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Weichkäse mit Nuss

Darf ausschließlich Nussaroma enthalten sein?

Frage

Ich habe einen Weichkäse gekauft. Auf dem Etikett wird groß mit dem französischen Wort "Noix" für Nuss geworben und es sind Walnüsse auf der Verpackung abgebildet. Tatsächlich sind 1,4 Prozent natürliches Nussaroma enthalten. Da das Produkt sogar für Nussallergiker geeignet ist, kann auch das nicht aus Nuss sein. Im Ergebnis heißt und wirbt das Produkt mit Nuss, obwohl es nicht enthalten ist.

Antwort

Zunächst zum Nussaroma: Das Aroma in Ihrem Beispiel muss tatsächlich aus Nüssen gewonnen worden sein, denn ein „natürliches Nussaroma“ muss entsprechend der EU-Aromenverordnung zu mindestens 95 Prozent aus Nüssen stammen. Nussdestillate sind jedoch von er Allergenkennzeichnung ausgenommen, da sie durch die Verarbeitung keine allergenen Bestandteile mehr enthalten. Sie sind für Allergiker also unproblematisch.

Wir verstehen Ihre Frage aber so, dass Sie in dem Käse mehr von der Nuss erwarten als ein aus der Nuss gewonnenes Aroma. Das können wir nachvollziehen. Der Fall ist sicher grenzwertig. Es gibt zwar keine gesetzliche Regelung, wie ein Käse zusammengesetzt sein muss, auf dessen Verpackung bestimmte Zutaten abgebildet sind. Die Aufmachung darf jedoch nicht täuschend oder irreführend sein.

In einem ähnlichen Fall stufte das Oberlandesgericht Hamburg eine solche Kennzeichnungspraxis allerdings als nicht täuschend ein (Urteil siehe Randspalte). Es ging um einen Käse, der als "Wallnusstraum" und mit Abbildungen von Walnüssen beworben wurde und der sein Walnussaroma durch ein Walnussdestillat erhielt. Das Gericht urteilte, dass Verbraucher zwar erwarten, dass der entsprechend beworbene Käse nach Walnuss schmeckt, nicht aber dass dieser auch unbedingt Walnusskerne enthält. Entscheidend war dabei die gesamte Aufmachung des Produktes. So ging das Gericht davon aus, dass an der Käsetheke die Käselaibe in aller Regel angeschnitten ausliegen. Entsprechend sei es ersichtlich, dass der fragliche Käse keine Walnussstücke enthalte.

Im konkreten Fall stellen sich also die Fragen: Vermutet ein Käufer aufgrund der Gesamtaufmachung, dass Nüsse im Weichkäse enthalten sind? Gibt es beispielsweise eine Abbildung des Käseanschnitts ohne Nussstücke auf der Verpackung? Oder weist eine Angabe wie „Nussaroma“ oder „Nussgeschmack“ auf der Vorderseite darauf hin, dass der Käse lediglich nach Nuss schmeckt?

Wenn nur die Zutatenliste darüber aufklärt, dass keine Nüsse enthalten sind, sehen wir ein deutliches Täuschungspotenzial. Die Zutatenliste soll Verbrauchern die Möglichkeit geben, sich über die Produktzusammensetzung zu informieren. Sie kann in der Regel aber eine Irreführung, die über die Produktaufmachung auf der Schauseite entsteht, nicht ausräumen.

Unserer Ansicht nach verhindert auch der Hinweis „für Nuss-Allergiker geeignet“ eine Irreführung nicht, da er vermutlich erst im Kleingedruckten auf der Rückseite steht. Zudem wird ein Nicht-Allergiker solch einem Hinweis wahrscheinlich gar keine Aufmerksamkeit schenken.

Ob die Aufmachung des konkreten Produktes allerdings tatsächlich irreführend ist, kann nur vor Gericht entschieden werden.

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Letzte Änderung 
15. Mai 2018