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Bier, alkoholfrei

 
Bereich 
Erlaubt!

„Alkoholfrei“, aber nicht immer 0,0 Volumenprozent Alkohol

Verbraucherbeschwerde 

Erheblich verärgert bin ich über die Tatsache, dass in Deutschland Bier als "alkoholfrei" gekennzeichnet werden darf, obwohl bis zu 0,5% Alkohol enthalten ist. Das ist mehr als 10% Alkoholgehalt eines normalen, alkoholhaltigen Bieres und trotzdem darf es als "alkoholfrei" gekennzeichnet werden. Das ist ein unsagbarer Zustand, insbesondere mit Hinblick auf Alkohol kranke Menschen und Menschen, die absolut keinen Alkohol zu sich nehmen dürfen. Das ist Täuschung in der übelsten Art!
Herr B. aus Moers vom 07.01.2016

Das Produkt wird als alkoholfrei beworben, obwohl es eben das nicht ist.
Herr S. aus Moers vom 21.07 2013

Als Alkoholfrei deklariert, es findet sich jedoch keine Angabe des tatsächlichen Alkoholanteils! Für Kranke, Kinder, Suchtgefährdete halte ich das für äußerst gefährlich! Es sollte rechtlich eindeutig geregelt sein. Es sind meines Wissens Rückfälle in die Sucht möglich.
Frau S. aus Berlin vom 21.02.2012

Das Bier darf sich alkoholfrei nennen, hat aber 0,4% vol Alkohol. Es müsste doch als alkoholarmes Bier beworben werden.
Herr J. aus Zornheim vom 26.07.2011

Auf den alkoholfreien Bieren findet sich kein Hinweis auf den Alkoholgehalt. Das ist für Alkoholiker absolut gefährlich.
Frau L. aus Eggenstein vom 22.07.2011

Laut Angaben des Herstellers auf seiner Internetseite hat das Bier einen Alkoholgehalt von 0,3 % Vol. Auf dem Getränk wird aber "alkoholfrei" hervorgehoben, ohne dass der tatsächliche Gehalt angegeben wird. Hinzu kommt, dass auf dem Getränk folgendes steht: "Schankbier mit feiner Hefe Alkoholfrei gebraut – nicht nachträglich entalkoholisiert!". Wenn dann das Bier gleichwohl 0,3 % Vol. enthält, dann ist das doch sehr überraschend.
Herr P. aus Frankfurt vom 22.07.2011

Auf dem Produkt wird werbend "alkoholfrei" herausgestellt, obwohl das Produkt nach Angaben des Herstellers auf seiner Internetseite einen Restalkoholgehalt von 0,4 % Vol. hat. Auf dem Produkt finden sich dann allgemeine Angaben zu den Zutaten und den kcal-Gehalt. Auf den Restalkoholgehalt wird aber nicht auf dem Produkt hingewiesen. Deshalb fühle ich mich hier getäuscht.
Herr P. aus Frankfurt vom 21.07.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

In Deutschland hat der überwiegende Anteil an alkoholfreien Bieren einen Alkoholgehalt von bis zu 0,5 Volumenprozent, der jedoch nicht deklariert werden muss. Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist es verständlich, dass Verbraucher unter „alkoholfrei“ einen Alkoholgehalt von 0,0 Volumenprozent verstehen. Daher sollte der tatsächliche Alkoholgehalt deutlich aus Sicht der Verbraucherzentrale im Sichtfeld erkennbar sein.

Darum geht’s:

In Deutschland werden Getränke bis zu einem Wert von 0,5 Volumenprozent Alkohol als „alkoholfrei“ bezeichnet. Verbraucher, die unter „alkoholfrei“ einen Alkoholgehalt von 0,0 Volumenprozent verstehen, können sich durch tatsächlich vorhandenen Restalkohol getäuscht fühlen.

Das ist geregelt:

Nach der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung (LMKV) muss der Alkoholgehalt nur bei Getränken mit mehr als 1,2 Volumenprozent angegeben werden. Deshalb ist die Angabe des Alkoholgehaltes auf „alkoholfreiem“ Bier nicht erforderlich.
Laut Auskunft des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ist die übliche Praxis in der Lebensmittelüberwachung, in Deutschland als „alkoholfreie“ ausgelobte Biere generell nicht zu beanstanden, auch wenn ein Restalkoholgehalt von bis zu 0,5 Volumenprozent vorhanden ist. Diese Praxis ist laut BMELV 2013 belegt durch entsprechende Beschlüsse der Ländergremien „Arbeitsgruppe für Lebensmittel, Bedarfsgegenstände, Wein und Kosmetika (ALB) der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (LAV)“ sowie „Arbeitskreis Lebensmittelchemischer Sachverständiger (ALS). Die Lebensmittelüberwachungsbehörden der Länder tolerieren einheitlich, dass bei alkoholfreiem Bier nicht auf den vorhandenen Restalkohol hingewiesen werden muss.
Auch in der Rechtsprechung wurde die Werbung mit „alkoholfrei“ zum Teil als unbedenklich eingestuft, wenn der Alkoholgehalt so gering ist, dass er auf alkoholempfindliche Menschen wie zum Beispiel Kinder keine feststellbare Wirkung ausübt.
In der Bierverordnung oder im Deutschen Lebensmittelbuch ist diese Handhabung in der Praxis jedoch nicht festgeschrieben. Die Grenze von bis zu 0,5 Volumenprozent Restalkohol trotz der Kennzeichnung „alkoholfrei“ ist also als ein üblicher Wert anzusehen.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Es besteht die Gefahr, dass Verbraucher, bei der Auslobung mit „alkoholfrei“ ein Bier erwarten, das 0,0 Volumenprozent Alkohol enthält. Dieses überwiegende Verbraucherverständnis hat auch eine repräsentative Befragung im Rahmen des Projektes "Mehr Klarheit und Wahrheit bei der Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln" belegt. Darin zeigt sich, dass die Bezeichnung "alkoholfreies Bier" von rund 70 % der Verbraucher so verstanden wird, dass kein ALkohol enthalten ist. Nur 30 % erwarteten geringe Mengen Alkohol (bis zu 0,5 Volumenprozent). Nach Meinung der Verbraucherzentrale können diese falschen Erwartungen nur dann ausgeschlossen werden, wenn die Auslobung „alkoholfrei“ entfällt oder durch andere Begriffe wie zum Beispiel „wenig Alkohol“ oder „alkoholarm“ ersetzt wird. Gleichzeitig sollte in unmittelbarer Nähe und vergleichbarer Schriftgröße dieser Auslobung auf den Restalkoholgehalt hingewiesen werden. Besonders für Menschen, die beispielsweise aus persönlichen oder religiösen Gründen auch auf kleinste Mengen an Alkohol verzichten möchten oder müssen, ist eine solche Kennzeichnung unverzichtbar. Eine entsprechende rechtliche Festschreibung dieser Forderung ist aus unserer Sicht dringend erforderlich.

Fazit:

Die Verbraucherzentralen fordern das Bundesverbraucherministerium auf, zeitnah eine Ergänzung der Bierverordnung einzuleiten. Die bisherigen alkoholfreien Biere sollten in „alkoholarm mit Restalkohol bis 0,5 vol. %“ umbenannt werden. Nur alkoholfreie Biere mit tatsächlich 0,0 Volumenprozent Alkohol sollten weiterhin so bezeichnet werden dürfen.

Status 

Im Rahmen des Dialogs zur verbrauchernahen Kennzeichnung, einem Gesprächsangebot des Projekts Lebensmittelklarheit an Lebensmittelunternehmen und -verbände, fanden in den Jahren 2013 und 2014 Gespräche mit den Deutschen Brauern statt.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Deutsche Brauer-Bund (DBB) haben sich darauf geeinigt, dass Brauereien, die zum DBB gehören, künftig freiwillig auf den Restalkoholgehalt in alkoholfreiem Bier hinweisen. Der Forderung der Verbraucherzentralen, den Begriff „alkoholfrei“ nur zu verwenden, wenn ein Bier 0,0 Volumenprozent Alkohol enthält, konnten die Brauer damit nicht folgen. Der DBB erklärte sich jedoch bereit, die Erläuterung „Alk. < 0,5 % vol.“ oder eine vergleichbare Formulierung ab 2015 auf ihren „alkoholfreien“ Biersorten zu etikettieren. Zu den DBB-Brauern gehören unter anderen Bitburger, Krombacher, Radeberger und Warsteiner.

Stand 
12. Januar 2016