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Staatliches Tierwohlsiegel in drei Stufen: Fleisch soll ab 2020 im Handel sein

Schweinehaltung
© RGtimeline - Fotolia.com

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner stellt die Kriterien für das staatliche, Tierwohlkennzeichen-System vor. Es soll Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf von Fleisch klare und verlässliche Informationen darüber geben, ob und in welchem Ausmaß Tierwohlkriterien bei Haltung, Transport und Schlachtung berücksichtigt wurden.

Das neue Tierwohllabel sieht drei Stufen vor: Stufe 1 bringt bereits Verbesserungen über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus, beispielsweise 20 Prozent mehr Platz im Stall. Mit den Stufen 2 und 3 werden weitere Fortschritte bei der Tierhaltung erreicht. Zum Beispiel haben Schweine in der Stufe 3 durchschnittlich 91 Prozent mehr Platz und ab einem Gewicht von 30 Kilogramm zusätzlich einen Auslauf. Ab Stufe 2 sind das Kupieren der Schwänze und die Kastration der männlichen Ferkel ohne Betäubung verboten.

Kriterien des Tierwohlsiegels
© BMEL

Die Kennzeichnung ist nicht nur auf Fleisch beschränkt, sondern auch auf Fleischerzeugnissen und in Gastronomie und Kantinen möglich. Der Preis für Fleisch mit Tierwohlkennzeichnung wird höher sein, denn der Verkauf der Produkte soll die Kosten für den Mehraufwand der Landwirte finanzieren. Konkrete Aussagen dazu sind derzeit aber noch nicht möglich.

Die Umsetzung in geltendes Recht soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein, so dass es voraussichtlich 2020 die ersten gekennzeichneten Produkte im Handel geben wird. Andere Tierschutzlabels können neben dem freiwilligen staatlichen Kennzeichen weiter existieren.

Einschätzung der Verbraucherzentrale

Aus Sicht von Lebensmittelklarheit bietet das Siegel Verbrauchern, denen Tierschutz bei der Fleischerzeugung wichtig ist, eine Entscheidungshilfe. Sie ist dringend erforderlich, denn die bisherigen Auslobungen und verschiedenen Siegel sind schwer vergleichbar und ihr Plus an Tierschutz kaum einzuschätzen.

Die Kriterien erfüllen in Stufe 1 aus unserer Sicht noch nicht den Anspruch an „Tierwohl“. Der zusätzliche Platz für die Schweine müsste höher liegen. 20 Prozent sind keine Errungenschaft, wenn der gesetzliche Mindeststandard einem Ferkel zurzeit nur eine Fläche von 30 mal 50 Zentimetern zugesteht.

Als großen Pluspunkt des Siegels sehen wir dagegen, dass es sich nicht auf die Tierhaltung beschränkt, sondern den Lebenszyklus der Tiere inklusive Transport und Schlachtung berücksichtigt. Beispielsweise begrenzt es die maximale Transportzeit auf acht Stunden statt der gesetzlich festgelegten 24 Stunden. Außerdem sieht es Regelungen vor, wo bisher keine konkreten gesetzlichen Vorschriften existieren, wie für die Unterbringung der Tiere im Wartestall vor der Schlachtung.

 

Quellen:
Verbraucherzentrale Bundesverband: Tierwohlkennzeichnung ist ein Fortschritt, aber Einstiegsstufe deutlich zu niedrig. Pressemitteilung vom 6.2.2019
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Klöckner: "Mehr Tierwohl von der Geburt bis zur Schlachtung machen wir sichtbar." Pressemitteilung vom 6.2.2019
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Das staatliche Tierwohlkennzeichen für Schweine. Alle Kriterien im Überblick

Letzte Änderung 
7. Februar 2019
Hinweis

Bitte beachten Sie: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden nicht aktualisiert.