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Unterfüllte Lebensmittelverpackungen, Beispiel Käse

 

Unterfüllung bei Fertigpackungen erlaubt, aber Ausgleich durch andere übergewichtige Packungen erforderlich

Verbraucherbeschwerde 

Alle drei Brotbackmischungen 1 kg haben zwischen 6 und 10 Gramm weniger als ausgewiesene 1 kg.
Frau K. aus Dalberg vom 7.12.2013

Gewicht laut Verpackung: 500g Gemessen (inkl. Verpackung): 486g
Herr B. aus Berlin vom 27.09.2012

Gemäß Verpackungsangabe ist der Inhalt 1100 g, aber tatsächlich nur 1062 g inkl. Verpackung.
Herr R. aus Köln vom 23.08.2011

Wir kaufen diesen Parmesan regelmäßig, weil er gut schmeckt. Aber: Es sind immer mindestens 10g weniger in der Verpackung als angegeben, nämlich 200g. Es ist  noch nie vorgekommen, dass tatsächlich 200g in der Packung waren.
Frau W. aus Windeck vom 19.08.2011

Gewichtsvorgabe nach Verpackung = 500 Gr. Von 5 durchgewogenen Brotpäckchen lag das tatsächliche Gewicht bei 4 Packungen zwischen 460 und 476 Gramm.
Herr S. aus Werther vom 16.08.2011

Auf der Verpackung steht 200 g, der Inhalt betraegt grundsätzlich jedoch nur 180g!!!
Frau C. aus Essen vom 12.08.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Auf Fertigpackungen muss in der Regel die Füllmenge angegeben werden (Nennfüllmenge).
Für die Nennfüllmenge gilt dabei das sogenannte Mittelwertprinzip. Danach muss die Nennfüllmenge im Durchschnitt eingehalten werden, d. h. über- und unterfüllte Verpackungen sind in vorgegebenen Grenzen erlaubt. Für den Verbraucher ist die Zulässigkeit einer gekauften unterfüllten Verpackung nicht nachprüfbar. Eine Festlegung, dass die auf der Verpackung angegeben Menge mindestens erreicht werden muss, wäre eine gute Lösung im Interesse der Verbraucher.

Darum geht’s:

Verbraucher kritisieren immer öfter, dass die auf der Verpackung angegebene Füllmenge (Nennfüllmenge) von der meist an der häuslichen Küchenwaage nachgewogenen tatsächlichen Füllmenge abweicht.

Das ist geregelt:

Nach der Fertigpackungsverordnung (FPackV) müssen Fertigpackungen in der Regel eine Nennfüllmenge aufweisen. Die Nennfüllmenge (nach Gewicht, Volumen, Länge, Fläche oder Stückzahl) ist die Menge eines Erzeugnisses, die die Fertigpackung enthalten soll. Die Füllmenge ist die Menge, die tatsächlich in der Fertigpackung netto enthalten ist.

Zulässige Minusabweichungen, bis zu denen nach unten von der Nennfüllmenge abgewichen werden darf, sind festgelegt: Zum Beispiel werden 100-Gramm-Tafeln Schokolade, 1-Liter-Flaschen Speiseöl oder 500-Gramm-Packungen Müsli so hergestellt, dass sie ein festgelegtes einheitliches Gewicht haben sollen.

Der Wert der zulässigen Minusabweichung ist nach der Füllmenge gestaffelt. Danach sind zum Zeitpunkt der Herstellung für einzelne Packungen (bei Einhaltung des Mittelwertprinzips) beispielsweise bei einer 150-Gramm-Packung Unterschreitungen bis zu 4,5 Prozent und bei einer 1000-Gramm-Packung Unterschreitungen bis zu 1,5 Prozent möglich. Darüber hinaus dürfen zwei Prozent aller Packungen sogar bis zum doppelten der zulässigen Minusabweichung abweichen. Eine noch geringere Füllmenge ist beim erstmaligen Inverkehrbringen nicht zulässig. Austrocknungsverluste auf dem Weg durch die weiteren Handelsstufen müssen jedoch hingenommen werden. Beispiel: Eine Fertigpackung mit einer Nennfüllmenge von 1000 Gramm darf um bis zu 15 Gramm zu leicht sein, wenn sie durch andere übergewichtige Packungen ausgeglichen wird. Zwei Prozent aller Packungen einer Charge dürfen sogar nur Gewichtswerte zwischen 985 Gramm und 970 Gramm aufweisen (30 Gramm entsprechen der doppelten zulässigen Minusabweichung von 1,5 %), wenn sie ebenfalls durch übergewichtige Packungen ausgeglichen werden. Packungen, die weniger als 970 Gramm wiegen, dürfen somit nicht in Verkehr gebracht werden – können aber nach längerer Lagerzeit dennoch 970 Gramm unterschreiten.

Fertigpackungen ungleicher Füllmenge sind Produkte, die in unterschiedlicher Größe grammgenau gewogen und verpackt werden. Das ermittelte Gewicht (ohne Verpackung!) ist dann Grundlage des Preises. Ein Mittelwert existiert hier nicht, da die Nennfüllmengen ungleich sind. Beispiele für Fertigpackungen ungleicher Nennfüllmenge sind abgepackte Putenbrust oder vorverpackte Bananen in Folie. Zum Zeitpunkt des erstmaligen Inverkehrbringens darf beispielsweise eine solche 628-Gramm-Fertigpackung um 5 Gramm von der tatsächlichen Füllmenge abweichen. Auch bei diesen Packungen kann sich in den nachfolgenden Handelsstufen das Gewicht durch Austrocknung verringern.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Für den Verbraucher ist eine unzulässige Abweichung von den zulässigen Minusabweichungen kaum prüfbar. Doch maßgeblich für die Einhaltung der Nennfüllmenge ist grundsätzlich das Gewicht zum Zeitpunkt des erstmaligen Inverkehrbringens. Verbraucher sollten sich bei Verdacht auf eine unzulässig unterfüllte Verpackung an die regional zuständigen Eichämter wenden.
Die Eichämter verfügen über Tabellen, in denen Standard-Austrocknungswerte für eine Reihe von Produkten aufgelistet sind. Dennoch ist auch damit eine genaue Rückrechnung auf das Gewicht beim erstmaligen Inverkehrbringen nicht möglich. Das ist unbefriedigend für den Verbraucher, denn er kann durch Nachwiegen mit der häuslichen Waage in der Regel nicht eindeutig feststellen, ob gesetzlich festgelegte Minusabweichungen eingehalten wurden. Erst recht kann er nicht feststellen, ob die untergewichtigen Produkte durch übergewichtige Produkte wieder ausgeglichen wurden.

Fazit:

Für Verbraucher sind die Eichämter der erste Ansprechpartner, wenn sie den Verdacht einer unzulässigen Füllmengenunterschreitung haben. Verbraucherfreundlicher wäre die Festlegung des Mindestmengenprinzips, d. h. die auf der Verpackung angegeben Menge muss mindestens erreicht werden.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz [aktuell: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft] über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
7. Dezember 2013