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Kennzeichnung der CO²-Bilanz auf Lebensmitteln

Wäre die Kennzeichnung der CO2-Bilanz eines Lebensmittels nicht eine sinnvolle Hilfestellung bei der Auswahl klimafreundlicherer Produkte?

Frage

Wie wahrscheinlich viele Menschen beschäftige auch ich mich mit dem Thema Klimawandel. Dabei spielt auch das Thema Ernährung eine wichtige Rolle. Ich bin darauf gestoßen, dass es auch für Lebensmittel CO2-Bilanzen gibt. Wäre es nicht für Verbraucher hilfreich, wenn auf den Lebensmitteln die CO2-Bilanz angegeben wird? Meiner Recherche nach wird so etwas bereits in Schweden praktiziert. Meiner Meinung nach haben viele Menschen noch nicht verstanden, wie wichtig ihr persönliches Handeln für die Umwelt ist und verlassen sich zu sehr auf andere. Auf Herstellern von Lebensmitteln mit hoher CO2-Bilanz, würde auch ein gewisser Druck ausgeübt werden um diese zu verbessern.

Antwort

Wir können Ihren Wunsch nach einer CO2-Kennzeichnung nachvollziehen. Bisher ist in Deutschland jedoch kein umfängliches Klimalabelling in Sicht.

Der Lebensmittelkonsum trägt wesentlich zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Die durch Lebensmittel verursachten Emissionen entstehen überwiegend entlang der Produktions- und Lieferkette. Für Verbraucher ist es schwer, die Klimarelevanz verschiedener Lebensmittel abzuschätzen. Verlässliche Angaben zur CO2-Bilanz aller Lebensmittel würden also beim klimabewussten Einkauf helfen.

Allerdings ist ein seriöses Klimalabelling von Lebensmitteln in der Praxis sehr aufwändig und daher wenig realistisch. Noch in 2010 kam eine Studie des Öko-Instituts zu dem Schluss, dass eine wettbewerbsrechtlich durchhaltbare vergleichende CO2-Kennzeichnung von Produkten auf absehbare Zeit nicht möglich ist. Zu unterschiedlich sind die Produktionsbedingungen, die saisonal schwankenden Erträge und Transportwege sowie der Einfluss von Lagerung und Kühlung. In Deutschland gibt es nur sehr vereinzelte, in der Regel firmeneigene Label zur Klimawirksamkeit oder zur CO2-Bilanz von Lebensmitteln.

„Stop Climate Change“-Siegel.

Ein unabhängiges Klimalbale in Deutschland ist das „Stop Climate Change“-Siegel. Dafür werden die emissionsrelevanten Daten der Produkte erfasst und nachfolgend von anerkannten Zertifizierungsstellen vor Ort kontrolliert. Die Analyse erfolgt nach internationalen Standards zur Treibhausgasbilanzierung. Als Folge der Bilanzierung müssen Unternehmen ein Minderungskonzept entwickeln, an das sie sich halten müssen. Die derzeit unvermeidbaren Treibhausgase werden durch Investitionen in Klimaschutzprojekte kompensiert. Das Label weist jedoch keine CO2-Bilanz aus. Es handelt sich aus unserer Sicht um ein gut nachvollziehbares Label, das jedoch nur auf wenigen Lebensmitteln zu finden ist.  

Aktuell kommt durch eine Petition, die inzwischen beim Petitionsausschuss des Bundestages eingereicht wurde, wieder etwas Schwung in die Diskussion. Die Petition fordert eine verpflichtende Kennzeichnung der bei der Herstellung entstehenden Treibhausgasemission auf allen in Deutschland vertriebenen Lebensmitteln. Inzwischen befindet sich die Petition in der Prüfung.

Wir gehen davon aus, dass das Interesse an Siegeln zur Auswirkung der Lebensmittelproduktion auf das Klima steigen wird. Wichtig ist aus unserer Sicht, dass nicht viele herstellereigene Siegel mit unterschiedlichen Kriterien entstehen, sondern eine anbieterunabhängige Kennzeichnung mit entsprechenden Kontrollen. Nur dadurch ist möglich, dass Verbraucher Lebensmittel in Hinblick auf ihre Klimaauswirkung vergleichen können.

Auch ohne Klimalabel ist es möglich, beim Einkauf auf den Klimaschutz achten, beispielsweise durch einen verminderten Konsum von Fleisch und tierischen Lebensmitteln, durch weniger Lebensmittelverschwendung und die Auswahl saisonaler, regionaler Produkte. Ausführliche Tipps hierzu geben die Verbraucherzentralen (Links siehe Randspalte rechts)

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Letzte Änderung 
9. Januar 2020