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Marktcheck: Kaum Fleisch aus tiergerechter Haltung im Handel

Weihnachtsgans
© ExQuisine - Fotolia.com

Das Bewusstsein der Verbraucher für Tierwohl steigt – viele werden gerade zu Weihnachten auf Fleisch aus tiergerechter Haltung achten. Das freiwillige Haltungsform-Label des Handels soll Orientierung bieten. Doch ein bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen zeigt: Auch anderthalb Jahre nach Einführung des Labels bieten Supermärkte und Discounter nur wenig Fleisch und Geflügel mit höheren Haltungsstandards an

Nur 13 Prozent der Produkte mit höherem Haltungsstandard

Insgesamt überprüften die Verbraucherzentralen mehr als 1700 verpackte Fleischprodukte aus rund 30 Geschäften. 87 Prozent des überprüften Fleischangebotes waren mit den Haltungsformen 1 und 2 gekennzeichnet. Die so gekennzeichneten Produkte stammen aus Tierhaltung, die dem gesetzlichen Mindeststandard entspricht oder knapp darüber liegt. Nur 13 Prozent der Erzeugnisse tragen das Haltungsform-Label 3 oder 4. Insbesondere das Angebot der Stufe 3 ist mit drei Prozent verschwindend gering. Das Fleisch der Haltungsform 4 ist überwiegend Bio-Fleisch.

Außerdem variiert das Angebot je nach Tierart sehr stark. So stammt Schweinefleisch überwiegend aus der Haltungsform 1, Geflügelprodukte aus der Haltungsform 2. Bei Rindfleisch haben die Käufer praktisch nur die Wahl zwischen Haltungsform 1 und 4. Insgesamt seien die Wahlmöglichkeiten für Verbraucher sehr eingeschränkt, so die Verbraucherzentralen. Somit hat sich das Angebot gegenüber 2019 kaum verbessert.

Was das Label bedeutet

Seit April 2019 kennzeichnen acht Handelsunternehmen ihre Fleischprodukte einheitlich mit dem Label „Haltungsform“:

Die Haltungsform 1 „Stallhaltung“ entspricht bei Schweinen und Masthühnern dem gesetzlichen Mindeststandard. Bei Rindern und Puten zeigt Stufe 1 die branchenübliche Haltung an. Für diese Tierarten gibt es keine speziellen Haltungsvorschriften.

Bei der Haltungsform 2 „StallhaltungPlus“ haben Schweine, Masthühner, Puten und Rinder haben etwas mehr Platz im Stall. Die Tiere bekommen zusätzliches Beschäftigungsmaterial. Kühe dürfen nicht angebunden sein.

Bei der Haltungsform 3 „Außenklima“ haben die Tiere noch mehr Platz im Stall – Schweine beispielsweise 40 Prozent mehr. Außerdem haben sie beispielsweise einen überdachten Außenbereich oder eine nach außen offene Stallseite.

Die Haltungsform 4 „Premium“ bietet den meisten Platz im Stall. Die Tiere haben Zugang zu Auslauf im Freien und bekommen gentechnikfreies Futter. In diese Stufe ist Biofleisch einzuordnen. Auch konventionelles Fleisch kann in der „Premium“-Stufe angeboten werden, wenn die Tierhaltung die beschriebenen Anforderungen erfüllt.

Haltungsform-Label ersetzt kein gesetzliches Tierwohllabel

Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass das Haltungsform-Label des Handels nicht mit einem Tierwohllabel gleichzusetzen sei. Allein mehr Platz und Einstreu im Stall garantieren kein besseres Tierwohl. Für verlässliche Aussagen zum Tierwohl müssten verhaltens- und gesundheitsbezogene Faktoren in der Tierhaltung und am Schlachthof erhoben und ausgewertet werden. Die Verbraucherzentralen fordern, schnellstmöglich eine aussagekräftigere staatliche Tierwohlkennzeichnung einzuführen.

Ein staatliches Tierwohlsiegel ist bereits in Planung und sollte ursprünglich im Jahr 2020 umgesetzt werden. Bislang ist das aber noch nicht geschehen.

 

Quelle: „Festtagsbraten aus tiergerechterer Haltung: kaum im Angebot“; Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Hessen vom 15.12.2020

Letzte Änderung 
16. Dezember 2020
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Bitte beachten Sie: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden nicht aktualisiert.