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MHD – Temperaturangabe

Vor dem MHD steht +4°C oder+5°C – warum werden so unrealistische Vorgaben gemacht?

Frage

Auf den Produkten aus der Kühltheke steht vor dem MHD bei „+4 °C“, oder „+5 °C“. Welcher Kühlschrank schafft denn diese niedrigen Temperaturen ohne auf die höchste Stufe gestellt zu werden? Das betrifft vor allem Fleisch und Fisch.

Antwort

Kühlschränke haben meist eine Temperatur zwischen vier und acht Grad Celsius. Bei den neueren Modellen ist eine Einstellung auf sehr niedrige Temperaturen – bis null Grad – für bestimmte „Zonen“ möglich.

Die Lebensmittelinformationsverordnung regelt zum Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD):

  • „Das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Lebensmittels ist das Datum, bis zu dem dieses Lebensmittel bei richtiger Aufbewahrung seine spezifischen Eigenschaften behält“
  • „Erfordern Lebensmittel besondere Aufbewahrungs- und/oder Verwendungsbedingungen, müssen diese angegeben werden“

Für leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch und Fisch sind häufig sehr niedrige Lagertemperaturen angegeben, zum Teil sogar bis „maximal 2 °C“. Das entspricht zwar den rechtlichen Vorschriften, ist aus Sicht der Verbraucherzentrale aber wenig verbraucherfreundlich: Werden diese Lebensmittel bei höheren Temperaturen gelagert, kann sich die Haltbarkeit stark verkürzen und ein Risiko für die Gesundheit entstehen. Wie lange sie unter anderen Bedingungen aufbewahrt werden dürfen, bleibt unklar.

In einer Marktstichprobe zu abgepacktem Hackfleisch haben wir festgestellt, dass es inzwischen auf den Verpackungen in der Regel Hinweise gibt, wie „Bei einer Unterbrechung der Kühlkette über +2 °C empfehlen wir den Verzehr am Tag des Einkaufs.“ Zu diesen Hinweisen haben wir zwei Kritikpunkte:

  1. Sie stehen meist kleingedruckt und an anderer Stelle als das Verbrauchsdatum, so dass sie leicht übersehen werden können.
  2. Die angegebene Haltbarkeit ist nur dann zutreffend, wenn Verbraucher auch den Transport des Lebensmittels vom Einkauf bis nach Hause bei der angegebenen Temperatur realisieren können. Das trifft auf praktisch keinen Käufer zu, selbst wenn er mit Kühltasche zum Einkaufen geht.

Nach unserer Auffassung sollten sich Angaben zur Haltbarkeit auf Temperaturen beziehen, die Verbraucher in ihren Haushalten realisieren können.

Denkbar wären zusätzliche Hinweise für die Aufbewahrung bei anderen Temperaturbereichen. Auf tiefgefrorenen Lebensmitteln sind vielfach Angaben zur Haltbarkeit für eine Lagerung in unterschiedlichen Geräten zu finden, vom Eiswürfelfach oder Ein-Sterne-Fach bis zur Tiefkühltruhe mit minus 18 Grad Celsius. Solche Angaben sorgen aus unserer Sicht für mehr Klarheit. Dafür wäre allerdings eine Änderung der Rechtsvorschriften notwendig.

Wo dies nicht möglich ist, zum Beispiel bei sehr empfindlichen Lebensmitteln wie Hackfleisch, könnte ein deutlicher und auf den ersten Blick sichtbarer Hinweis darüber aufklären, dass das Produkt am Tag des Kaufs zu verbrauchen ist.

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Letzte Änderung 
13. Februar 2017

Kommentare

Tag zusammen,
meiner Meinung nach werden hier wieder einmal praxisferne Positionen vertreten.

1. Es gibt gesetzliche Vorgaben für gewisse Produkte (z.B. Hackfleisch max. +2°C, Geflügelfleisch max. +4°C etc) welche eingehalten werden müssen.
2. Wie soll eine Auszeichnung mit MHD für 2 Temperaturen aussehen? Woran erkennt der Verbraucher dann, bei welcher Temperatur das Produkt bisher gelagert wurde?
3. Wenn ich 2 MHD vergeben würde (z.B. +2°C = 10 Tage, +7°C = 5 Tage) was passiert dann im Markt (selbst wenn bisher bei +2°C gelagert wurde) nach 5 tagen? Das 7°C-MHD ist abgelaufen und das 2°C-MHD gilt noch. Wie lagere ich dann den Artikel zu Hause?


@Anton Schloch:
Sie haben das wunderbar formuliert. Außerdem sollte man berücksichtigen, dass die Angabe von 2 MHDs gegen geltendes Recht verstößt.


Liebe Verbraucherzentrale,
es ist erstaunlich, dass Befindlichkeiten der Verbraucher (also das Sparen von Geld) über die Lebensmittelsicherheit gerückt wird. Soll ich das so interpretieren, dass ab sofort auch der Supermarkt die Kühltemperaturen einfach hochstellen kann, weil er so Geld sparen kann? Oder wollen wir uns wieder realitätsnah unterhalten und geltendes Recht zur Abwechslung einfach mal akzeptieren? Ihre Artikel verwundern und verunsichern mich immer mehr. Ich hoffe das bessert sich wieder?


Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Kennzeichnung für Verbraucher. Sie geht aber am Ziel vorbei, wenn Aufbewahrungsbedingungen vorausgesetzt werden, die viele Verbraucher im Haushalt nicht einhalten können. Für Käufer bleibt unklar, wie sich die Haltbarkeit bei ihren Kühlschranktemperaturen verringert.

Bei Tiefkühlprodukten gibt es bei der Angabe zur Haltbarkeit vielfach eine Differenzierung vom Eiswürfelfach bis zum 3-Sterne-Fach oder Tiefkühlgeräten mit minus 18 Grad Celsius. Solche Kennzeichnungen sind aus unserer Sicht gut nachvollziehbar. Vergleichbare Angaben könnten sich auch auf Kühlgeräte mit verschiedenen Temperaturbereichen beziehen.

Wir haben unseren Text angepasst und hoffen, dass er so verständlicher ist.


Ein wichtiger Unterschied ist, dass wir bei den Sternefächern (***~ -18 °C, *~ -06 °C) im Minusbereich liegen. In diesen Bereichen passiert mikrobiologisch wenig bis nichts, allein der "Genusswert" baut mit der Zeit ab.
Bei Artikel wie Hackfleisch oder Geflügel ist eine Erhöhrung der Lagertemperatur wegen pathogenen Mikroorganismen (Listerien, Salmonellen, Campylobacter...) ein Risiko für die Lebensmittelsicherheit.