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Verpasste Chancen: Ausreden und fadenscheinige Herstellerantworten

typische Floskeln in Herstellerantworten

Den Dialog mit den Anbietern zu suchen und sie zu einer verbraucherfreundlicheren Kennzeichnung ihrer Produkte zu bewegen, war von Anfang an ein zentraler Ansatz des Portals Lebensmittelklarheit.

Nach wie vor fragen wir die betreffenden Firmen an, ob sie zu den Beschwerden der Verbraucher eine Stellungnahme abgeben möchten. Die Stellungnahmen werden im Portal Lebensmittelklarheit veröffentlicht. Doch auch dies bewegt manchen Anbieter nicht dazu, seine Produktaufmachung plausibel zu erklären – ein zugegebenermaßen manchmal durchaus schwieriges Unterfangen – oder die Produktgestaltung zu ändern.

Immer wieder erreichen die Redaktion Antworten, in denen der Kritik der Verbraucher auf ziemlich durchschaubare Weise die Berechtigung bestritten wird. Ein beliebtes Argument ist dabei, dass die Erwartung doch gar nicht enttäuscht werde.

„Wieso? Das schmeckt doch genauso wie…“ - „Wir kommen nur dem Geschmackswunsch der Verbraucher entgegen…“

  • So wirbt zum Beispiel eine „Erdnuss-Creme mit Honig“ im Namen und in der Produktgestaltung prominent mit Honig. Tatsächlich enthalten ist jedoch nur einen Anteil von 0,2 Prozent Honig. Die Süße stammt hauptsächlich aus Zucker. Zu der von Lebensmittelklarheit vorgetragenen Verbraucherbeschwerde meint der Hersteller:
    Dieser Honiganteil in Kombination mit karamellisiertem Zucker sorgt für den typisch süßen Honiggeschmack, der laut Marktforschungsergebnissen von einer Mehrzahl der Verbraucher als genau richtig eingestuft wurde.“
    Frei nach dem Motto: Wer bei einem solchen Produkt Honig erwartet ­– und nicht nur Honiggeschmack –, hat eben falsche Erwartungen
  • Eine Kakaogetränk „Typ Trinkschokolade Sahne“ enthält laut Zutatenliste keinen einzigen Milchbestandteil, aber einen Hinweis „Enthält Milcherzeugnisse“. Der Anbieter lässt dazu in dürren Worten verlautbaren:
    „Die Zubereitung mit Milch und das Aroma sorgen für die Sahnigkeit im Endprodukt.“
  • Die Backzutat "Geriebene Zitronenschale mit Traubenzucker" verspricht mit einem Extra-Aufdruck auf der Packung „besonders natürlichen Fruchtgeschmack aus frischen Zitronen“. Die Zutatenliste besagt jedoch, dass das Produkt zu 60 Prozent aus Traubenzucker besteht und nur zu 36 Prozent aus Zitronenschalen. Dazu kommen natürliches Zitronenaroma, Zusatzstoffe und Farbstoff. Die Anmerkung einer Verbraucherin, dass für dieses Produkt wohl die Bezeichnung „Traubenzucker mit Zitronenschale“ passender wäre, kann der Anbieter nicht akzeptieren. Seine Antwort:
    Die Wunschbezeichnung des Verbrauchers ‚Traubenzucker mit Zitronenschale‘ würde den Verbraucher irreführen, da sie nicht beschreibt, was er im Tütchen vorfindet. Die von uns verwendete Bezeichnung ist zutreffend. […] Reine Zitronenschalen könnten sehr leicht überdosiert werden.“
  • Das Dessert mit dem Namen „Double Nut“ und dem zusätzlichen Hinweis "Mit Levantiner Haselnüssen" enthält ganze 0,5 Prozent Haselnussmark. Der Geschmack des Desserts kommt hauptsächlich vom nicht näher klassifizierten „Aroma“. Der Anbieter findet das völlig in Ordnung und die Beschwerde des Verbrauchers unberechtigt:
    Die Bezeichnung ‚Double Nut‘ dokumentiert, dass Nüsse in der Dessertcreme und im Sahnetopping verarbeitet werden, im Gegensatz zu anderen am Markt verfügbaren Produkten, bei denen geschmacksgebende Bestandteile oftmals nur in der Dessertcreme eingesetzt werden.

„Wer genau hinschaut, könnte es doch besser wissen!“

Nur zu gerne ziehen sich Anbieter darauf zurück, dass sie ihre Produkte allen gesetzlichen Vorgaben entsprechend gekennzeichnet haben und spielen den Schwarzen Peter der Täuschung damit an die „unaufmerksamen“ Verbraucher zurück.

  • Wer Heringsfilets „Tomate-Mozzarella“ kauft, auf denen Fisch mit Tomatensoße und Mozzarellastückchen abgebildet ist, erwartet zu Recht mehr als ein knappes Gramm Mozzarellapulver in der Dose. Der Hersteller meint dazu:
    „Um etwaige Fehlvorstellungen von Verbrauchern auszuschließen, haben wir im Zutatenverzeichnis auf der Rückseite den Anteil an Mozzarellapulver mit einer Prozentangabe versehen. […] Daher halten wir die Kritik des Verbrauchers, die Produktaufmachung sei irreführend, sachlich nicht für begründet.“
  • Ein „Kräuter-Dressing“ enthält exakt 0,1 Prozent Kräuter. Zurecht fragen sich Verbraucher, ob eine solche Produktbezeichnung dann noch legitim sein kann. Dazu lässt der Anbieter verlautbaren:
    „Der Charakter ‚Kräuter‘ ist nicht an eine gesetzliche Mindestmenge gebunden. Der Kräuteranteil wird sowohl in der Gesamtdeklaration quantifiziert dargestellt, als auch durch die Aufmachung des Behältnisses eindeutig visuell kenntlich gemacht.
    Wer also die Zutatenliste und die durchsichtige Verpackung des Dressings genau inspiziert, muss wohl nicht auf die täuschende Produktbezeichnung hereinfallen.
  • Die Packung der „White Chocolate & Cranberry Cookies“ zeigt auf der Hauptsichtseite Kekse mit eingebackenen Cranberrys, daneben rohe Cranberrys und den Hinweis „mit den delikaten amerikanischen Cranberries“. Nirgends erscheinen die preiswerteren Rosinen, deren Anteil aber höher sein muss als der der Cranberrys, denn sie erscheinen in der Zutatenliste noch vor den Cranberrys. Auf die Beschwerde des Verbrauchers hin antwortet der Anbieter.
    Weiße Schokolade und Cranberries sind in diesem Fall jene Zutaten, die für den Geschmack des Produktes verantwortlich sind. Deshalb wurden diese Rohstoffe ausgelobt und abgebildet. Rosinen werden bei diesem Produkt nicht als Geschmacksbringer eingesetzt, sondern um den Cookies eine optimale Struktur und einen guten Einbiss zu geben.“

Chancen wahrnehmen

Es gibt aber auch viele Hersteller, die ausführlich auf die Verbraucherbeschwerden eingehen, ihre Packungsgestaltung überdenken oder Verbrauchern nachvollziehbar die Hintergründe der Aufmachung und Kennzeichnung ihres Produktes erklären.

So sollte es sein – dafür ist die Stellungnahme der Hersteller gedacht. Lebensmittelklarheit.de fordert deshalb alle anderen Firmen auf, sich daran ein Beispiel zu nehmen. Es sollte in deren eigenem Interesse liegen, Ärgernisse und Missverständnisse über ihre Produkte aus dem Weg zu räumen.

Letzte Änderung 
13. November 2014
Hinweis

Bitte beachten Sie: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden nicht aktualisiert.