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Neues Siegel für Weidemilch – Lebensmittelklarheit hat Verbraucherwünsche eingebracht

Pro Weideland Siegel

Grasende Kühe auf grüner Wiese: Der Begriff „Weidemilch“ – weckt bei Verbrauchern Erwartungen, die nicht immer eingelöst werden. Ein Großteil der Verbraucher versteht den Begriff „Weidemilch“ so, dass die Kühe im Sommer mindestens zwölf Stunden am Tag – oder sogar Tag und Nacht – auf der Weide stehen, wie eine repräsentative Verbraucherbefragung aus dem Jahr 2014 zeigt. Zusagen wollen die Landwirte meist nur sechs Stunden pro Tag für vier Monate.

Bei der Entwicklung des Siegels „Pro Weideland – Deutsche Weidecharta“, initiiert vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e. V., wurde Lebensmittelklarheit nach den Ansprüchen der Verbraucher gefragt. Einige Anforderungen, beispielsweise die gentechnikfreie Fütterung, wurden eins zu eins umgesetzt.

Gentechnikfreies Futter und unabhängige Kontrolle

Ein breites Bündnis von Vertretern aus Landwirtschaft, Politik, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz hat an den Standards für dieses Siegel mitgearbeitet, darunter Lebensmittelklarheit. Landwirte, die mitmachen wollen, müssen diese Kriterien garantieren:

  • Die Kühe stehen an mindestens 120 Tagen im Jahr für mindestens sechs Stunden auf der Weide.
  • Pro Kuh hält der Landwirt eine Grünlandfläche von mindestens 2000 Quadratmeter bereit, davon mindestens 1000 Quadratmeter Weideland.
  • Die Kühe müssen sich ganzjährig bewegen können. Eine Anbindehaltung wird geduldet, aber nur, wenn die Kühe 180 Tage im Jahr auf die Weide kommen und an jedem zweiten Tag im Winterhalbjahr Auslauf haben
  • Die Kühe erhalten grundsätzlich gentechnikfreies Futter.
  • Die Einhaltung der Kriterien wird von externen Kontrollstellen kontrolliert.

Im Gegenzug sollen die Landwirte in der Zukunft fünf Cent mehr pro Liter für die zertifizierte Milch bekommen.

Seit Ende April stehen beim Discounter Lidl die ersten Milchpackungen im Regal, deren Milch nach den Labelkriterien produziert wurde. Weitere Handelsunternehmen folgen in Kürze.

Einschätzung der Verbraucherzentrale

120 Tage Weidegang an sechs Stunden pro Tag – das ist weit weniger, als sich Verbraucher wünschen. Tröstlich ist, dass dies der minimale Weidegang ist, real kommen die Kühe das gesamte Sommerhalbjahr auf die Weide, sofern die Witterung es zulässt. Anbindehaltung der Kühe ist mit einem hohen Tierschutzniveau unvereinbar. Dem Initiator Grünlandzentrum ging es darum, Weidegang an sich zu fördern und möglichst viele, auch kleinere Landwirte zum Mitmachen zu bewegen.

Milchkühe bekommen ergänzend Kraftfutter, um die Milchleistung zu unterstützen. Dieses Zusatzfutter – zum Beispiel aus Soja – darf nur „ohne Gentechnik“ hergestellt sein. Die Weideprodukte (Gras, Heu) sind es sowieso. Das ist ein großer Erfolg aus Verbrauchersicht.

Die externe Kontrolle stellt sicher, dass festgelegte Standards auch eingehalten werden und Erzeuger, die gegen die Regeln verstoßen, ausgeschlossen werden. Dass diese Kontrolle fest verankert wurde, ist ein großes Plus. 

Letzte Änderung 
19. Juni 2017
Hinweis

Bitte beachten Sie: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden nicht aktualisiert.