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Ergänzende bilanzierte Diäten – Lebensmittel mit speziellen Rechtsvorschriften

ergänzende bilanzierte Diät
ergänzende bilanzierte Diät © Mariaaverbung - Fotolia.com

Vielfach sehen sie aus wie Nahrungsergänzungsmittel: Tabletten oder Kapseln mit Vitaminen, anderen Nährstoffen oder weiteren Wirkstoffen. Mit der komplizierten Bezeichnung „ergänzende bilanzierte Diät“ können Verbraucher zum Teil aber wenig anfangen.

Die Produkte gehören – anders als die Nahrungsergänzungsmittel – zu den diätetischen Lebensmitteln und sind speziell für kranke Menschen bestimmt. Sie dienen zur Ernährung bei Störungen der Verdauung, der Nährstoffaufnahme im Darm, des Stoffwechsels und der Ausscheidung von Nährstoffen. Oder aber sie enthalten bestimmte Nährstoffe oder andere Substanzen, die der Patient in erhöhtem Maß benötigt und nicht allein durch eine Anpassung seiner Ernährung in ausreichender Menge erhalten würde.

Laut Diätverordnung müssen diese Lebensmittel „wirksam sein in dem Sinne, dass sie den besonderen Ernährungserfordernissen der Personen, für die sie bestimmt sind, entsprechen.“

Für bilanzierte Diäten gelten zahlreiche besondere Kennzeichnungsvorschriften. Die folgenden Angaben sind verpflichtend:

  • die Bezeichnung „Diätetisches Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (Bilanzierte Diät)“
  • die Angabe „zur diätetischen Behandlung von …[Angabe der Krankheit oder Beschwerde]“
  • der Hinweis, dass es sich um eine ergänzende bilanzierte Diät handelt
  • der Hinweis, dass das Lebensmittel unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden muss
  • je nach Erzeugnis weitere Hinweise zur Altersgruppe, Gefährdung gesunder Personen, Vorsichtsmaßnahmen, Wechselwirkungen mit Arzneimitteln und zur Anwendung
  • eine umfassende Nährwertkennzeichnung nach Vorschriften der Diätverordnung
  • eine Gebrauchsanweisung sofern sie für die sachgerechte Zubereitung, Verwendung und Lagerung erforderlich ist

Verkappte Nahrungsergänzungsmittel

Ein Teil der ergänzenden bilanzierten Diäten im Handel entsprechen von der Zusammensetzung typischen Nahrungsergänzungsmitteln.

Offensichtlich ist es für einige Firmen attraktiver, sie als ergänzende bilanzierte Diäten zu verkaufen. Der wesentliche Vorteil dabei: Diese werden ausdrücklich für den Einsatz bei Krankheiten angeboten und auch so gekennzeichnet. Das ist für Nahrungsergänzungsmittel nicht erlaubt, denn die Werbung mit gesundheitlichen Wirkungen ist inzwischen streng geregelt.

So dürfen die Wirkstoffe Lutein und Zeaxanthin in Nahrungsergänzungsmitteln nicht mit Aussagen zur Augengesundheit beworben werden. Sämtliche Anträge für eine Zulassung solcher Werbeaussagen wurden abgelehnt. Als ergänzende bilanzierte Diät sind die Wirkstoffe aber „zur diätetischen Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration“ – eine Erkrankung der Augen – im Handel.

Für die Kennzeichnung des medizinischen Behandlungszwecks von ergänzenden bilanzierten Diäten gibt es keine Liste zulässiger Angaben inklusive Voraussetzungen für deren Verwendung wie bei gesundheitsbezogenen Angaben auf Lebensmitteln.

Auch ein Zulassungsverfahren gibt es für ergänzenden bilanzierten Diäten nicht.

Im Zweifelsfall, beispielsweise bei einer Prüfung durch die Lebensmittelüberwachung, müssen die Firmen nachweisen, dass ihre Produkte die Vorgaben der Diätverordnung erfüllen. Zu diesem Zeitpunkt sind sie aber bereits mehr oder weniger lange im Verkauf.

Einschätzung der Verbraucherzentrale

Ergänzende bilanzierte Diäten dürfen kein Schlupfloch für verkappte Nahrungsergänzungsmittel bieten. Der wissenschaftliche Anspruch an die Wirksamkeit muss für diätetische Lebensmittel genauso bestehen wir für alle anderen Lebensmittel.

Die amtliche Lebensmittelüberwachung ist gefordert, Produkte eingehend auf die korrekte Einordnung als ergänzende bilanzierte Diät zu kontrollieren und zu prüfen, ob die Mittel tatsächlich für die diätetische Behandlung der angegebenen Krankheiten und Beschwerden geeignet und wirksam sind.

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Letzte Änderung 
10. März 2016

Kommentare

Als bilanzierte Diät muss man eine Studie, nach strengen Auflagen, veröffentlicht haben, die die Wirksamkeit des Lebensmittels beweist. Also einfach ein Schlupfloch finden, wie sie es darstellen, ist nicht so einfach. Zumal eine Studie auch Geld kostet. Ich würde darum bitten diese Tatsache auch in Ihrem Bericht zu erwähnen.
Herzlichen Dank