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Sportlernahrung - Schlagkräftige Argumente für umstrittene Speziallebensmittel

© Thomas Graf - Fotolia.com

Wer im Wettkampf oder im Training die letzten Energiereserven mobilisieren möchte, findet im Fachhandel ein großes Angebot an Speziallebensmitteln für Sportler. Diese versprechen Muskelwachstum, Kraft und Höchstleistungen. Ernährungsexperten halten spezielle Sportlernahrung dagegen im Normalfall für unnötig und wirkungslos.

Leistungsfördernde Substanzen für den Sport

 Als „ergogen“ werden Inhaltsstoffe bezeichnet, die dazu führen sollen, Energiereserven zu vergrößern, die Energiebereitstellung zu verbessern, Muskelgewebe zu vermehren und/oder sportbedingte Zellschäden zu reparieren.
Viele verschiedenen Nährstoffe und andere Substanzen sind in diesem Zusammenhang im Gespräch, z.B. Kreatin, Coenzym Q10, L-Carnitin und verschiedene Aminosäuren. Ihre Wirkung ist jedoch in den meisten Fällen nicht wissenschaftlich nachgewiesen.

Werbemasche Leistung

Sport Claim

Werbung darf nicht irreführen, das gilt für alle Lebensmittel. Auffällig ist aber gerade bei spezieller Sportlernahrung die große Diskrepanz zwischen der Einschätzung von Ernährungsexperten und den Aussagen der Anbieter dieser Lebensmittel. Häufig sind Werbeaussagen so formuliert, dass sie den Eindruck vermitteln, Sportler würden von den Produkten profitieren - dies aber nicht ausdrücklich behauptet wird.

Diese Werbestrategien sind häufig zu finden:

  • Komplexe Stoffwechselvorgänge werden vereinfacht und verkürzt dargestellt. So klingt die Werbebotschaft gut nachvollziehbar und überzeugend. Beispielsweise erwecken Werbeaussagen wie „gut resorbierbar“, „spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel“ oder „wichtig für die Regeneration des Muskelgewebes“ den Eindruck, dass Sportler von den Lebensmitteln profitieren können.
    Bei den meisten Nährstoffen ist die Versorgungslage in Deutschland aber gut. Weitere Substanzen, die zwar nicht zu den Nährstoffen gehören, aber wichtige Funktionen im Stoffwechsel übernehmen, werden im Körper selbst in ausreichender Menge gebildet.

  • Experten geben scheinbar wertvolle Tipps zur allgemeinen Sporternährung. In Wirklichkeit handelt es sich bei der „Fachbroschüre für Sportler“ häufig um ein Werbeprospekt einer Firma.

  • Die propagierten Wirkungen werden durch „wissenschaftliche Studien“ belegt. Die Qualität von Studien kann jedoch stark variieren: Ergebnisse aus Tierversuchen sind beispielsweise nicht einfach auf den Menschen übertragbar. Auch Untersuchungen mit einer geringen Personenzahl sowie Studien ohne Kontrollgruppen haben eine begrenzte Aussagekraft. Auch wenn eine Studie angeführt ist, muss die Wirkung deshalb nicht wissenschaftlich belegt sein.

  • Durch Diagramme, Fachbegriffe, Abkürzungen und chemische Formeln wird wissenschaftliche Kompetenz vermittelt.

  • Abbildungen von wohlproportionierten, muskulösen Männern und Frauen sollen den Eindruck erwecken, durch die Einnahme des entsprechenden Präparats seien Fitness, Leistungsfähigkeit und ein jugendlich straffer Körper zu gewinnen.

Abgrenzung gegenüber „Billigprodukten“

Teure Spezialprodukte werden außerdem gegenüber preiswerten Alternativen aus dem Drogeriemarktbereich verteidigt. Dabei wird häufig auf die natürliche Herkunft im Gegensatz zur „synthetischen Billigvariante“ herausgestellt Die „Reinheit“ der Produkte wird betont und mit „patentierten Verfahren“ geworben. Ein weiteres häufiges Argument für Spezialprodukte ist auch die „gute Bioverfügbarkeit“.

Interessenten erfahren jedoch nicht, ob diese vermeintlich großen Qualitätsunterschiede tatsächlich eine Auswirkung auf die Wirkung des Produktes haben.
Dies ist nicht immer der Fall, denn

  • in der Regel macht es keinen Unterschied, ob eine Substanz natürlicher oder synthetischer Herkunft ist - ihre chemische Struktur ist identisch,
  • viele Nährstoffen sind ohnehin gut resorbierbar und
  • auch preiswerte Produkte dürfen nicht „verunreinigt“ sein, wenn dies gesundheitlich bedenklich wäre.

Aus Sicht der Ernährungsexperten: Unnötiges „Extra“

Viele methodisch gut durchgeführte und kontrollierte Studien zeigen keinen positiven Nutzen der so genannten ergogenen Substanzen.
Ernährungsexperten halten Spezialprodukte für Sportler daher im Normalfall für überflüssig und unwirksam. Allenfalls in extrem harten Wettkämpfen mit außergewöhnlicher Beanspruchung der Leistungsfähigkeit – wie zum Beispiel Marathonläufen – könnten konzentrierte Nährstoffe einen Nutzen haben.
Für einige Substanzen ist eine positive Wirkung auf die sportliche Leistungsfähigkeit zwar tatsächlich nachweisbar. Diese tritt jedoch meist nur unter bestimmten Bedingungen auf und/oder bei Konzentrationen, die auch zu unerwünschten Nebenwirkungen führen können.
Für Freizeitsportler gilt: Wer regelmäßig Sport treibt, isst in der Regel auch mehr und gleicht so seinen gesteigerten Energiebedarf aus. Gleichzeitig nimmt er auch die beim Sport verbrauchten Nährstoffe in ausreichender Menge auf, denn der Nährstoffbedarf steigt beim Sport nicht stärker als der Energiebedarf.

Quellen:
Schek, Alexandra: Höher, schneller, weiter… Nahrungsergänzungen für Sportler. UGB-Forum Spezial. 2009
Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.: Fit für den Sport. 2003
aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V.: Rundum fit mit Sport und Ernährung.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: DGE-Beratungsstandards.
Handlungsbedarf aus Sicht der Verbraucherzentrale

Werbung für Sportprodukte vermittelt häufig den Eindruck, eine Verbesserung der sportlichen Leistungsfähigkeit durch das Produkt sei wissenschaftlich nachgewiesen.
Hier sollten hohe Maßstäbe anlegt werden. Im Bereich der gesundheitsbezogenen Werbung geschieht dies zurzeit: Alle Werbeaussage werden dahingehend geprüft, ob sie wissenschaftlich haltbar sind. Andernfalls dürfen sie zukünftig nicht mehr verwendet werden.
Auch bei Werbung mit der körperlichen Leistungsfähigkeit sollte gelten: Sofern der Wirkungsnachweis aus wissenschaftlicher Sicht nicht ausreicht, ist die Werbeaussage unzulässig.

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Letzte Änderung 
30. Juni 2011