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Wie ist der Begriff „vegan“ bei Lebensmitteln definiert?

Darf ein veganes Produkt Spuren von Milch enthalten?

Frage

Im Handel tauchen immer mehr Lebensmittel mit dem Aufdruck „vegan“ auf. Auf deren Rückseite sehe ich dann aber häufig den Aufdruck „Kann Spuren von Milch enthalten“ oder ähnliches. Ich fühle mich als Verbraucher getäuscht, denn als Milchallergikerin möchte ich mich auf den Hinweis "vegan" verlassen können. Vegan heißt für mich absolut tierfrei. Dürfen Hersteller den Aufdruck „vegan“ als Werbung nutzen, wenn sie dies nicht gewährleisten können?

Antwort

Der Hinweis „vegan“ heißt, dass für die Herstellung des Lebensmittels keine vom Tier stammenden Ausgangsstoffe verwendet werden. Allerdings lassen sich unbeabsichtigte Einträge in „Spuren“ nicht zu 100 Prozent vermeiden. Für Allergiker können diese kleinen Mengen bereits kritisch sein. Ein Hinweis darauf führt aber zu der von Ihnen beschriebenen irritierenden Kennzeichnung. Tatsächlich kann ein Lebensmittel, das keine Milch als Zutat enthält, trotz der Angabe „Spuren von Milch“ als „vegan“ bezeichnet werden.

Die Kennzeichnung „vegan“ oder „vegetarisch“ auf Lebensmitteln ist freiwillig. Bislang gibt es noch keine rechtsverbindliche Definition dieser beiden Begriffe.

Allerdings haben sich die Verbraucherschutzminister der Bundesländer im April 2016 auf Kriterien geeinigt, die vegane Lebensmittel erfüllen sollten. Diesem Beschluss zufolge dürfen vegane Lebensmittel keine Zutaten, Verarbeitungshilfsstoffe und vergleichbare Stoffe enthalten, die tierischen Ursprungs sind. Daran orientiert sich auch die Lebensmittelüberwachung. Diese Definition beschränkt sich jedoch auf absichtlich verwendete Stoffe und Erzeugnisse. Dazu gehören beispielsweise auch Zusatzstoffe und Aromen.

Unbeabsichtigte Einträge von tierischen Bestandteilen stehen einer „vegan“-Kennzeichnung nicht entgegen, sofern diese unvermeidbar sind. Nach Ansicht der Verbraucherschutzminister wäre eine Nulltoleranz zu streng und die Erfüllbarkeit der Kriterien würde stark eingeschränkt. Ein Betrieb, der vegane Produkte herstellt, könnte für andere Lebensmittel beispielsweise auch Milch einsetzen. Trotz sorgfältiger und hygienisch einwandfreier Herstellung kann er möglicherweise nicht ausschließen, dass Spuren von Milch auch in die veganen Lebensmittel gelangt. Trotzdem dürfte er die Angabe „vegan“ verwenden.

Die möglichen Spuren von tierischen Bestandteilen müssen auf veganen Lebensmitteln nicht gekennzeichnet werden. Sie fallen nur dann auf, wenn es sich um Allergene handelt, auf die der Hersteller hinweisen möchte.

Wir können nachvollziehen, dass es irritierend ist, wenn auf einem veganen Lebensmittel beispielsweise Hinweise auf Spuren von Milch oder Fisch zu finden sind. Wir bekommen regelmäßig Anfragen und Produktmeldungen dazu.

Aus unserer Sicht lässt sich dieser Widerspruch derzeit nicht auflösen. Da Allergiker schon auf extrem geringe Mengen eines Allergens reagieren können, sichern sich Hersteller mit einem Spurenhinweis ab, auch wenn dadurch der Eindruck entstehen kann, ein Lebensmittel wäre nicht wirklich vegan.

Daher sollten unserer Einschätzung nach Hersteller zunächst alle Möglichkeiten ausschöpfen, einen unbeabsichtigten Eintrag zu verhindern. Die Lebensmittelüberwachung sollte dies bei Spurenhinweisen auch konsequent kontrollieren und damit sicherstellen, dass mögliche Spuren tatsächlich unvermeidbar sind.

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Letzte Änderung 
28. November 2017

Kommentare

Vielen Dank für die interessante Aufarbeitung.
Um genau diesen Punkt, der zu Irritationen führt "Kann Spuren von..." zu vermeiden, wäre es nicht besser zu schreiben: "Hergestellt in einem Betrieb der auch Milch, Nüsse.... verarbeitet" ?

Gibt es hierzu eine Meinung ?