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Nanotechnologie in Lebensmitteln: Vorkommen und Kennzeichnung

Nanopartikel
© fotoliaxrender - Fotolia.com

Die Vorsilbe "nano" steht bei Maßeinheiten für „ein Milliardstel“, also in Verbindung zum Beispiel mit "Meter" für ein Milliardstel Meter. Mit Objekten von dieser unvorstellbaren Winzigkeit wird in der „Nano-Welt“ gearbeitet. Üblicherweise fallen Teilchen mit einer Größe bis 100 Nanometer darunter.

Diese „Nanos“ können ganz neue Eigenschaften oder eine weitaus größere Reaktionsfähigkeit als die eigentliche Ausgangssubstanz entwickeln. Neben zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise in der Medizin, Kosmetik, Energie- oder Computertechnik, können Nanoteilchen auch für die Herstellung von Lebensmitteln von Bedeutung sein.

Nanotechnologie in Lebensmitteln

Seit dem 13. Dezember 2014 müssen Zutaten, die in Form technisch hergestellter Nanomaterialien eingesetzt werden, mit „Nano“ im Zutatenverzeichnis gekennzeichnet werden. Allerdings gibt es bisher keine abschließende, rechtlich verbindliche Definition für „technisch hergestellte Nanomaterialien“. Natürliche, zufällige oder verfahrensbedingte Nanomaterialien fallen jedoch nicht unter diese Begrifflichkeit.

Solche natürlichen oder zufälligen Nanomaterialien entstehen beispielsweise beim Mahlen von Mehl oder Kaffee, bei der Homogenisierung von Fruchtsäften oder bei der Emulgierung von Fett. Auch Nanokapseln, wie sie bereits als Träger für Zusatzstoffe, Vitamine oder Fettsäuren in Lebensmitteln eingesetzt werden, gehören nicht zu den kennzeichnungspflichten Nanomaterialien, da von ihnen keine „neuen biologischen Wirkungen“ ausgehen. Sie entstehen spontan im Produktionsprozess. Die Idee haben sich Forscher in der Natur beispielsweise bei sogenannten Micellen in der Milch abgeschaut. Die Abbaumechanismen im Körper sind bekannt und von ihnen geht keine Gefahr aus. Das Material, aus welchem die Kapseln bestehen, muss allerdings in der Zutatenliste angegeben werden (z.B. Emulgator Polysorbat/ E432).

Im Zusammenhang mit Nanomaterialien werden immer wieder die beiden Zusatzstoffe Titandioxid (E 171) und Siliziumdioxid (E 551) genannt. Titandioxid wird als weißfärbender Farbstoff in Lebensmitteln eingesetzt. Würde er gezielt mit Partikelgrößen von unter 100 Nanometer hergestellt, würde er jedoch transparent werden. Für die transparente Form besteht keine Zulassung. Titandioxid wie es in Lebensmitteln eingesetzt wird, enthält also lediglich vereinzelt Partikel in Nanogröße. Siliziumdioxid, das als Rieselhilfe eingesetzt wird, besteht tatsächlich aus Primärpartikeln kleiner als 100 Nanometer. Diese schließen sich jedoch während des Herstellungsprozess zu größeren Aggregaten und Agglomeraten zusammen. Siliziumdioxid wird vom Körper weder aufgenommen noch verwertet sondern unverändert wieder ausgeschieden.

Auf dem deutschen Markt haben Lebensmittel mit Zutaten, die unter den Begriff der „technisch hergestellten Materialien“ fallen und damit kennzeichnungspflichtig wären, keine Bedeutung. Würden Nanomaterialien erstmalig Lebensmitteln in der EU zugesetzt, um ihnen neue Eigenschaften zu verleihen, so würden diese Lebensmittel als „Novel Food“ – neuartiges Lebensmittel – oder als neuer Zusatzstoff gelten und müssten einen Zulassungsprozess durchlaufen. Bisher gibt es weder solche Zulassungen noch wurden entsprechende Anträge zur Zulassung gestellt.

Während die Nanotechnologie in Lebensmitteln selbst eher eine untergeordnete Rolle spielt, sind Nanomaterialien für Kunststoffverpackungen bereits zugelassen. Sie sollen das Packgut beispielsweise besser vor UV-Strahlung, vor dem Keimen oder vor Austrocknung schützen. Gekennzeichnet werden, muss der Einsatz von Nanomaterialien für Lebensmittelverpackungen nicht.

Skepsis bei Verbrauchern

Während die meisten Verbraucher der Nanotechnologie grundsätzlich positiv gegenüberstehen, sind sie bei Lebensmitteln eher skeptisch. Zu Recht, sind doch viele Fragen bislang nicht geklärt. Das betrifft sowohl mögliche gesundheitliche Auswirkungen als auch die Folgen für die Ökosysteme.

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Aus Sicht der Verbraucherzentrale besteht noch dringender Forschungsbedarf. Die Auswirkungen der Nanomaterialien auf Mensch und Umwelt sind vielfach noch unklar. Zudem fehlen standardisierte Untersuchungsverfahren weitestgehend. Umfassende Risikobewertungen und entsprechende Analysemethoden sollten aber die Voraussetzungen für eine Zulassung von Nanomaterialien sein.

Die Kennzeichnungspflicht für Nanomaterialien sollte sich nicht auf Lebensmittel beschränken, sondern auch für Lebensmittelverpackungen gelten.

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Letzte Änderung 
28. Oktober 2015