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Ernährungsreport 2020: Siegel werden Verbrauchern wichtiger

Ernährungsreport 2020 Seite 9
© Ernährungsreport 2020 - eine forsa-Studie im Auftrag des BMEL

Die Coronakrise hat verschiedene Aspekte der Ernährung stärker in den Blickpunkt gerückt, unter anderem die Produktionsbedingungen in der Fleischindustrie. Dass sich Verbraucher schon länger zunehmend für die Herkunft, die Produktionsbedingungen und die Qualität ihrer Lebensmittel interessieren, zeigt auch der Ernährungsreport 2020 des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL). Demnach halten 81 Prozent der Befragten ein staatliches Tierwohlsiegel für wichtig oder sehr wichtig. Immerhin die Hälfte der Teilnehmenden (50 Prozent) achtet beim Kauf von Lebensmitteln immer oder meistens auf das Bio-Siegel.

Aufmerksamkeit für fairen Handel und tiergerechte Haltung steigt

Dem Bericht zufolge ist die Aufmerksamkeit für Produkte, die aus fairem Handel und tierwohlgerechter Haltung stammen, im Vergleich zu den Vorjahren weiter gestiegen: 49 Prozent achten beim Einkauf immer oder meistens auf das Siegel „Fairer Handel“ (2018: 42 Prozent), 48 Prozent auf Label, die Fleisch aus besonders tiergerechter Haltung kennzeichnen (2018: 42 Prozent). Label für Produkte aus nachhaltiger Fischerei sind für 47 Prozent der Befragten von Bedeutung. Für all diese Siegel gilt: Frauen achten beim Einkauf häufiger als Männer auf die Label.

Produktinformationen für Frauen wichtiger als für Männer

Bei der Frage, was Verbrauchern beim Einkauf von Lebensmitteln wichtig ist, landete der Geschmack ganz klar auf Platz eins. 97 Prozent der Befragten nannten ihn als wichtig beim Einkauf. Vier von fünf Befragten (83 Prozent) legen zudem Wert darauf, dass ein Lebensmittel aus der Region kommt. Damit ist der Anteil seit 2016 (73 Prozent) und 2017 (78 Prozent) weiter gestiegen. 54 Prozent achten auf Produktinformationen, wobei Frauen dies häufiger tun als Männer.

Das Interesse an regionalen Produkten spiegelt sich auch in den Antworten zu den wichtigsten Produktinformationen. Bei den gesetzlich vorgeschriebenen Angaben sind den Befragten insbesondere Auskünfte zur Herkunft (85 Prozent), zu den Zutaten (83 Prozent) und zum Mindesthaltbarkeitsdatum (81 Prozent) wichtig oder sehr wichtig. Hinweise auf Stoffe, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können, sind für 75 Prozent der Befragten relevant.

Ernährungsreport 2020 Seite 17
© Ernährungsreport 2020 - eine forsa-Studie im Auftrag des BMEL

Verbraucher interessieren sich auch stark für Angaben, die freiwillig auf den Verpackungen zu finden sind: Vor allem Informationen zu den Haltungsbedingungen von Tieren (84 Prozent) und fairen Produktionsbedingungen (83 Prozent) sind von großer Bedeutung. Das Interesse daran, ob ein Produkt vegan oder vegetarisch ist, ist im Vergleich zum Vorjahr auf 41 Prozent gestiegen (2018: 35 Prozent).

An der Befragung des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag des BMEL nahmen von Dezember 2019 bis Januar 2020 rund 1.000 Bundesbürger ab 14 Jahren teil. Bereits zum fünften Mal seit 2015 wurden Verbraucher telefonisch zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten befragt. Aufgrund der aktuellen Situation hat forsa im April 2020 zusätzlich rund 1.000 Teilnehmende gefragt, welchen Einfluss die Corona-Krise auf ihr Einkaufs-, Koch- und Essverhalten hat. So kochen beispielsweise 30 Prozent der Befragten häufiger, fast ebenso viele essen häufiger gemeinsam. 

Was nicht allen Verbrauchern bewusst ist: Während das EU-Bio-Siegel rechtlich geregelt ist und staatlichen Kontrollen unterliegt, werden die anderen genannten Label von privaten Organisationen vergeben und kontrolliert. Teilweise existieren mehrere Siegel verschiedener Organisationen nebeneinander, beispielsweise bei nachhaltiger Fischerei. Für Verbraucher ist es schwierig, Produkte mit verschiedenen Labeln zu vergleichen und eine fundierte Kaufentscheidung zu treffen.

Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): „Deutschland, wie es isst - Der BMEL-Ernährungsreport 2020“

Letzte Änderung 
23. Juli 2020
Hinweis

Bitte beachten Sie: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden nicht aktualisiert.

Kommentare

Wenn man wirklich ehrlich ist, sind die meisten Siegel Augenwischerei und von denen, die diese Siegel vergeben, ein wunderbare Einnahmequelle.
Da zeigt sich z.B. daran, das völlig unterschiedliche Auffassungen zur Größe einer Hühnerherde bestehen, denn während eine Organisation 1000 Tiere für richtig hält, meint der nächste Siegelverkäufer - mehr ist es nämlich nicht in meinen Augen -das es auch 10.000 Tiere sein dürfen.
Noch viel krasser wird es z.B. dann, wenn es um Freilaufende Hühner geht. Die einen haben für die Hühner Grasflächen mit Büschen, Sträuchern und Bäumen, wo sich die Tiere sicher und wohlfühlen. Der nächste Züchter hat auch eine große Auslauffläche, die allerdings äussere in paar Grasbüschel nicht weiter zu bieten hat. Ergebnis: die Tore der Ställe sind zwar auf, aber die Tiere gehen nicht nach draussen, weil sie keinen Schutz vor Raubvögeln finden, vor denen sie panische Angst haben, aber auch andere größere Vögel als Fressfeind ansehen.
Oder um es kürzer zu formulieren: Siegel sind nur dann sinnvoll, wenn sich alle an identische Regeln halten und natürlich für die Tiere identische Voraussetzungen geschaffen werden.
Alles andere ist, wie schon gesagt, Augenwischerei, zumal kaum ein Kunde weiß welche Vorgaben die Siegelverkäufer machen.
Schlimm ist es im übrigen auch mit dem angeblichen Fairtrade, denn wer richtig daran verdient ist wieder der Handel, denn der Begriff Fairtrade scheint viele zu beruhigen, obwohl sie gar nicht wissen was im Hintergrund tatsächlich passiert. Es hilft ja nichts, wenn man einem Bauern in Ceylon für einen Zentner Zimtrinde 5,-€ mehr gibt, der Zimt aber hier im Verkauf dann das 1,5 fache kostet. Dann gibt es auch Unternehmen, die herkömmlichen Honig und Honig aus fairem Handel anbieten, doch beide Sorten identisch teurer sind. Wie kann das sein? Die Imker, denen es angeblich fair abgekauft wurden, sind wohl eher über den Tisch gezogen worden oder haben so wenig Geld dafür bekommen, das die sich jetzt über den regulären Preis freuen. Noch knackiger wird es eigentlich wenn Fairtrade Honig verkauft wird, der im Grunde eine Mischung aus herkömmlichen Honig und einem 20%igen Anteil von Fairtradehonig. Das ist in meinen Augen Betrug am Kunden, der wohl glauben soll (oder glaubt), es handle sich vollständig um fair gehandelten Honig.