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Agavenfaser im Haferdrink

Mehr Ballaststoffe durch Agavenfaser?

Frage

Auf dem Haferdrink, den ich verwende, steht auf der Seite „Wir erhöhen den Ballaststoffgehalt, indem wir Agavenfaser hinzufügen“. Laut Nährwerttabelle sind 0,8g Ballaststoffe enthalten. Erstens: Was ist „Agavenfaser“? und zweitens: Bei noch nicht mal 1 g Ballaststoffen kann die Agavenfaser ja wohl nicht viel erhöht haben. Es steht auch nicht drauf, wieviel Agavenfaser drin ist. Ist das so okay?

Antwort

Traditionell werden Agavenfasern (Sisal) in der Textilindustrie zur Herstellung von Seilen und stabilen Stoffen verwendet. Da die Agavenfaser keine klassische Lebensmittelzutat ist, würde sie eine Zulassung als Novel Food benötigen. Diese liegt aber nicht vor. Unseren Recherchen zufolge werden in Lebensmitteln wie Haferdrinks keine Agavenfasern, sondern nur aus Agaven gewonnene Ballaststoffe, genauer gesagt Inulin, eingesetzt. Wir gehen davon aus, dass es sich auch bei den von Ihnen genannten „Agavenfasern“ um aus der Agave gewonnenes Inulin handelt. Diese Substanz ist ein wasserlöslicher Ballaststoff und wird in vielen Lebensmitteln zur Erhöhung des Ballaststoffanteils eingesetzt. Grundsätzlich bräuchte auch Inulin aus Agavenfaser eine Zulassung als Novel Food. Wenn es als Reinsubstanz vorliegt, also mit Inulin aus anderen Quellen identisch ist, könnte eine Ausnahme gelten. Dies müsste im Einzelfall geprüft werden.  

Zu Ihrer zweiten Frage: Um zu beurteilen, ob hier ein relevanter Ballaststoffanteil vorliegt, lassen sich die Vorgaben aus der Health-Claims-Verordnung heranziehen: Demnach darf ein Lebensmittel als „Ballaststoffquelle“ bezeichnet werden, wenn das Produkt mindestens 3 g Ballaststoffe pro 100 g oder mindestens 1,5 g Ballaststoffe pro 100 kcal enthält. Ein Ballaststoffanteil von 0,8 Gramm pro 100 Milliliter würde ausreichen, wenn der Kaloriengehalt von 100 Milliliter unter 53 Kilokalorien liegt.

Aus unserer Sicht ist fraglich, ob Agavenfaser als Lebensmittelzutat überhaupt zulässig ist. Wenn es sich tatsächlich um Inulin handelt, müsste es als solches auf der Verpackung stehen.  

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Letzte Änderung 
8. September 2020