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Toastbrot mit 100 % Roggenmehl

 
Bereich 
Erlaubt!

Nicht deutlich: Werbung „100 % Roggenmehl“ bezieht sich nur auf den Getreideanteil und nicht auf das fertige Toastbrot. Weizeneiweiß kann als Backmittel enthalten sein.

Verbraucherbeschwerde 

Auf der Verpackung wird der Eindruck erweckt, dass das Brot aus 100 % Vollkornmehl besteht. Es sind aber nur 56 %.
Herr H. aus Finsterwalde vom 15.04.2016

54 % Roggenmehl im Getreideerzeugnis: Roggenbrötchen 54 % Roggenmehl im Getreideerzeugnis zum Fertigbacken:  Zutaten: 39 % ROGGENERZEUGNISSE (ROGGENMEHL, ROGGENSAUERTEIG [ROGGENMEHL, Wasser], ROGGENVOLLKORNSCHROT), WEIZENMEHL, Wasser, WEIZENGLUTEN, Backmittel (Dextrose, Emulgator: E472e; WEIZENMEHL, Rapsöl), Hefe, jodiertes Speisesalz (Speisesalz, Kaliumjodat), Sonnenblumenöl, GERSTENMALZEXTRAKT, Säureregulator: Natriumacetate. Das Produkt kann Spuren von SESAM enthalten.
Frau U. aus Berlin vom 06.03.2016

Das Produkt heißt "Roggenbrötchen". Für diese Benennung muss ein Roggenmehl-Anteil von min. 50 % im Produkt erreicht werden. Der Roggenmehl-Anteil ist jedoch mit lediglich 32 % ausgewiesen. Es handelt sich also um eine offensichtliche Täuschung.
Herr S. aus Oldenburg vom 21.08.2015

Nach meinen Kenntnissen muß ein Roggenmischbrot zwischen 51%-89% Roggen enthalten, damit es als Roggenmischbrot deklariert werden darf. Auf der Verpackung wird vom Hersteller 33% Roggen angegeben. Selbst mit dem Anteil des Roggens mit Natursauerteig müssten mind. 51% zustande kommen. Somit stellt sich die Frage, ob es wirklich als Roggenmischbrot deklariert werden darf.
Frau B. aus Weidenbach vom 20.04.2015

Auf der Frontseite beim Toast steht "aus 90% Vollkornmehl" - in der Zutatenliste auf der Rückseite stehen nur noch 58% Vollkornmehl...das Produkt wird als Vollkornprodukt bezeichnet und muss daher 90% Vollkornmehl enthalten.
Frau A. aus Raunheim vom 14.11.2013

Mich irritiert, dass das Produkt trotz Aufdruck „Mit 100 % Roggenmehl“ laut Zutatenliste Weizeneiweiß enthält.
Frau B. aus Bielefeld vom 27.12.2011

Auf der Packung ist deutlich erkennbar "100 % Roggen" angegeben. Bei näherer Betrachtung fällt aber ein kleines Sternchen neben den 100 % auf. Dieses verweist auf den kryptischen Satz: "bezogen auf den Gesamtmehlanteil von XX Toast". Wenn man sich die Zutatenliste ansieht, erkennt man, dass nur 51 % Roggenmehl im Produkt sind und direkt an dritter Stelle "Weizeneiweiß" in der Zutatenliste auftaucht. Für mich ist das Verbrauchertäuschung.
Frau T. aus Ennepetal vom 16.07.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Ein Toastbrot wirbt auf der Schauseite der Packung mit „100 % Roggenmehl“ enthält jedoch im Endprodukt laut Zutatenliste nur 50 % Roggenmehl und Weizeneiweiß. Die Aussage 100 % Roggenmehl bezieht sich auf den Roggenmehlanteil an den Getreidemahlerzeugnissen, die in diesem Brot verarbeitet wurden. Weizeneiweiß ist kein Getreidemahlerzeugnis sondern ein Backmittel und wird aus diesem Grund nicht in die Bestimmung des Roggenmehlanteiles einbezogen.
Um Irritationen des Verbrauchers zu vermeiden, sollte der Bezug der Prozentangabe auf den Getreideanteil deutlicher auf der Schauseite stehen oder die Werbung entfallen. Letzteres hilft darüber hinaus gesundheitliche Risiken für Allergiker zu vermeiden, die auf Weizenbestandteile verzichten müssen.

Darum geht´s:

Ein Roggentoastbrot (Verkehrsbezeichnung) verweist auf der Schauseite der Packung darauf, dass es „mit 100 % Roggenmehl *“ hergestellt wurde. Das Sternchen besagt: „bezogen auf den Gesamtmehlanteil des XX Toasts“. In der Zutatenliste sind angegeben: Roggenmehl (50 %), Wasser, Weizeneiweiß, ... Die Verbraucherbeschwerde richtet sich auf die Diskrepanz zwischen der Auslobung „100 % Roggenmehl“ auf der Schauseite und den tatsächlich enthaltenen 50 % Roggenmehl im Produkt. Zudem wird ein Widerspruch gesehen, da das Produkt außerdem Weizeneiweiß enthält.

Das ist geregelt:

Gemäß der Leitsätze für Brot und Kleingebäck sind Getreideerzeugnisse sämtliche Erzeugnisse aus gereinigtem Getreide, welches weiter bearbeitet wurde, z. B. Mehl, Backschrot, Vollkornmehl usw.

Üblicherweise wird gemäß der Leitsätze für Brot und Kleingebäck der Anteil eines Mehles in Brot und Kleinbackwaren – hier Roggenmehl – bezogen auf seinen Gesamtanteil an dem verwendeten Getreide und/oder Getreideerzeugnissen ausgelobt. Um Irreführungen auszuschließen, sollte auf der Packung dieser Bezug deutlich sichtbar und verständlich sein.

Gemäß Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), Artikel 22 muss in der Zutatenliste die Menge einer besonders hervorgehobenen Zutat erfolgen. Die Menge der Zutat – wie hier beispielsweise das Roggenmehl – muss sich auf das Gewicht der fertigen Backware beziehen, also unter Einbeziehung aller verwendeten Zutaten, abzüglich Backverlust.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Es ist eindeutig, dass ein Brot, das ausschließlich mit einer Art Mehl (hier „100 % Roggenmehl“) hergestellt wird, im Endprodukt dieses Mehl nur anteilig enthalten kann. Da dieser Anteil bei Produkten gleicher Verkehrsbezeichnung variieren wird, ist der Bezug auf die absolute Menge an Getreidemahlerzeugnissen im Produkt logisch und nachvollziehbar. Die Kennzeichnung besagt folglich, dass die 50 % Mehl, aus denen dieser Toast neben anderen Zutaten gebacken wurde, zu 100 % aus Roggenmehl besteht. Daher sind die Angaben auf der Schauseite und in der Zutatenliste in sich schlüssig und entsprechen den lebensmittelrechtlichen Regelungen.

Weizeneiweiß ist kein „Getreidemahlerzeugnis“ im Sinne der oben genannten Verordnung, da es aus Weizenmehl extrahiert wird. Weizeneiweiß wird in Toastbrot, Kleingebäck oder Weizen- und Mischbroten als Backmittel zugesetzt, um eine Verbesserung der Backeigenschaften zu erzielen. Aus diesem Grund wird es nicht in die Bestimmung des Roggenmehlanteiles an den Getreidemahlerzeugnissen einbezogen.
Einem durchschnittlich informierten Verbraucher dürften die Einzelheiten moderner Backtechnologie sowie die Unterschiede und Definitionen von Getreidemahlerzeugnissen und Backmitteln wenig bekannt sein. Insofern ist die Irritation aus Sicht der Verbraucherzentrale nachvollziehbar.
Weizen(eiweiß-)allergien und Weizenunverträglichkeiten kommen relativ häufig vor. Auch wenn Allergiker und Menschen, die unter Unverträglichkeiten leiden, grundsätzlich Zutatenlisten besonders sorgfältig prüfen müssen, sollte der Hersteller alles unterlassen, was zu einem Verzehr riskanter Lebensmittel führen könnte. So kann der Aufdruck „Mit 100 % Roggen“ dazu verleiten, „endlich“ einmal Toastbrot essen zu dürfen – mit möglicherweise unerwünschten Folgen.

Fazit:

Um Irritationen des Verbrauchers zu vermeiden, sollte der Bezug der Prozentangabe auf den Getreideanteil deutlicher auf der Schauseite stehen oder die ganz Werbung entfallen, um gesundheitliche Risiken für Weizen-Allergiker zu vermeiden

Status 

Die angesprochene Problematik erfordert aus Sicht der Verbraucherzentralen die Änderung oder Ergänzung einer rechtlichen Regelung. Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) am 15.02.2012 um Stellungnahme dazu gebeten.

Stand 
19. April 2016