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Classic Delikatess Sächsischer Leberkäse Spitzenqualität

 

Produktbezeichnung „Sächsischer Leberkäse“ legt die Herkunft aus Sachsen nahe, was nicht der Fall ist

Verbraucherbeschwerde 

Durch die Aufschrift Sächsischer Leberkäse gehe ich davon aus, dass es sich um ein regionales Produkt handelt. Auf der Rückseite ist allerdings vermerkt, dass dieses Produkt in Baden-Württemberg hergestellt wird. Somit fühle ich mich getäuscht, es sollte dann Baden Württemberger Leberkäse heißen ... oder zumindest eine Beschriftung wie nach original Sächsischen Rezept oder so geben.
Herr B. aus Seifhennersdorf vom 18.07.2016

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Produktnamen, die ein Bundesland nennen, können Verbraucher leicht als Hinweis auf regionale Rohstoffe und regionale Herstellung verstehen. Stammen die Rohstoffe tatsächlich aus einer anderen Region oder erfolgt die Verarbeitung in einem anderen Bundesland, sollte der Anbieter bereits auf der Schauseite direkt im Zusammenhang mit dem Produktnamen klarstellen, welchen Hintergrund der regionale Bezug hat.

Darum geht’s:

Auf der Schauseite der Verpackung ist der Produktname „Classic Delikatess Sächsischer Leberkäse Spitzenqualität“ in großer Schrift auf einem farblich hervorgehobenen Banner aufgeführt. Deutlich kleiner ist am unteren Verpackungsrand ein Logo mit der Aufschrift „Hergestellt von Purland in Baden-Württemberg“ aufgedruckt.

Weitere Informationen geben das sogenannte Identitätskennzeichen „DE BW 01115 EG“ und der Schriftzug „Hergestellt in Baden-Württemberg“ auf der Rückseite. 

Das ist geregelt:

In der der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) ist festgelegt, dass auf verpackten Lebensmitteln der Name und die Anschrift des Herstellers, Importeurs, Verpackers oder des Verkäufers verpflichtend anzugeben sind. Es muss nicht unbedingt der Produktionsort der Ware angegeben sein.

Das Identitätskennzeichen ist eine Pflichtkennzeichnung auf tierischen Lebensmitteln. Es stellt jedoch keine Verbraucherinformation dar. Es gibt den Behörden der Lebensmittelüberwachung anhand von Kürzeln den Betrieb an, der das Produkt zuletzt bearbeitet oder verpackt hat. Es kennzeichnet nicht unbedingt die Herkunft der Rohstoffe.

In den Leitsätzen für Fleisch- und Fleischerzeugnisse sind zudem bestimmte regionale Rezepturen definiert. So kann z. B. ein „Bayrischer Leberkäse“ auch anderorts hergestellt werden, sofern dieser nach bayrischer Rezeptur hergestellt wurde.

Sächsischer Leberkäse wird in den Leitsätzen nicht ausdrücklich genannt.

Weiter heißt es, dass geographische Angaben i. d. R. echte Herkunftsangaben sind. In manchen Fällen können sie, soweit sie in den Leitsätzen ausdrücklich genannt werden, aber auch nur Hinweise auf eine bestimmte Zusammensetzung und Herstellungsweise sein.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Wer bei der Lebensmittelauswahl auf regionale Herkunft achtet, wird mit einer Fülle von regionalen Logos und Produktnamen im Markt konfrontiert. Worauf sich diese beziehen, ist oft undurchsichtig. Stammen die Zutaten aus der Region, wurden diese in der Region be- und/oder verarbeitet, wurde das Produkt nur in der Region verpackt oder hat lediglich die Rezeptur einen regionalen Hintergund? Konkrete gesetzliche Regelungen, was für Voraussetzungen solche regionalen Logos (mit Ausnahme von geschützten geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen) erfüllen müssen, gibt es nicht. Allgemein dürfen diese jedoch den Verbraucher nicht irreführen.

Hier stellt der Produktname “Classic Delikatess Sächsischer Leberkäse Spitzenqualität“ einen regionalen Bezug zu Sachsen her. Die Informationen zur Herstellungsregion sind nicht direkt auf den ersten Blick erkennbar, denn die Angaben auf der Verpackung sind umfangreich und teilweise unübersichtlich: Das Herstellerlogo auf der Vorderseite ist in unmittelbarer Nähe weiterer Informationsfenster angebracht und der Hinweis auf die Herstellerregion auf der Rückseite in einem Fließtest platziert. Die Verbraucher müssen also sehr genau hinschauen, um zu erfahren, dass das Produkt in Baden-Württemberg bearbeitet und/oder verpackt wurde. Welchen Bezug der Leberkäse hingegen zu Sachsen hat, erläutert der Hersteller an keiner Stelle der Verpackung.

Fazit:

Sofern nicht ein Großteil der Zutaten eines Produkts aus der Region stammt, sollte der Anbieter keine regionalen Logos und regionalen Produktnamen verwenden. Oder er müsste bereits auf der Schauseite in unmittelbarer Nähe des Produktnamens oder des Logos und in gleicher Deutlichkeit den tatsächlichen Produktionsort benennen.

Stellungnahme der Kaufland Warenhandel GmbH Co. KG, Heilbronn

Kurzfassung:

Der Sächsische Leberkäse zeichnet sich darin aus, dass er einen erhöhten Leberanteil (ca. 25 %) hat. Es handelt sich dabei nicht um eine Herkunftsangabe, sondern um eine Rezeptur, wie z. B. auch der „Bayrische Leberkäse“, der laut Leitsätzen für Fleischerzeugnisse auch so benannt werden darf, wenn er nicht aus Bayern stammt. Auf der Verpackung wird auf die Herstellungsregion hingewiesen.

Stand 
7. Dezember 2016