Fragen & Antworten

Bio-Käse mit Gentechnik?

Frage:

Auf einem Bio-Käse ist zu lesen: „Ohne Gentechnik“. […] Allerdings wird auch mikrobielles Lab verwendet […] - und das offenbar aus genmanipulierten Organismen. Das widerspricht unübersehbar und nachhaltig den Zielen und Inhalten des Bio-Landbaus. Ich gehe zwar davon aus, dass hier das EU-Recht greift. Bitte überprüfen Sie, ob Deutschland hier nicht Schlupflöcher geschaffen hat. Wieso sollten genmanipulierte Organismen bei der Herstellung von Bio-Käse zulässig sein? Das entzieht sich meiner Logik. Insgesamt geht die Kennzeichnung in Richtung von klaren Kennzeichnungsregeln in Bezug auf genmanipulierte Produkte. Wie kann dann in der Biolandwirtschaft der gezielte Einsatz von gentechnisch veränderten Mikroorganismen einfach unter den Teppich gekehrt werden? Das ist kaum vorstellbar.

Antwort:

Die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) ist bei Bio-Lebensmitteln nicht zulässig. Das gilt auch für Verarbeitungshilfsstoffe wie das mikrobielle Lab. In der EU-Öko-Verordnung gibt es zwar eine Ausnahmeregelung für Einzelfälle, in denen keine GVO-freien Zusatzstoffe und bestimmte weitere Stoffe verfügbar sind. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) müssten derartige Ausnahmen allerdings von der EU-Kommission erlassen werden und wurden bislang nicht festgelegt.

Mikrobielles Lab kann auch ohne Gentechnik hergestellt werden.

Bei der Käseherstellung werden zur Dicklegung der Milch entweder Kälberlab oder Labaustauschstoffe mikrobiellen Ursprungs verwendet. Die üblichsten Wege sind:

Dicklegung mit:

… Kälberlab. Dieses wird aus dem Magen von Kälbern gewonnen und enthält Enzyme, vor allem Chymosin, die die Milch dicklegen. Allerdings wird echtes Kälberlab nur noch bei einem geringen Teil der weltweiten Käseproduktion eingesetzt.

… mikrobiellem Lab aus gezüchteten Schimmelpilzkulturen: Hierfür werden Schimmelpilzkulturen auf Nährlösungen gezüchtet. Im Stoffwechsel der Schimmelpilze fallen Gerinnungsenzyme an, die zur Dicklegung verwendet werden können.

… mikrobiellem Lab aus gentechnisch veränderten Organismen: Den Ausgansorganismen werden Gene von Kälbern „eingebaut“, die für die Produktion des Enzyms Chymosin verantwortlich sind. Diese Mikroorganismen produzieren dann ihrerseits Chymosin. Bei den bisher zugelassenen gentechnisch veränderten Mikroorganismen handelt es sich jeweils um einen Schimmelpilz, einen Bakterienstamm und eine Hefe. In Bio-Lebensmitteln sowie Lebensmitteln, die mit der Angabe „ohne Gentchnik“ werben, darf dieses gentechnisch hergestellte mikrobielle Lab nicht eingesetzt werden.

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