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Nutri-Score auf süßem Müsli

Wie kann es sein, dass ein süßes Müsli mit einem Viertel Zuckeranteil den Nutri-Score B bekommt?

chocolate cereal balls
© Ihor Bondarenko - 123rf.com

Frage

Wir, die Klasse 10 der Gemeinschaftsschule R., fühlen uns durch die Nutri-Score-Angabe „B“ auf einem süßen „Schoko-Knusperfrühstück“ getäuscht. Es beinhaltet neben der Hauptzutat Vollkorngetreide vor allem Zucker. Im Unterricht haben wir uns mit dem Nutri-Score auseinandergesetzt und sind von der neuen Kennzeichnung nicht komplett überzeugt. Der Gedanke ist gut, jedoch ist er noch verbesserungswürdig. Wie ist es möglich, dass ein Produkt mit 24,9% Zuckeranteil die Bewertung „B“ im Nutri-Score erhalten hat und damit werden darf? Wir sind der Meinung, dass es mit einem Viertel Zuckeranteil keine B-Bewertung geben darf.

Antwort

Der Nutri-Score soll den Vergleich von Produkten verschiedener Anbieter in einer Produktkategorie, z. B. Früchtemüsli, erleichtern. Er gibt nur eine Gesamtbewertung der Nährstoffzusammensetzung in fünf Stufen „A“ bis „E“ an.

Die farbliche Kennzeichnung beruht auf einem nach wissenschaftlichen Kriterien entwickelten Bewertungsschema. Auf der einen Seite werden die Nährwerte Energie, gesättigte Fettsäuren, Salz und Zucker berücksichtigt, die negative Eigenschaften auf die Gesundheit haben können. Die Ballaststoffe, der Eiweißgehalt sowie der Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen fließen als positive Faktoren in die Bewertung ein.

Für das „Knusperfrühstück“ bedeutet das:

Der Zuckeranteil liegt zwischen 22,5 und 27 Prozent und ergibt damit fünf Punkte, die als Negativpunkte zu verstehen sind. Weitere Punkte dürften wegen eines entsprechend hohen Kaloriengehalts dazukommen.

Positiv wirkt sich dagegen das Vollkorngetreide aus, weil es zu einem hohem Ballaststoffgehalt und einem gutem Eiweißanteil führt. Dies kann durchaus bewirken, dass der hohe Zuckeranteil – rein an den Punkten gemessen – ausgeglichen wird. Eine Punktzahl zwischen null und zwei ergibt die Bewertung „B“.

Da das „B“ des Nutriscore zu den grünen und damit positiven Bewertungen zählt, können wir eure Kritik durchaus nachvollziehen. Wie jede vereinfachte Form der Nährwertbewertung hat auch der Nutri-Score seine Schwächen. Das Bewertungsschema ist komplex und für Verbraucherinnen und Verbraucher schwer nachvollziehbar. Um ein Lebensmittel umfassend zu bewerten, ist der Blick in die Zutatenliste sowie die Nährwerttabelle unverzichtbar. Der Nutri-Score bietet aber die Möglichkeit, beim Einkaufen ähnliche Produkte zu vergleichen und bereits auf den ersten Blick eine Tendenz zu erkennen, welches Lebensmittel gesundheitlich zu bevorzugen ist. Dies ist vor allem für solche Verbraucher eine Hilfe, die wenig Zeit oder Interesse haben, sich mit der Nährwerttabelle zu befassen.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Nutri-Score nachjustiert wird, wo er Schwächen zeigt. Dieses Produkt gehört aus unserer Sicht dazu: Cerealien mit einem so hohen Zuckeranteil sollten keine „B“-Bewertung erhalten.

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Letzte Änderung 
18. Dezember 2020

Kommentare

Hallo,
eine fehlerhafte Berechnung des Scores könnte auch der Grund für die Einstufung sein. Als unabhängige Labore überprüfen wir nicht nur die Nährwertangaben durch Analyse, sondern rechnen auch den NutriScore aus. Wenn Ihr uns einen (leserlichen) Scan des Nährwertprofile und der Zutatenliste schickt, rechnen unsere Lebensmittelchemiker*innen gern für Euch noch einmal nach. Die Antwort der Fachleute von "Lebensmittelklarheit" ist aber grundsätzlich richtig. Auch wenn korrekt gerechnet wurde, können leider solche auf den ersten Blick unplausiblen Scores dabei herauskommen. Es dürfen daher wie oben erwähnt nur Produkte der gleichen Warenart miteinander verglichen werden. Übrigens gibt es auch ungesüßte Cerealien (Biomarkt), die man sich mit frischen Früchten oder etwas Honig zu einem gesunden Frühstück selbst zusammenmischen kann. Das ist dann nicht nur gesünder, sondern meist auch noch preiswerter und schmeckt viel besser. Aber das wist Ihr ja. Bleibt weiterhin so kritisch!