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Hansano Haltbare Weidemilch, 3,9 %

 

Milch angeboten in Hannover mit Werbung „Aus der Region“ stammt von Kühen im Nordwesten Schleswig-Holstein

Verbraucherbeschwerde 

Auf der Verpackung wird mit der Regionalität des Produktes geworben. Man kann sogar die Herkunft der Milch zurückverfolgen, was ich als äußerst positiv empfinde. Deshalb habe ich genau das getan mit den dazugehörigen Codes auf der Verpackung. Das hat auch gut funktioniert. Das Ergebnis hat mich dann doch etwas erstaunt! Die Milch kam aus Schleswig-Holstein, und zwar nicht an der Grenze zu Niedersachsen sondern deutlich im Norden des Bundeslandes.

Abgefüllt und abgepackt wurde das Produkt in MV006, d. h. in Upahl, Mecklenburg-Vorpommern. Das bedeutet für die Milch einen Weg von ca. 170 km zur Molkerei und nochmal ca. 250 km zu mir als Verbraucher in Hannover. Das hat doch mit Regionalität nichts zu tun! Es ist ja nicht so, dass unsere Milch üblicherweise aus Afrika oder Spanien kommt. Ich verstehe unter Regionalität, wie das Wort auch schon sagt, aus meiner Region!!! Und das bedeutet für mich mindestens Produktion und Verarbeitung/Verpackung in meinem Bundesland.
Herr C. aus Hannover vom 21.02.2015

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Produktnamen und Werbeslogans, die mit „Region“ werben, verstehen Verbraucher oft als Hinweis auf regionale Rohstoffe und regionale Herstellung.

Weisen dann ein Rückverfolgbarkeitscode, Anbieter-Adresse und Identitätskennzeichen auf zwei weitere Bundesländer hin, sollte der Anbieter unseres Erachtens auf der Packung deutlicher machen, was er genau unter Region versteht. Sonst könnten sich Verbraucher über die Herkunft getäuscht sehen.

Darum geht’s:

Auf einer Seite des Milchkartons der Haltbaren Weidemilch von Hansano finden Verbraucher ein Logo mit der Beschriftung „Aus der Region – Für die Region – Über 50 Jahre Qualität“. Der Verbraucher und die Verbraucherzentrale haben die Milchpackungen in Hannover gekauft. Die Identitätskennzeichen auf den Tetrapaks nennen Hansano in Upahl/Mecklenburg-Vorpommern als letzten verarbeitenden Betrieb. Mit Hilfe des Mindesthaltbarkeitsdatums und weiterer Zahlen auf der Verpackung können Verbraucher die Region, aus der die Milch stammt, auf der Internetseite des Anbieters herausfinden. Es wird zwar kein konkreter Milcherzeuger genannt, aber anhand einer Fahrradtour die Region eng eingegrenzt. In beiden Fällen stammte die Milch aus dem Nordwesten Schleswig-Holsteins. Die in Hannover gekaufte Milch kam also weder aus der Umgebung von Hannover noch aus Niedersachsen.

Das ist geregelt:
Gemäß der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) sind auf verpackten Lebensmitteln der Name und die Anschrift des Herstellers, Importeurs, Verpackers oder des Verkäufers verpflichtend anzugeben. Es muss nicht unbedingt der Produktionsort der Ware angegeben sein.

Das Identitätskennzeichen ist eine Pflichtkennzeichnung auf tierischen Lebensmitteln, also auch auf Milcherzeugnissen. Es stellt keine Verbraucherinformation dar. Es gibt den Behörden der Lebensmittelüberwachung anhand von Kürzeln den Betrieb an, der das Produkt zuletzt bearbeitet oder verpackt hat. Es kennzeichnet nicht unbedingt die Herkunft der Rohstoffe. Das Identitätskennzeichen besteht aus einem Länderkürzel, z. B. "DE" für Deutschland, einer Betriebsnummer, die sich aus einer Abkürzung des Bundeslandes, zum Beispiel "MV" für Mecklenburg-Vorpommern, und einer Nummer zusammensetzt, die den Betrieb identifiziert, sowie der Angabe „EG“, wenn es sich um einen Betrieb der Europäischen Gemeinschaft handelt.

Nach der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), dürfen Informationen über Lebensmittel nicht in die Irre führen, insbesondere in Bezug auf die Eigenschaften des Lebensmittels. Unter Eigenschaften wird unter anderem auch die Herkunft eines Lebensmittels verstanden. Solche Irreführungen sind auch in der Werbung und in der Aufmachung und Darbietung des Lebensmittels unzulässig.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:
Viele Verbraucher achten bei der Lebensmittelauswahl auf eine regionale Herkunft. Mittlerweile gibt es eine Fülle von regionalen Logos im Markt. Worauf sich diese beziehen, ist nicht immer zweifelsfrei klar. Konkrete Regelungen, welche Voraussetzungen Werbung mit „Regionalität“ erfüllen muss, gibt es bisher nur sehr vereinzelt, z. B. für das Regionalfenster. Jedenfalls darf die Werbung den Verbraucher nicht irreführen.

Verbraucher gehen in der Regel in der näheren Umgebung ihres Wohnsitzes also „ihrer Region“ einkaufen. Es ist unserer Ansicht nach nachvollziehbar, wenn sie eine Werbung mit „Aus der Region“ auf ihre nähere Umgebung beziehen.

Hier umfasst die Region drei Bundesländer, durch die die Milch transportiert wird, was der Verbraucher nachvollziehbar nicht mehr als „seine Region“ ansieht.

Fazit:
Der Anbieter sollte nur mit dem Begriff Region werben, wenn er auf der Verpackung näher definiert ist.

Stellungnahme der Arla Foods Deutschland GmbH, Upahl

Kurzfassung:

Die Aussage „Aus der Region – für die Region“ ist nicht zu beanstanden. Angesprochen wird die Region Norddeutschland. Nur in dieser findet der Verbraucher Milchprodukte der Marke „HANSANO“ in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels. Die Rohmilch stammt aus Schleswig-Holstein, die Produktionsstätte des Fertigproduktes „HANSANO – haltbare Weidemilch“ befindet sich in Mecklenburg-Vorpommern.

Stellungnahme Downloads 
Stand 
18. Juni 2015