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Kaffee mit „Rain Forest Alliance“-Siegel

Sollte ein Kaffee mit dem Rainforest-Siegel nicht zu 100 Prozent aus zertifiziertem Kaffee bestehen?

Kaffeepulver
Kaffeepulver © Baiba Opule - 123rf.com

Frage

Ich habe einen Kaffee gekauft, der mit einem "Rainforest Alliance"-Siegel wirbt. Im Kleingedruckten steht aber, dass nur 30 Prozent des verwendeten Kaffees zertifiziert sind. Das ist nicht mal die Hälfte des Inhalts. Ich würde bei dem Siegel 100 Prozent erwarten.

Antwort

Die Rainforest Alliance ist eine unabhängige Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, nachhaltige Anbaubedingungen und verantwortungsbewusste Geschäftspraktiken zu unterstützen. In den Standards sind insbesondere Vorgaben zum Schutz der Ökosysteme enthalten, beispielsweise das Verbot von Entwaldungen, aber auch Ansätze, um bessere Arbeitsbedingungen für die Arbeiter in den Erzeugungsländern zu erreichen.

Lebensmittel, die mit dem Siegel „Rainforest Alliance“ gekennzeichnet sind, können vollständig von Landwirten stammen, die nach dem Rainforest-Alliance-Standard oder dem UTZ-Standard zertifiziert sind. Es reichen aber tatsächlich auch 30 Prozent.

Produkte aus einer Zutat wie Kaffee sollten normalerweise mindestens 90 Prozent zertifiziertes Lebensmittel enthalten. Bei weniger als 90 Prozent gilt:

  • Der Anteil des zertifizierten Lebensmittels muss um mindestens 15% jährlich steigen.
  • Die Verpackung muss eine Erklärung enthalten, die den prozentualen Anteil des Rainforest-Alliance-zertifizierten Lebensmittels nennt. Diese muss direkt unter oder neben dem Siegel auf der Verpackung stehen.

 

Entsprechend handelt es sich bei dem 30-prozentigen Rainforest-Alliance-Kaffee um ein „Übergangsprodukt“ mit dem Ziel, in einigen Jahren auf mindestens 90 Prozent zu kommen.

Einem Test der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2016 zufolge stellt das Siegel der Rainforest Alliance im Vergleich mit vier anderen Siegeln die geringsten Anforderungen an Produzenten und Händler.

Wir können Ihren Ärger gut nachvollziehen. Kaffee, der zu 70 Prozent aus konventioneller Produktion stammt, mit einem Nachhaltigkeitssiegel zu bewerben, ist auch aus unserer Sicht Augenwischerei. Wir gehen davon aus, dass Verbraucher bei Monoprodukten wie Kaffee selbstverständlich von einem 100-prozentigen Anteil ausgehen – entsprechend den Lebensmitteln aus fairem Handel. Viele werden zu diesem Kaffee greifen, weil er vermeintlich „besser“ ist als das Nachbarprodukt ohne Label. Das mag zwar stimmen, allerdings kann der Unterschied wie in Ihrem Beispiel gering sein. Ob das für Verbraucher unmittelbar klar wird, hängt von der konkreten Kennzeichnung ab.

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Letzte Änderung 
12. November 2020