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Vegetarische Wurst, vegetarische Frikadellen

Sind solche Bezeichnungen erlaubt?

Frage

Seit geraumer Zeit fühle ich mich total verunsichert und verwirrt durch die Bezeichnungen diverser Produkte, die für Vegetarier angeboten werden, wie zum Beispiel "Vegetarischer Fleischsalat", "Vegetarische Wurst", neuerdings auch "Vegetarische Frikadellen" oder "Vegetarische Leberwurst". Wie ist denn bei diesen Produkten die Rechtslage in Bezug auf die Bezeichnungen? In allen Produkten ist laut Zutatenliste kein Fleisch enthalten, aber trotzdem wird es so genannt. Ist das überhaupt erlaubt? In meinen Augen ist das eine sehr große Verbrauchertäuschung. Können Sie mich mal bitte aufklären?

Antwort

Für vegetarische Fleischersatzprodukte gibt es keine rechtlich vorgeschriebenen Bezeichnungen. Gemäß EU-Lebensmittelinformationsverordnung hat der Hersteller eine verkehrsübliche oder eine beschreibende Bezeichnung zu wählen.

Der Name eines Fleischersatzproduktes sollte einerseits verständlich und eindeutig sein, andererseits muss eine Verwechslung oder Täuschung ausgeschlossen sein.

Die Angabe „Wurst“ im Namen zu verwenden, ist allein nicht rechtswidrig, da Bezeichnungen wie Wurst oder Schnitzel – im Gegensatz zu Milch oder Käse – rechtlich nicht geschützt sind.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale sind Bezeichnungen wie „Vegetarischer Fleischsalat“ oder „Vegetarische Mortadella“ zulässig und verständlich. Sie machen Kunden klar, welche Geschmacksrichtung oder Produkteigenschaften sie erwarten können. Die Bezeichnungen können gegebenenfalls aber täuschend sein, wenn die Angabe „vegetarisch“ beispielsweise nur klein gedruckt wäre und somit übersehen werden könnte.

Das Lebensmittelrecht schreibt bei Imitaten vor, dass die Ersatzzutat in unmittelbarer Nähe zum Produktnamen aufgeführt wird. Auf der Schauseite sollte unserer Auffassung nach deshalb zusätzlich eine Angabe wie „aus Soja“ oder „auf Basis von Weizeneiweiß“ stehen.

In einer Umfrage auf Lebensmittelklarheit haben wir gefragt, welche Bezeichnung für einen vegetarischen Brotbelag Verbraucher am besten geeignet finden. Mehr als die Hälfte der Befragten war sprachen sich für die Bezeichnung „Vegetarischer Brotbelag mit Mortadella-Geschmack“ aus. Auch aus unserer Sicht wäre dies eine sinnvolle und eindeutige Bezeichnung, ergänzt durch die Angabe der Zutat, die anstelle des Fleisches eingesetzt wurde.

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Letzte Änderung 
6. Dezember 2016

Kommentare

Mit der Bezeichnung "vegetarisch" sollte es doch wirklich jedem klar sein, dass in dem Produkt kein Fleisch enthalten ist. Problematisch wäre, von vorne groß "Wurst" und irgendwo hinten klein "vegetarisch" stehen würde. DIe Bezeichnugn "vegetarische Wurst" ist aber eindeutig: Etwas vegetarisches, das wie ne Wurst schmecken soll. „Vegetarischer Brotbelag mit Mortadella-Geschmack“ ist viel zu lang um das sinnvoll zu vermarkten. Und sorry, aber die Umfrage auf die Sie sich beziehen war sowas von nicht repräsentativ.


Vegetarische Produkte?
Man stelle sich vor: "Vegetarische Fleischwurst"
Ja so etwas gibt es! Fa. Rügenwalder,... diese "vegetarische Fleischwurst"gibt es in jedem Supermarkt. Was mich besonders stört, ist die Verhunzung der deutschen Sprache. Hier werden alle Kunden verarscht. Ich behaupte eine "vegetarische Fleischwurst" gibt es ga rnicht!. Mich wundert es schon lange, dass so etwas, aus lebensmittelrechtlichen Gründen (irreführende Deklaration) in
Deutschland 2016 überhaupt möglich ist. Wieso lassen wir uns als Verbraucher von irgendwelchen Marketing-Leuten so etwas erzählen? Das erinnert mich an das Märchen von des "Kaisers neue Kleider". Hier sehe ich nichts, was diese Deklaration rechtfertigt. Gruß Markus
.


Mein Gott, wenn es Bio-Mineralwasser gibt, kann's auch vegetarische Fleischwurst geben...


Oh je, das wäre ja auch ein Skandal, wenn ein gutgläubiger Verbraucher statt Pferdefleisch mal Gemüse in seiner Wurstverpackung finden würde... Das würde mich auch total verunsichern, wenn ständig die Gefahr bestünde, dass mir da jemand eine Pflanze unterjubelt - man stelle sich vor was passiert wenn das aus Versehen jemand isst!
OK, jetzt mal im Ernst, ich bin auch sehr für eine eindeutige Kennzeichnung von Lebensmitteln, aber ich kenne keine solchen Produkte, die "vegetarisch" oder "vegan" nicht eindeutig und in ausreichender Größe auf die Verpackung schreiben, schon allein, weil sie ihre Zielgruppe sonst gar nicht erreichen. Und meistens stehen die in den Supermärkten ja auch noch separat. Da muss man dann eben lesen und nicht einfach blind ins Regal greifen - wie bei vielen anderen Produkten, die man heute kaufen kann.
Nur weil ein Begriff umgangssprachlich für eine ganz bestimmte Art Produkte verwendet wurde, bedeutet das doch nicht, dass der Begriff daher automatisch so definiert wird. Schaut man bei Duden nach dem Begriff "Wurst", sieht man als 2. Definition eindeutig "etwas, was wie eine Wurst aussieht, die Form einer länglichen Rolle hat". Das muss also nicht zwangsläufig aus zerkleinertem Fleisch sein. Ich finde die Diskussion um den Begriff "Milch" schon verfehlt - auch hier steht bei Duden als weitere Bedeutung z.B. "milchiger Saft einiger Pflanzen". Auch Kokosmilch darf daher weiterhin Kokosmilch heißen, obwohl die Kokosnuss meines Wissens nach nun eher nicht zu den Säugetieren zählt...


Die Käufer von vegetarischer Wurst wollen nicht sicher gehen, _dass_ etwas bestimmtes enthalten ist, sondern dass Tiere _nicht_ enthalten sind. Die wesentliche Information von Veggie-Wurst ist also nicht, das "aus Soja" o.ä. sondern das "vegetarisch" oder "vegan". Allergiker-Kennzeichnungs-Vorschriften gelten ja ohnehin.
Das Wort "Wurst" bezeichnet lt. Duden auch die reine Form, "Schnitzel" kommt von "Schnetzel oder Snitzel" und sind ursprünglich Obst-Abschnitte.
Es sieht aus wie eine Wurst, schmeckt wie eine Wurst, riecht wie eine Wurst, und wird wie eine Wurst verwendet. Wie bitte soll es dann heißen?
Jeder Ansatz, den Begriffsanteil des Fleischproduktes herauszunehmen, kommt wie eine Verteidigung des Systems rüber, und soll Verbraucher vor Alternativen abschrecken.


Hallo, ich finde die Beiträge hier schon gut. Nur, was mir auffällt, wenn es um die "Wurst " geht, ist: "Fleischwurst" gibt es halt schon viel, viel länger als "Veggie-Wurst". "Fleischwurst" ist in Deutschland schon ein Begriff (nicht nur im Saarland). Der Begriff "Fleischwurst" steht ja auch noch nicht im Duden. Im Duden geht es um die Sprache. Im Lebensmittel-Gesetz um das Lebensmittel.
Es kommt dann wohl auf den Richter an. Was die "LebensmittelIndustrie" betrifft, so sind "vegetarische Fleischfabriken" auch nicht besser als "die anderen"Fleischfabriken. Das blos mal am Rande!
Kai F.