Skip to content Skip to navigation

Schriftgröße

-A +A

Milcherzeugnisse ohne Zutatenverzeichnis, Beispiel Joghurt

 

Joghurt ohne Zutatenverzeichnis ist erlaubt, wenn für die Herstellung nur die notwendigen Milchinhaltsstoffe, Lebensmittelenzyme und Mikroorganismen-Kulturen enthalten sind.

Verbraucherbeschwerde 

 

Milch enthält 4,9 % Zucker durch den natürlich enthaltenen Milchzucker. Joghurt sollte also keinen höheren Anteil haben. Fast alle 500 g Naturjoghurts der Discounter enthalten aber 6,5 bis 6,9 %, weil zur Geschmacksverbesserung Milchzucker zugesetzt wird. Der muss zwar nicht gekennzeichnet werden, aber das finde ich nicht korrekt. […]
Frau J. aus Mainz vom 11.01.2018

Beim Kauf ging ich davon aus, dass es sich um einen griechischen Joghurt oder zumindest etwas dem ähnlichen handelt. Beim Essen fiel mir die Konsistenz auf, die eher an Quark erinnerte und nichts mit Joghurt gemeinsam hat. Auf der Verpackung steht nicht, dass der Joghurt aus Kuhmilch ist. Er könnte also auch aus etwas anderem bestehen. Weitere Inhaltsstoffangaben fehlen ebenfalls. [...]
Frau S. aus Norden vom 10.12.2017

Ansprechende Aufmachung des Joghurts ("Weidemilch Prinzip", Natur); - > aber keine Angabe von Inhaltsstoffen. Erster Verdacht bei der Geschmacksprobe: süßlich und eine fast "sämige" Konsistenz. Frage: Carrageen, Zucker, ...? Auf der Verpackung finden sich hierzu keinerlei Angaben.
Herr W. aus Nordhausen vom 13.06.2016

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Nach der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) zählt Joghurt zu den wenigen Lebensmitteln, die ohne Zutatenliste im Verkauf sein dürfen. Verbraucher sind heutzutage an Zutatenlisten auf Fertigpackungen gewöhnt und zu Recht irritiert, wenn sie beispielsweise bei alkoholischen Getränken mit über 1,2 Volumenprozent Alkohol keine oder bei Joghurt sowie Käse keine Zutatenverzeichnisse vorfinden.
Nach Auffassung der Verbraucherzentrale sollten alle verpackten Lebensmittel ohne Ausnahmen eine Zutatenliste tragen.

Darum geht’s:

Wenn Joghurt nur aus Milchinhaltsstoffen, Enzymen, Mikroorganismenkulturen hergestellt wird, darf eine Zutatenliste ganz fehlen. Dies ist rechtlich korrekt, aber vielen Verbrauchern sicherlich nicht bekannt, so dass sie sich getäuscht sehen können.

Das ist geregelt:

Die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) erklärt in Artikel 19 Ausnahmen vom Erfordernis eines Zutatenverzeichnisses:

Ein Zutatenverzeichnis ist nicht erforderlich bei Käse, Butter, fermentierter Milch und Sahne, denen keine Zutat zugesetzt wurde außer für die Herstellung notwendige Milchinhaltsstoffe, Lebensmittelenzyme und Mikroorganismen-Kulturen oder für die Herstellung von Käse – ausgenommen Frisch- oder Schmelzkäse – notwendiges Salz.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Verbraucher sind seit Jahren darauf orientiert und erwarten daher nachvollziehbar, dass Fertigpackungen eine Zutatenliste tragen. Sie vermuten einen Fehler oder eine bewusste Verschleierung von Zusätzen und/oder Zutaten, wenn eine vollständige Zutatenliste fehlt.

Fazit:

Aus Sicht der Verbraucherzentrale sollten auch Milcherzeugnisse wie andere Lebensmittel immer eine umfassende Zutatenliste aufweisen.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
17. Januar 2018