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Nahrungsergänzungsmittel: Werbung mit Wirkstoffen

© AntoniaDiaz - Fotolia.com

Nahrungsergänzungsmittel enthalten vielfach nicht nur die für den Körper wichtigen Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe. Schon seit langem preisen Hersteller lieber exotisch klingende Pflanzen wie Acai, Goji oder Matcha an oder bewerben besondere Wirkstoffe wie L-Carnitin, Kreatin, Coenzym Q10 und Isoflavone.

Seit die so genannte Health-Claims-Verordnung gilt – die EU-Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben –, gibt es für Gesundheitswerbung aber klare Vorgaben und Beschränkungen. In einer so genannten Gemeinschaftsliste sind explizit zugelassenen Angaben zusammengestellt. Jede dieser Angabe wurde zuvor geprüft, ob die versprochene Wirkung tatsächlich wissenschaftlich nachgewiesen ist.

Allerdings hält sich nicht jeder Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln an die Rechtsvorschriften. Vor allem im Internet ist viel unzulässige Werbung zu finden.

So erkennen Sie unseriöse Werbung

Die weitaus meisten bisher zugelassenen Angaben beziehen sich auf die Wirkung von Vitaminen und Mineralstoffen. Sie sind neutral formuliert und versprechen in der Regel einen Beitrag zu normalen Körperfunktionen. Denn genau das können Nährstoffe leisten: Sie werden für den normalen Körperaufbau und einen funktionierenden Stoffwechsel benötigt. Sie steigern oder verbessern nichts und sie „kurbeln“ auch nichts an.

So klingen die erlaubten Werbeangaben:

  • Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei
  • Calcium trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei
  • Eisen trägt zu einem normalen Sauerstofftransport im Körper bei
  • Pantothensäure trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei
  • Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen
  • Vitamin B6 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei
  • Zuckerrübenfasern tragen zur Erhöhung des Stuhlvolumens bei

Die zugelassenen Angaben können etwas abgewandelt werden, aber nur, solange die Bedeutung gleich bleibt.

Das ist manchen Anbietern aber zu wenig. Sie tragen gerne dicker auf oder versprechen Wirkungen, die Nahrungsergänzungsmittel niemals erfüllen könnten.

So klingt unseriöse Werbung:

  • Körperlicher Stress wird neutralisiert
  • Mehr Leistungsfähigkeit, mehr Energie!
  • Beschleunigt die Verbrennung von Fetten und reduziert die Fettreserven
  • Steigert die Ausdauer, verbessert die Koordination, schärft die Wachheit
  • 81 % weniger Herzprobleme
  • Hebt den Geist auf ein neues, unglaubliches Niveau
  • Schützen Sie Ihr Gehirn vor Schwäche und Alterung

Die meisten zugelassenen Gesundheitsangaben stehen der Gemeinschaftsliste in einer EU-Verordnung. Dort können Sie selbst nachschauen, welche Angaben erlaubt sind (Link siehe Randspalte). Wenn Sie Zweifel haben, können sie uns das betreffende Produkt oder die Website melden.

Werbemasche für Pseudo-Wirkstoffe

Besondere Wirkstoffe und Pflanzenextrakte werden schon seit Jahren in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt und beworben. Für viele dieser Substanzen ist Gesundheitswerbung aber nach EU-Recht inzwischen verboten oder ein wissenschaftlicher Wirkungsnachweis durch die Firmen nicht möglich.

Etliche Hersteller wählen nun folgendes Schlupfloch: Die Zusammensetzung und Aufmachung des Produktes bleibt im Wesentlichen wie gehabt. Nun wird aus der Gemeinschaftsliste eine Angabe herausgesucht, die der ursprünglichen – inzwischen verbotenen – Werbung weitgehend entspricht und der dazu passende Nährstoff zugesetzt

Beispielsweise ist die Werbung für Chondroitin und Glucosamin für gesunde Gelenke nicht erlaubt. Nahrungsergänzungsmittel mit beiden Substanzen gibt es aber trotzdem noch. Solche „Gelenkkapseln“ enthalten nun aber zusätzlich Vitamin C, für das die Angabe „trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Knorpelfunktion bei“ zugelassen ist.

Der „echte“ Wirkstoff ist also Vitamin C, das man in der Regel deutlich preiswerter kaufen kann als in Kombination mit den Pseudo-Wirkstoffen Chondroitin und Glucosamin.

Gesunde Skepsis ist angesagt

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel. Wenn Sie im Internet, in Werbeanzeigen oder Postwurfsendungen auf Heilversprechen stoßen, sollten Sie misstrauisch sein.

Achten Sie darauf, auf welche Wirkstoffe sich die Werbeangaben beziehen – welche die echten Wirkstoffe im Produkt sind.

Unseriöse Werbung für Nahrungsergänzungsmittel können Sie uns melden.

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Letzte Änderung 
23. Februar 2016

Kommentare

Ich finde es gut, dass hier endlich Grenzen gezogen werden. Aber die Schlupflöcher sind doch erschreckend groß.


Ja, nee, ist klar...
Bei Euch ist nicht mal das drin, was draufsteht.
Zitat:
,,Die meisten zugelassenen Gesundheitsangaben stehen der Gemeinschaftsliste in einer EU-Verordnung. Dort können Sie selbst nachschauen, welche Angaben erlaubt sind (Link siehe Randspalte)."

Könnt Ihr eure Gemeinschaftsliste in der Randspalte entdecken?


Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Link ergänzt.


Wie sieht es auch mit Kundenbewertungen zu Nahrungsergänzungsmitteln ? Sind diese zulässig?


Wenn Kundenbewertungen mit gesundheitsbezogenen Angaben zu einem Nahrungsergänzungsmittel in einem online-Shop stehen, müssen auch sie die Vorgaben der Health-Claims-Verordnung erfüllen.