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Der Nutri-Score kommt: Gesetz zur Einführung tritt im November in Kraft

Verbraucher
© Minerva Studio - Fotolia.com

Wie gesund ist das Lebensmittel, das in meinem Einkaufswagen landet? Das sollen Verbraucher anhand des farblichen Nutri-Scores zukünftig schneller erkennen. Der Bundesrat hat die entsprechende Verordnung zur Einführung der farblichen Nährwertskala beschlossen. Damit wird die rechtliche Grundlage für Hersteller geschaffen, um den Nutri-Score in Deutschland freiwillig zu verwenden. Bislang stehen die Nährwerte von Lebensmitteln, zum Beispiel Fett, Zucker oder Eiweiß, überwiegend in Tabellenform auf dem Etikett.

Nährwerte in einer Farbskala zusammengefasst

Der fünfstufige, farbliche Nutri-Score soll dabei helfen, Lebensmittel im Hinblick auf ihre Nährwerte und ihren Gesundheitswert schneller zu beurteilen. Seit Ende 2016 müssen zwar die wichtigsten Nährwerte wie Energie, Zucker, Fett und Salz auf verpackten Lebensmitteln aufgeführt werden. Vorgeschrieben ist hierfür die Tabellenform, die Nährwerte sind jeweils auf 100 Gramm bezogen. Für Verbraucher bleibt es dennoch mühsam, auf den ersten Blick zu erkennen, wie gesund ein Lebensmittel ist. Der von Wissenschaftlern entwickelte Nutri-Score fasst verschiedene Nährwerte und Eigenschaften eines Lebensmittels zusammen und weist einen Wert von grün (A=gut) bis rot (E=weniger gut) aus.

Nutriscore
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Zur Berechnung des Nutri-Scores werden die Nährwerte Energie, gesättigte Fettsäuren, Salz und Zucker negativ gewertet, während Ballaststoffe, Eiweißgehalt sowie der Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen als positive Faktoren in die Bewertung einfließen.

Der Nutri-Score wurde von unabhängigen Ernährungswissenschaftlern entwickelt und in einigen Nachbarländern wie Frankreich und Belgien bereits auf freiwilliger Basis eingeführt. Er eignet sich für alle verarbeiteten Lebensmittel, die sowohl Zutatenliste als auch Nährwerttabelle tragen, egal ob Fertigpizza oder Nuss-Nougat-Creme. Nicht geeignet ist er für unverarbeitete Lebensmittel wie frisches Obst, Gemüse oder Honig, die überwiegend keine Nährwerttabelle tragen. Auch in Deutschland ist der Nutri-Score bereits vereinzelt auf Lebensmitteln zu finden, wie ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hamburg kürzlich zeigte. Allerdings war die Rechtslage dazu bislang unklar.

Verbraucherzentralen fordern einheitliches, verpflichtendes System

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, wertet die Einführung des Nutri-Score als „wichtigen Schritt hin zu einem stärkeren Bewusstsein beim Lebensmitteleinkauf und gegen versteckte Dickmacher“. Auch die Verbraucherzentralen sehen in dem Label eine Chance, eine bessere Ernährung umzusetzen und Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Allerdings kritisieren sie die Freiwilligkeit des Systems. Es brauche ein einheitliches, europaweites System, das für alle Hersteller Pflicht ist. Anderenfalls drohe in der EU ein „Flickenteppich aus unterschiedlichen Darstellungen. Eine freiwillige Kennzeichnung bedeute zudem, dass nicht alle Lebensmittel gekennzeichnet werden müssten, sodass Verbraucher auch weiterhin viele Produkte nicht miteinander vergleichen könnten.  

Um den Nutri-Score verpflichtend einzuführen, müsste dies im Europarecht verankert werden.

Letzte Änderung 
14. Oktober 2020
Hinweis

Bitte beachten Sie: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden nicht aktualisiert.