offiziellen Homepage schreibt. Wo die Empfehlung herrührt, bleibt unklar. Der Anbieter postet bei Instagram Videos und „Storys“, die nur vorübergehend sichtbar sind. Möglicherweise gibt er dort Empfehlungen, die im Nachhinein nicht mehr nachzuvollziehen sind.  

Die steigende Anzahl an Verbraucherbeschwerden an Lebensmittelklarheit deutet darauf hin, dass die Problematik von versteckter, unzulässiger Werbung in sozialen Netzwerken weiter zunehmen könnte. Unzulässige Werbung ist dort schwieriger zu unterbinden, weil die Verantwortlichen oft schlecht zu ermitteln sind und häufig unklar bleibt, ob es sich um kommerzielle Mitteilungen handelt. Zudem ändern sich die Inhalte meist sehr schnell.

Quelle: Klartext Nahrungsergänzung: „Auf Instagram wird eine viel zu hohe Verzehrsmenge empfohlen“

Letzte Änderung 
8. August 2018
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Bitte beachten Sie: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden nicht aktualisiert.