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Nährwertinformation für Kinder-Lebensmittel, Beispiel Mini-Kekse

 

Richtwerte für die tägliche Nährstoffzufuhr sind nicht für Kinder geeignet

Verbraucherbeschwerde 

Ich finde es nicht richtig, dass das Produkt für Kinder ausgelobt ist, aber die Kalorienreferenzmenge sich auf die Ernährung von Erwachsenen bezieht. Das Produkt enthält auch nicht weniger Zucker oder Kalorien als die anderen Produkte aus dieser Reihe.
Frau N. aus Mülheim an der Ruhr vom 21.06.2015

Auf einer Wurstpackung mit Comicabbildungen, die auf die Zielgruppe Kinder ausgerichtet ist, ist bei den Nährwertangaben die Referenzmenge für Erwachsenen angegeben.
Ich weiß, dass dies die Standardangabe auf Lebensmitteln ist, die meiner Meinung nach zur Desinformation des Verbrauchers genutzt wird. Es existiert anscheinend nur ein durchschnittlicher Erwachsener mit einem Kalorienverbrauch von 2000 kcal. Dabei ist genau bekannt, dass ein erwachsener Mann fast immer einen höheren Kalorienverbrauch hat. Mit dieser Information kann man also oft nichts anfangen. Das aber sogar speziell für Kinder konzipierte Lebensmittel so eine Angabe haben, finde ich mehr als "seltsam", um es nett auszudrücken.
Herr S. aus Viersen vom 27.04.2015

Wir bekamen heute zum Geburtstag unserer Tochter eine Packung ...-Kekse geschenkt. Nach genauerem Betrachten der Nährwertinformationen wurde ich allerdings stutzig. Eine Portion dieser Kekse (3 Stück entsprechen 16 g) enthält 76 Kilokalorien. Der empfohlene tägliche Bedarf wird hier mit 3,8 Prozent angegeben bei einem Tagesbedarf von 2000 Kilokalorien.
Es steht zwar im Kleingedruckten, dass diese Angaben für einen durchschnittlichen Erwachsenen sind, aber nicht jeder wird darauf achten.
Da die Packung sehr bunt und kindlich ist, erweckt das Produkt den Anschein, dass es für Kinder gedacht ist. Aber die Nährwertinformation ist nicht auf Kinder zugeschnitten. Nach meiner Meinung ist das eine Irreführung, da das Produkt als gesund dargestellt wird.
Die Packung verleitet dazu, diese Kekse als zucker- und fettarm zu sehen.
Herr B. aus Hessen vom 29.5.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung

Hersteller von verpackten Lebensmitteln können zurzeit freiwillig den Gehalt an Energie und bestimmten Nährstoffen kennzeichnen. Zusätzlich ist die Angabe möglich, welchem Beitrag an der empfohlenen Tageszufuhr dies entspricht. Die Bezugsgröße für die Zufuhrempfehlungen ist ein durchschnittlicher Erwachsener mit einer Energiezufuhr von 2000 kcal/Tag. Für andere Bevölkerungsgruppen mit einem geringeren Energiebedarf wie Kinder oder Senioren sind diese Angaben wenig sinnvoll.
Die Nährwertinformationen sollten sich daher unseres Erachtens auf die Zusammensetzung des Lebensmittels pro 100 g beschränken. Zur Einschätzung, ob ein Lebensmittel viel oder wenig Energie und Nährstoffe liefert, empfehlen die Verbraucherzentralen ein Ampelmodell.

Darum geht’s

Der Produktname und die Aufmachung, z. B. die Abbildung der Comic-Figur, weisen deutlich auf ein Lebensmittel hin, das speziell Kinder anspricht. Der Anbieter hat die Nährwerte und deren Anteil an der empfohlenen Tageszufuhr freiwillig gekennzeichnet. Zugrunde liegen vorschriftsgemäß die empfohlenen Zufuhrwerte für einen durchschnittlichen Erwachsenen und nicht für ein Kind. Die Energie- und Nährstoffzufuhr eines Kindes weicht deutlich von der eines Erwachsenen ab, sie ist geringer. Dementsprechend liegt der Anteil, den eine Portion des Lebensmittels davon liefert, bei Kindern höher als sie hier angegeben ist. Gerade negativ bewertete Nährstoffe wie Fett und Zucker erscheinen dadurch in einem „positiverenn Licht“, was die Verbraucher als täuschend ansehen.

Das ist geregelt

Die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) regelt unter anderem wie die Nährwertkennzeichnung – egal ob verpflichtend oder freiwillig – zu erfolgen hat. Wenn der Anbieter Nährwerte kennzeichnet, sind die Angaben für Brennwert/Energiegehalt, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz je 100 Gramm oder 100 Milliliter eines Lebensmittels als Tabelle verpflichtend. Freiwillig sind die Kennzeichnung weiterer Nährstoffe, der Bezug auf eine Portion und die Angabe der prozentualen Anteile von Energie und Nährstoffen an den Referenzmengen möglich. Für letzteres ist die Erklärung „Referenzmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen (8400kJ/2000kcal)“ zu ergänzen. Für besondere Zielgruppen sind keine speziellen Referenzmengen vorgesehen.
Ab 13.12.2016 sind die Nährwertangaben für fast alle verpackten Lebensmittel verpflichtend. Nur wenige Ausnahmeregelungen gibt es dann noch, beispielsweise für sehr kleine Verpackungen oder alkoholische Getränke mit mehr als 1,2 Volumenprozent.

So sieht’s die Verbraucherzentrale

Entsprechend der Aufmachung handelt es sich um ein Lebensmittel für kleinere Kinder. Die Angaben zum Energie- und Nährstoffbeitrag an der empfohlenen Tageszufuhr beziehen sich jedoch nicht auf diese Zielgruppe: Eine Portion Kekse (3 Stück) liefert bei Vorschul- und Grundschulkindern aufgrund des geringeren Energiebedarfs einen höheren Beitrag zur Tageszufuhr an Kalorien, Zucker und Fett als bei Erwachsenen. Dadurch kann ein falscher Eindruck entstehen: Kalorien-, Zucker- und Fettzufuhr können somit für Kinder unterschätzt werden.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist der Vergleich der Nährwerte mit den Referenzmengen für die tägliche Zufuhr wenig sinnvoll, da sich die Referenzmengen nicht für alle Bevölkerungsgruppen eignen. Zudem unterliegen der Nährstoff- und Energiebedarf starken individuellen Schwankungen. Verbraucher können zwar beispielsweise ablesen, mit wie viel Prozent eine Portion zur empfohlenen Tageszufuhr einer erwachsenen Frau beiträgt – dies ergibt jedoch für Kinder und ältere Menschen ein falsches Bild.

Auch bei Portionsgrößen wird häufig getrickst. Indem Anbieter unrealistisch kleine Portionen festlegen, z. B. eine halbe Pizza oder einen einzigen Keks, werden Nährstoffgehalte schön gerechnet: Durch die angegebene Mini-Menge scheint der Fett- oder Zuckergehalt gering – in der Praxis liegt die Nährstoffaufnahme jedoch erheblich höher als auf der Packung aufgeführt.

Fazit

Die Verbraucherzentralen befürworten ein Ampel-Modell, bei dem sich die Nährwertangaben auf 100 Gramm eines Lebensmittels beziehen. Eine einheitliche Bezugsgröße erleichtert den Vergleich ähnlicher Lebensmittel. Die farbige Unterlegung dient bei diesem Modell als Orientierung für Verbraucher, die beim Einkauf eine gesundheitsfördernde Lebensmittelauswahl treffen wollen.

Mit Hilfe der Ampelfarben grün, gelb und rot zur Bewertung der kritischen Nährstoffe, können Verbraucher schnell und unkompliziert selbst beurteilen, welche Anteile an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz als gering, mittel oder hoch einzustufen sind. So erhalten Verbraucher auf einen Blick beim Einkauf eine Orientierung, in welchen verarbeiteten Produkten viel Fett und Zucker stecken.

Stand 
22. Januar 2016