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Veganes Bio-Eis

Wie kann ein Eis vegan sein? Es darf doch gar nicht Eis heißen, wenn es keine Milch enthält, oder?

Vanilleeis
Vanilleeis © George Dolgikh - Fotolia.com

Frage

Ich habe ein Bio-Eis mit dem Hinweis „vegan“ gekauft. Ist das nicht irreführend? Ein Vanille-Eis, das vegan ist, kann es doch gar nicht geben, denn es fehlt die charakteristische Zutat Milch. Es müsste also eine beschreibende Verkehrsbezeichnung tragen. Ich bezweifle auch, ob der flüchtige Verbraucher auf den ersten Blick erkennt, dass es sich um etwas anders handelt. Abgebildet sind Vanilleschoten. Das Eis schmeckte nicht nach Vanille. Vermutlich enthielt es auch keine Vanille oder Vanillearoma. Abgebildet waren zwei gelb gefärbte Eiskugeln. Das Eis selbst war fahl hellgrau gefärbt. Es hatte keine cremige, sondern eine leicht kristalline Konsistenz (Wassereis).

Antwort

Der Begriff „Eis“ ist kein lebensmittelrechtlich geschützter Begriff. Daher ist es grundsätzlich nicht irreführend ein Eis ohne Milch anzubieten.

In den Leitsätzen für Speiseeis der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission (siehe weiterführende Links) wird Speiseeis wie folgt beschrieben:

Speiseeis im Sinne dieser Leitsätze ist eine durch einen Gefrierprozess bei der Herstellung in einen festen oder pastenartigen Zustand gebrachte Zubereitung, die gefroren in den Verkehr gebracht wird und dazu bestimmt ist, in diesem Zustand verzehrt zu werden.

Speziell zu Vanilleeis erklären die Leitsätze: „Vanilleeis wird unter Verwendung von Milchfett und/oder mit pflanzlichen Fetten hergestellt. In der handwerklichen Produktion wird vorwiegend nur Milchfett eingesetzt."

Somit ist ein auch Vanilleeis, dass Pflanzenfett statt Milchfett enthält, leitsatzkonform. Zudem sind Leitsätze nicht rechtsverbindlich und Hersteller können grundsätzlich davon abweichen, wenn sie dies ausreichend kenntlich machen.

Vanilleeis erhält seinen Geschmack entsprechend den Leitsätzen ausschließlich aus gemahlenen Vanilleschoten, Vanilleextrakt und/oder natürlichem Vanillearoma. Dies gilt ebenso für Produkte, auf denen „Vanille“ ausgelobt oder eine Vanilleschote bzw. Vanilleblüte abgebildet wird. „Eis mit Vanillegeschmack“ dagegen kann seinen Geschmack durch die Zugabe von Aromen erhalten, die nicht aus der Vanille stammen müssen. Sowohl die Bezeichnung als auch eventuelle Abbildungen geben somit Hinweise darauf, woher der Geschmack im Eis stammt.

Und zur Qualität: Auskristallisiertes Wasser oder ein sandiges Mundgefühl entsprechen gemäß den Leitsätzen nicht der üblichen Beschaffenheit für Eis.

Wenn ein Eis explizit als „Veganes Vanilleeis" angeboten wird, sollte die Bezeichnung eine Erläuterung enthalten, wodurch die Milchbestandteile ersetzt wurden, beispielsweise „veganes Eis auf Soja-Basis“. Bei der kristallinen Konsistenz handelt es sich um einen Qualitätsmangel, über den Sie sich beim Hersteller beschweren können.

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Letzte Änderung 
2. Oktober 2018

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

was lernen wir aus diesem Fall? Bitte nicht alles ungeprüft kaufen, nur weil es "vegan" ist. Dies ist weder ein Hinweis auf eine hohe Qulität noch auf beste Zutaten.

Noch ein Tipp für Eisfans:
Nach den Leitsätzen für Speiseeis ist das Milchfett die wertgebende Zutat. Wenn in der Bezeichnung nur das Wort "Eis" erscheint (z. B. "Vanilleeis mit echter Bourbonvanille"), ist dies ein deutliches Anzeichen dafür, dass überhaupt kein Milchfett enthalten ist. Wer also Eis mit Milchfett erwerben möchte, sollte auf folgende Begriffe in der Bezeichnung achten, bei deren Verwendung folgender Mindestmilchfettgehalt vorgeschrieben ist:

Kremeis/Cremeeis: Min. 50% Vollmilch, d. h. 1,75% Milchfett
Milcheis: Min. 70% Vollmilch, d. h. 2,45% Milchfett
Eiskrem/Eiscreme: Min. 10% Milchfett
Rahmeis/Sahneeis: Min. 18% Milchfett

Lasst euch von einer aufwändigen Aufmachung (z. B. Garnitur mit Soßen oder Streuseln) oder Angaben wie "mit Sahne" nicht täuschen. Achtet auf die o. g. Bezeichnungen. Wenn ein Eis direkt aus dem Eisfach (-18°C) kommend bereits weich und cremig ist, ist dies ebenfalls ein Anzeichen dafür, dass das Eis kein bzw. wenig Milchfett enthält. Eine hochwertige Eiscreme ist bei -18 °C mehr oder weniger steinhart und muss sich erst auf ca. -12° C erwärmen, damit es cremig wird.

Herzlichst,
Christian Steiner