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Werbung "nur natürliche Zutaten" bei Pfefferminztee

Ist das nicht Werbung mit Selbstverständlichkeiten?

Pfefferminztee
Pfefferminztee © Sandy Schulze - Fotolia.com

Frage

Auf der Vorderseite einer Pfefferminzteepackung las ich neulich den Hinweis "natürlicher Pfefferminztee" und zusätzlich wurde damit geworben, dass "nur natürliche Zutaten" verwendet wurden. Ist das bei Pfefferminztee nicht sowieso immer der Fall und handelt es sich hier deshalb um Werbung mit Selbstverständlichkeiten?

Antwort

Die Angabe „Pfefferminztee“ ist eine klare Bezeichnung. Es handelt sich um ein „teeähnliches Erzeugnis“, das die Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuchs für Tee folgendermaßen beschreiben:

„Teeähnliche Erzeugnisse werden mit der Art der verwendeten Pflanzen oder Pflanzenteile, auch in Verbindung dem Wort „Tee“, bezeichnet, wenn das betreffende Erzeugnis von einer einzigen Pflanzenart stammt, zum Beispiel Pfefferminze oder Pfefferminztee…“

Die Leitsätze legen für Pfefferminztee weiterhin fest, dass es sich um die ganzen oder zerkleinerten, getrockneten Blätter und Teile der oberen Sprossachse einer bestimmten Minze – der „Menta[x]piperita L.“ – handelt.

Pfefferminztee enthält somit grundsätzlich keine weiteren Zutaten.

Die Angabe „nur natürliche Zutaten“ ist daher im besten Fall überflüssig. Er kann Käufer aus unserer Sicht aber auch täuschen, wenn sie davon ausgehen, dass sich ein Pfefferminztee mit der Angabe „nur natürliche Zutaten“ von anderen Pfefferminztees positiv unterscheidet – dass die anderen Pfefferminztees demnach auch künstliche Zutaten enthalten können.

Solche „Werbung mit Selbstverständlichkeiten“ ist laut EU-Lebensmittelinformationsverordnung unzulässig. Wörtlich heißt es dort:

„Informationen über Lebensmittel dürfen nicht irreführend sein, insbesondere […] indem zu verstehen gegeben wird, dass sich das Lebensmittel durch besondere Merkmale auszeichnet, obwohl alle vergleichbaren Lebensmittel dieselben Merkmale aufweisen, insbesondere durch besondere Hervorhebung des Vorhandenseins oder Nicht-Vorhandenseins bestimmter Zutaten und/oder Nährstoffe“

Ob eine Werbung irreführend ist, kann letztendlich aber nur ein Gericht entscheiden. Dabei hängt das Urteil davon ab, welche Produkte der Richter als „vergleichbaren Lebensmittel“ ansieht. Würde er Pfefferminztees oder teeähnliche Erzeugnisse als Vergleichsgruppe wählen, so müsste er zu dem Schluss kommen, dass eine Werbung mit Selbstverständlichkeiten vorliegt. Zieht er aber die gesamte Produktpalette inklusive der aromatisierten Erzeugnisse und Zubereitungen zum Vergleich heran, dann kann das Urteil anders ausfallen. Denn ein aromatisierter Kräutertee könnte beispielsweise ein künstlich hergestelltes Aroma enthalten, das im beworbenen Pfefferminztee nicht enthalten ist.

Die Feststellung, ob eine Werbung mit Selbstverständlichkeiten vorliegt, ist somit immer eine Einzelfallentscheidung vor Gericht. Die Verbraucherzentralen sind berechtigt, Firmen bei Werbung mit Selbstverständlichkeiten abzumahnen. Eine Abmahnung ist der erste – noch außergerichtliche – Weg einer rechtlichen Auseinandersetzung mit Lebensmittelanbietern. Mehr dazu erfahren Sie unter „Die Abmahnung“ (Link s. unten).

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Letzte Änderung 
2. September 2015