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Irreführend: Früchtetee ohne die beworbenen Früchte

© vzbv

3.4.2012 - aktualisiert am 30.7.2014 – Himbeeren und Vanilleblüten schmücken die Verpackung des „FELIX Himbeer-Vanille Abenteuer Tees“ der Firma Teekanne. Zusätzlich bewirbt ein Siegel „nur natürliche Zutaten“.

Ein Blick auf die Zutatenliste macht jedoch deutlich: Himbeeren und Vanille sind im Tee nicht enthalten. Er besteht hauptsächlich aus Hibiskus, Äpfeln, süßen Brombeerblättern, Orangenschalen und Hagebutten. Vanille und Himbeere sind lediglich als natürliche Aromen mit Vanille- beziehungsweise Himbeergeschmack im Tee enthalten.

Diese Aufmachung ist irreführend – so lautet das Urteil Landgerichts Düsseldorf zum aromatisierten Früchtetee. Der Verbraucher könne den Eindruck gewinnen, „Himbeere“ und „Vanille“ seien die erwähnten natürlichen Zutaten.

Am unteren Rand auf der Schauseite der Verpackung steht zwar ein Hinweis „Früchtetee mit natürlichen Aromen“. Nach Auffassung des Gerichts kann dieser Hinweis aber so verstanden werden, dass Aromen zugefügt wurden, die aus den Pflanzen Himbeere und Vanille gewonnen wurden. Die zugesetzten Aromen sind zwar natürlicher Herkunft, sie stammen aber nicht aus den beworbenen Pflanzen.

Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen die Firma Teekanne. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

1. Aktualisierung (24.5.2013)

Ein Früchtetee namens „Himbeer Vanille“ muss weder Himbeeren noch Vanille und nicht einmal natürliche Aromen der beiden Früchte enthalten. Es reicht, wenn der Tee nach Himbeeren und Vanille schmeckt und die Zutaten auf der Verpackung korrekt angegeben sind. Das hat das Oberlandesgericht Düsseldorf in zweiter Instanz entschieden und eine Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen die Firma Teekanne abgewiesen.

Laut OLG Düsseldorf ist die Werbung nicht zu beanstanden. Die Bezeichnung „Himbeer-Vanille-Abenteuer“ und die Abbildungen der Früchte deuteten lediglich auf die Geschmacksrichtung des Tees hin. Daraus könne nicht geschlossen werden, dass Himbeeren und Vanille in der Teemischung enthalten seien. Die Irreführung eines verständigen Durchschnittsverbrauchers sei ausgeschlossen, da dieser der Zutatenliste entnehmen könne, was im Tee enthalten ist.

Das OLG Düsseldorf hat gegen das Urteil zwar keine Revision zugelassen. Der hat vzbv hat jedoch erfolgreich eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof eingelegt.

2. Aktualisierung (30.07.2014)

Der Bundesgerichtshof tendiert, entgegen der Entscheidung des OLG – dazu, dass die Etikettierung des Produkts zur Irreführung geeignet ist. Er hat das Verfahren jedoch ausgesetzt und dem Europäischen Gerichtshof eine Frage zur Auslegung der EU-Etikettierungsrichtlinie zur Vorabentscheidung vorgelegt. Der Europäische Gerichtshof soll klären, ob Aufmachung, Bezeichnung und bildliche Darstellungen auf einem Lebensmittel den Eindruck erwecken dürfen, dass eine bestimmte Zutat vorhanden ist, wenn dies tatsächlich nicht der Fall ist.

Ein endgültiges Urteil steht also noch aus.

Quelle: Pressemtteilungen des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) vom 16.3.2012 und vom 19.02.2013

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Letzte Änderung 
30. Juli 2014
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Bitte beachten Sie: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden nicht aktualisiert.