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Glühwein

 

Glühwein ohne Zutatenverzeichnis und Kennzeichnung des Weinanbaugebietes

Verbraucherbeschwerde 

Das Produkt "Winzer Glühwein" wirbt mit traditioneller Rezeptur. Ich bin also davon ausgegangen einen gewürzten Weißwein zu kaufen. Auf dem Etikett ist keinerlei Hinweis auf künstliche Zusätze oder Suessungsmittel enthalten.
Frau P. aus Mölln vom 06.11.2015

Auf dem Etikett steht "...Glühwein“ ohne Angabe der tatsächlichen Inhaltstoffe, kein Weinanbaugebiet. Es werden nur die Vertriebsfirma ... und ein Abfüller ... genannt (diese ist weder im Internet noch in einem Telefonbuch zu finden). Der Produzent oder ein ... Weinanbaugebiet ... sind nicht aufgeführt ... Man kann einfach nicht entnehmen, was man eigentlich trinkt.
Herr P. aus Freiberg vom 01.12.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Glühwein ist ein weinhaltiges Getränk und bedarf keines Zutatenverzeichnisses. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sollten auch Getränke mit einem Alkoholgehalt über 1,2 % vol. ein Zutatenverzeichnis aufweisen. Außerdem sollte die Herkunft des Weines genauer beschrieben werden, wenn das weinhaltige Getränk beispielsweise als Winzerglühwein besonders ausgelobt ist. Doch rechtlich sind den Angaben zu Weinanbaugebieten für Glühwein Grenzen gesetzt.

Darum geht’s:

Auf dem Etikett einer Flasche Glühwein wird mit einer besonderen Rezeptur geworben. Doch die Zutaten dieser Rezeptur bleiben dem Verbraucher verborgen. Außerdem wird besonders hervorgehoben, dass es sich um einen Glühwein von einem deutschen Winzer handelt, doch außer dem Hinweis, dass dieser Glühwein sich neben Gewürzen aus kräftigen deutschen Rotwein zusammensetzt, erfolgen keine näheren Angaben zur Herkunft des Rotweines.

Das ist geregelt:

Glühwein ist ein weinhaltiges Getränk und braucht aufgrund seines Alkoholgehaltes von mindestens 7 bis weniger als 14,5 % vol. kein Zutatenverzeichnis anzuführen. So sieht es die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) vor, die bestimmt, dass Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 % vol., ausgenommen Bier, vom Erfordernis eines Zutatenverzeichnisses ausgenommen sind. Nur wenige Angaben auf dem Etikett sind für diese Produktgruppe vorgeschrieben wie etwa der Hersteller, Abfüller oder Vertreiber, der Alkoholgehalt, die Füllmenge und ggf. eine Allergenkennzeichnung, z.B. „enthält Sulfite“. Glühwein unterliegt zusätzlich den Regelungen des Weinrechts. Bei Glühweinen sind gemäß europäischer Verordnung über aromatisierte weinhaltige Getränke die geographischen Angaben „Thüringer“ und „Nürnberger“ zulässig. Weitere Herkunftsangaben sind, wenn sie für andere Erzeugnisse des Weinrechts bereits festgelegt wurden, nicht statthaft. Eine Bezeichnung „Sächsischer Glühwein“ wäre damit beispielsweise unzulässig.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Über Zutatenverzeichnisse auf verpackten Lebensmitteln können sich Verbraucher in der Regel über die verwendeten Zutaten genauer informieren. Auch bei alkoholischen Getränken mit einem Alkoholgehalt über 1,2 % vol. ist es aus unserer Sicht ein berechtigter Wunsch aus der Zutatenliste beispielsweise erfahren zu wollen, welcher Wein und welche Zuckerstoffe verwendet wurden. Auch ist es von Bedeutung, ob das Aroma aus Gewürzen oder aus künstlichen Aromen stammt. Wird zudem der Glühwein als Winzerglühwein bezeichnet, so suggeriert dies einen besonderen regionalen Bezug zu Winzern und deren regionaler Weinproduktion. Der Verbraucher darf zu Recht erwarten, dass dieser regionale Bezug genauer erläutert wird. Doch dem Hersteller sind hier gesetzliche Grenzen gesetzt.

Fazit:

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sollten auch Getränke mit einem Alkoholgehalt über 1,2 % vol. ein Zutatenverzeichnis haben. Wir unterstützen daher Bestrebungen, ein Zutatenverzeichnis für solche Produkte gesetzlich verpflichtend zu regeln. Hinsichtlich der regionalen Angaben für die im Glühwein verwendeten Weine sollten auch aufgrund des zunehmenden Interesses der Verbraucher an der Herkunft der verwendeten Hauptzutaten gesetzliche Alternativen zum geltenden Weinrecht diskutiert werden.

Status 

Die angesprochene Problematik erfordert aus Sicht der Verbraucherzentralen die Änderung oder Ergänzung einer rechtlichen Regelung. Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) am 02.02.2012 um Stellungnahme dazu gebeten.

Stand 
9. Dezember 2015