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Variable Füllmengen, Beispiel Schokolade

 

Nach der Freigabe eines Großteils verbindlicher Verpackungsgrößen schrumpfen die Füllmengen – bei gleichbleibendem Preis

Verbraucherbeschwerde 

Der Inhalt der Großpackung wurde von 300 gr auf 270 gr reduziert, bei gleichem Preis und augenscheinlich gleicher Verpackung.
Frau S. aus Iserlohn vom 02.01.2017

Die neuen Schokoladen enthalten statt der üblichen 100g nur noch 93g.
Frau V. aus Berlin vom 20.12.2017

Man geht von einer 0,5 l Dose aus, aber es sind nur 450 ml drin.
Herr H. aus München vom 24.11.2017

Die 70g Packung... ist zwar nicht teuer, aber es sieht ganz klar wie eine mindestens 100g Tafel aus und die Verpackung enthält so viel unnützen Müll.
Frau T. aus Steinfurt vom 5.11.2013

Die Tafel steht zusammen mit den anderen Tafeln in einem Regal. Sie ist in Aufmachung, Verpackung und Größe mit den normalen 100g Tafeln identisch, hat aber nur ein Nettogewicht von 87g. Das Gewicht ist lediglich klein auf Vorder- und Rückseite aufgedruckt.
Herr E aus Niedernhausen vom 23.06.2013

Wie auf dem Foto zu sehen, die beiden Schokoladen sind identisch. Die Erdbeergeschmack mit 100g und die Tuc mit Schokolade nur noch 87g. Im E-Center im Regal nebeneinander liegend, diese Woche im Angebot nur 0,59 €. Wenn man die Rückseiten der Tafeln nicht beachtet, merkt man überhaupt keinen Unterschied.
Herr L. aus Quedlinburg vom 29.04.2013

Der Inhalt wurde um 10 % von 500g auf 450g verringert - die äußere Größe der Verpackung entspricht der bisher üblichen von 500g. Mir fiel es erst beim Öffnen auf, dann aber sofort.
Herr H. aus Lengerich vom 19.02.2013

Das Produkt steht bei den anderen 500ml Joghurt Bechern. Dieser Artikel steht also in 400ml Aufmachung zum gleichen Preis wie früher dazwischen. Der geringfügige Grössenunterschied ist nicht sofort erkennbar. Die Täuschung ist gewollt.
Herr L. aus Lörrach vom 28.01.2013

Die Firma bringt zwei neue Schokoladensorten auf den Markt. Alte und neue Verpackungen sind exakt in Länge und Breite identisch. In Deutschland hat eine Standard-Tafel seit Jahrzehnten 100 Gramm, die neue Tafel hat bei gleichen Abmessungen nur 87 Gramm bei gleichem Preis. Auch wenn das Gewicht vorne klein auf der Verpackung vermerkt ist, als Verbraucher fühle ich mich arg getäuscht, wenn ich statt 100 Gramm plötzlich nur noch 87 Gramm zum gleichen Preis bekomme.
Herr D. aus Laboe vom 13.11.2012

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Seit April 2009 ist die Vorgabe fester Packungsgrößen für viele Produkte weggefallen. So darf eine Tafel Schokolade, je nach Belieben des Herstellers, beispielsweise 87 Gramm statt 100 Gramm wiegen. Bei unterschiedlichen Packungsgrößen verschiedener Anbieter ist kein direkter Preisvergleich mehr möglich. Nur der Abgleich der Grundpreise verschafft Abhilfe. Oft bleibt bei der Minimierung des Packungsinhaltes der Preis gleich, was somit eine Preiserhöhung bedeutet. Oftmals greifen Verbraucher aus Gewohnheit nach den bekannten Produkten mit der unveränderten Verpackung und vermuten die bisher übliche Füllmenge. Um Missverständnissen vorzubeugen, sollte die tatsächliche Füllmenge bereits deutlich lesbar auf der Schauseite der Verpackungen stehen und für einen Preisvergleich die Grundpreiskennzeichnng im Handel klar und in ausreichender Schriftgröße erfolgen.

Darum geht’s:

Viele Verbraucher beschweren sich über die Reduzierung der Füllmenge diverser Lebensmittel bei gleichbleibenden Preisen. Denn diese Preiserhöhung wird oft erst spät, meist erst nach dem Kauf erkannt, da die Verpackungen optisch nicht oder nur geringfügig verändert werden. Zudem ist vielen Verbrauchern nicht bekannt, dass die Regelung für die verbindlichen Nennfüllmengen aufgehoben wurde und vermuten die bislang einheitliche Füllmenge.

Das ist geregelt:

Bisher wurden die festen Packungsgrößen beispielsweise für Schokolade in der Fertigpackungsverordnung geregelt. Diese Regelungen wurden nach und nach aufgehoben – wie die festen Packungsgrößen für Kaffee, Margarine, Butter und auch Schokolade. Die Begründung hierfür war, dass der Verbraucher die Möglichkeit habe, Preisvergleiche über die in der Regel verpflichtende Grundpreisangabe vorzunehmen. Seit 2009 dürfen praktisch alle Lebensmittel in allen möglichen Größen verkauft werden. Feste Packungsgrößen gibt es beispielsweise nur noch für Wein, Schaumwein, Likörwein, aromatisierten Wein und Spirituosen.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Preiserhöhungen sind ebenso wenig verboten wie eine Füllmengenreduzierung. Auch ist es gesetzlich geregelt, dass nach der Reduzierung der Füllmenge nicht zu viel Luft in der Verpackung sein darf. Doch wann diese Fälle im rechtlichen Sinne zur Mogelpackung werden, ist nur im Einzelfall bestimmbar.
Tatsächlich ist der Packungspreis für Preisvergleiche letztlich uninteressant. Doch der gesetzlich vorgeschriebene Grundpreis hilft nur dann, wenn der Handel vorschriftsmäßig und deutlich lesbar auszeichnet. Die Verbraucherzentralen haben in einer nicht repräsentativen Untersuchung der Grundpreisangaben im Einzelhandel im Jahr 2010 erhebliche Defizite bei bestimmten Produktgruppen festgestellt. Besonders bei den Tütensuppen, Puddingpulvern und Konserven gab es erhebliche Mängel, weil falsche Bezugsgrößen verwendet wurden, die eine Vergleichbarkeit der Preise erschwerten.
Außerdem gibt es Ausnahmen von der Pflicht zur Grundpreisangabe: In kleineren Geschäften, Kiosken oder an Automaten sind keine Grundpreise vorgeschrieben.

Fazit:

Durch die seit April 2009 geltende Freigabe der Verpackungsgrößen für Milch, Wasser, Limonade, Fruchtsaft, Zucker und Schokolade wird der tägliche Preisvergleich erschwert und der Blick auf die tatsächlich vorhandene Menge unverzichtbar. Aus Sicht der Verbraucherzentrale sollte die Mengenangabe daher verbindlich auf der Vorderseite der Verpackung, in der Nähe des Produktnamens stehen und zum Beispiel 75 Prozent der Schriftgröße des Produktnamens betragen, zusätzlich zum deutlich lesbaren, leicht auffindbaren richtigen Grundpreis.

Status 

Die angesprochene Problematik erfordert aus Sicht der Verbraucherzentralen die Änderung oder Ergänzung einer rechtlichen Regelung. Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) am 19.12.2012 um Stellungnahme dazu gebeten.

Stand 
11. Januar 2018