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Lebensmittel mit Kräuterauszügen, Beispiel Bonbons mit echtem Minzöl

 

Werbung mit „echten Kräuterauszügen“ bei Kennzeichnung von Aroma in der Zutatenliste erlaubt

Verbraucherbeschwerde 

Das Produkt bezeichnet sich als "..."-Bonbons. Die Beschreibung sagt: "...Kombination aus natürlichem Eukalyptus und Menthol..." Die Zutatenangabe zeigt nur Eukalyptusöl. Keinerlei Angaben zu Menthol. Entweder das Produkt enthält kein Menthol, oder die Zutatenliste ist falsch.
Herr B. aus Mülheim an der Ruhr vom 03.02.2014

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:
Die Kennzeichnung eines „echten Kräuterauszuges“ als „Aroma“ oder „natürliches Aroma“ ist korrekt. Aus Verbrauchersicht ist eine solche Kennzeichnung jedoch unbefriedigend, da die ausgelobten Kräuterauszüge nicht wörtlich in der Zutatenliste zu finden sind. Außerdem kann sich hinter einer solchen unkonkreten Kennzeichnung eine Mischung verschiedener Aromen mit dem echten Kräuterauszug verbergen.
Grundsätzlich sollten beworbene Zutaten als solche in der Zutatenliste stehen und nicht als „Oberbegriff“ auftauchen, der für qualitativ ganz verschiedene Substanzen stehen kann. Bisher lässt die EU-Aromenverordnung beide Möglichkeiten zu. Hier wäre eine Änderung der Verordnung im Sinne einer verpflichtenden Kennzeichnung beworbener Geschmacks- und Geruchsstoffe sinnvoll.

Darum geht’s:
Bei verschiedenen Lebensmitteln wie Getränken, Bonbons oder Desserts stellen die Anbieter prominent auf der Schauseite der Verpackung die Zugabe von echten Kräuterauszügen heraus. Teilweise wird dieser Hinweis durch Abbildung der beworbenen Kräuter oder Gewürze verstärkt. Durch diese Aufmachung der Verpackung erwarten die Verbraucher, dass die ausgelobten Zutaten in der Zutatenliste stehen. Sie fühlen sich getäuscht, wenn sie Kräuterauszüge vermeintlich gar nicht oder nur als „Aroma“ oder „natürliches Aroma“ in der Zutatenliste finden.

Das ist geregelt:
Nach der EU-Aromenverordnung von 2008 handelt es sich bei „Aroma“ um jedes „Erzeugnis, das als solches nicht zum Verzehr bestimmt ist und Lebensmitteln zugesetzt wird, um ihnen einen besonderen Geruch und/oder Geschmack zu verleihen oder diese zu verändern; das aus den folgenden Kategorien hergestellt wurde oder besteht: Aromastoffe, Aromaextrakte, thermisch gewonnene Reaktionsaromen, Raucharomen, Aromavorstufen, sonstige Aromen oder deren Mischungen“. Das bedeutet, die Hersteller können alles, was unter diese Kategorien fällt als „Aroma“ bezeichnen und müssen es nicht näher spezifizieren.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:
Nach Ansicht der Verbraucherzentrale fehlt hier die Transparenz für Verbraucher. Es ist möglich, dass Verbraucher die Kennzeichnung „Aroma“ nicht mit dem ausgelobten Kräuterauszug in Verbindung bringen und annehmen, die beworbene Zutat würde fehlen.
Tatsache ist, wenn ein echter Kräuterauszug beworben wird, muss er auch in dem Produkt enthalten sein. Unklar bleibt bei der Kennzeichnung „Aroma“ oder „natürliches Aroma“ jedoch, ob neben dem echten Kräuterauszug nicht auch synthetisches oder nicht aus den Kräutern stammendes „natürliches“ Aroma für den Geschmack und Geruch sorgt.

Fazit:
Beworbene Zutaten sollten als solche in der Zutatenliste stehen und nicht als „Oberbegriff“ auftauchen, der für qualitativ ganz verschiedene Substanzen stehen kann. Im konkreten Fall wäre eine Änderung der EU-Aromenverordnung sinnvoll, die die Kennzeichnung beworbener Geschmacks- und/oder Geruchssubstanzen vorschreibt.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz [aktuell: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft] über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
21. Februar 2013