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Die erste „Verbrauchermilch“ steht im Regal: Das steckt dahinter

Die Verbrauchermilch der Initiative "Du bist hier der Chef"
Die Verbrauchermilch der Initiative "Du bist hier der Chef" © Verbraucherzentrale Hessen

Mitentscheiden, was in den Regalen steht: Das ist der Wunsch vieler Verbraucher. Bei der neuen Milch der Initiative „Du bist hier der Chef“ durften Verbraucher genau das tun und über Qualität, Produktionsbedingungen und Preis mitabstimmen. Das Ergebnis ist eine regional produzierte Bio-Weidemilch von Kühen, die unter erhöhtem Tierwohl-Standard gehalten werden. Seit Juli steht die neue Milch zunächst in 400 Rewe-Märkten in Hessen für den Preis von 1,45 Euro in den Regalen. Ist das Produkt erfolgreich, soll die Milch deutschlandweit auf den Markt kommen. Auch weitere Lebensmittel sollen folgen.

Verbraucher entscheiden, was ihnen wichtig ist

Nach dem Vorbild der französischen Marke "C'est qui le patron?" können interessierte Verbraucher auf der Homepage des 2019 in Deutschland gegründeten Vereins "Du bist hier der Chef" für verschiedene Lebensmittel über Kriterien wie die Haltung der Tiere, den Produktionsprozess, die Vergütung der Landwirte und die Nachhaltigkeit der Verpackung mitbestimmen. Im Fall der Milch haben mehr als 9300 Verbraucherinnen und Verbraucher diese Möglichkeit genutzt und per Online-Fragebogen abgestimmt. Im Fragebogen konnten die Teilnehmer die Kriterien, die ihnen besonders wichtig sind, auswählen und beobachten, wie sich das auf den Preis der Milch auswirkt. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • 94 Prozent der Teilnehmer stimmten für eine Weidehaltung der Kühe. Das bedeutet, dass die Tiere im Sommer mindestens vier Monate tagsüber auf der Weide stehen.
  • In dieser Zeit fressen die Kühe hauptsächlich frisches Gras sowie ergänzend Kraftfutter aus regionalem Anbau. Heu und Silage dürfen die Landwirte nur außerhalb der Vegetationsperiode von Frischgras füttern.
  • Immerhin 86 Prozent der beteiligten Verbraucher entschieden, dass die Kühe Bio-Futter bekommen sollen.
  • Auch Tierwohl ist Verbrauchern wichtig: 66 Prozent der Teilnehmenden stimmten für die höchstmögliche zur Auswahl gestellte Kategorie – "ausgezeichnetes Tierwohl". Weitere 20 Prozent entschieden sich für die zweithöchste Kategorie ("sehr gutes Tierwohl").
Die Kriterien der Verbrauchermilch
© Verein "Du bist hier der Chef"

Das Bewertungssystem für Tierwohl wurde von der Initiative "Du bist hier der Chef" nach wissenschaftlichen Kriterien erarbeitet. Das Bewertungssystem berücksichtigt eine Vielzahl von Kriterien, unter anderem die Tiergesundheit, die Qualität und Intensität der Tierbetreuung, die Größe und Beschaffenheit des Stalls, das Vorhandensein von Auslaufflächen sowie soziale Kontakte der Tiere mit einem Punkte-System. Die Punktevergabe wird jedes Jahr erneut durch externe Prüfer vorgenommen.

Für weitere Lebensmittel wie Eier, Kartoffeln und Butter, werden derzeit die Online-Fragebögen entwickelt. Dabei arbeitet eine Verbrauchergemeinschaft mit Vertragspartnern wie den Landwirten zusammen. Dadurch fließt das Know-how der Erzeuger in die Fragestellungen und Preisgestaltung mit ein.

Die Verbraucherzentralen begrüßen den Ansatz der neuen Initiative, Verbraucher mitbestimmen zu lassen, wie ihre Lebensmittel erzeugt werden sollen.

Umfragen zeigen immer wieder, dass Verbrauchern Tierwohl und faire Löhne für die Erzeuger wichtig sind. Werbung und Aufmachung herkömmlicher Produkte verschleiern aber oft die tatsächlichen Produktionsbedingungen und den harten Preiskampf, der Tiere und Erzeuger benachteiligt. Die Fragebögen machen transparent, welche Auswirkungen Änderungen der Produktionsbedingungen, zum Beispiel mehr Tierwohl, auf den Preis haben. So können Verbraucher besser erkennen, warum sie mehr für ein Lebensmittel bezahlen sollen und was sie dafür bekommen.

Quelle: Verbraucherzentrale Hessen: Neue Milch-Marke: Erstmals haben Verbraucher mitbestimmt

Letzte Änderung 
29. Juli 2020
Hinweis

Bitte beachten Sie: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden nicht aktualisiert.