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„Sternenfaire“ Milch

Hält sie, was sie verspricht?

Milchglas mit Schriftzug "fair?"
Milchglas mit Schriftzug "fair?" © Thorben Wengert - Fotolia.com

Frage

Hält die „sternenfaire“ Milch insgesamt, was sie verspricht? Wie wirkt sich das Auslaufen der Milchquote auf die „sternenfaire“ Milch aus? Bekommen die Bauern nach wie vor 40 Cent pro Liter?

Antwort

Immer mehr Angaben, Siegel und Marken bewerben Lebensmittel als nachhaltig.

Was im Einzelnen darunter zu verstehen ist, kann sehr unterschiedlich sein. Rechtlich geregelt sind Bio-Lebensmittel und die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“.

Bei allen anderen Kennzeichnungen, insbesondere bei firmeneigenen Siegeln und Marken, sehen wir ein hohes Täuschungspotenzial. Wir gehen davon aus, dass Käufer oftmals deutlich höhere Erwartungen an ein „nachhaltiges“ Lebensmittel haben, als die beworbenen Produkte erfüllen.

Umso wichtiger ist eine klare Information auf der Verpackung, welche Nachhaltigkeitskriterien das angepriesene Produkt erfüllt und wie deren Einhaltung sichergestellt wird.

Auf der Verpackung der „sternenfair“-Milch steht das „Ohne-Gentechnik“-Siegel. Darauf können Sie sich verlassen. Mehr zu der Kennzeichnung finden Sie in unserem Artikel „Kennzeichnung ‚ohne Gentechnik‘“ (Link s. unten).

Die „sternenfair“-Milch garantiert zudem, dass die Landwirte 40 Cent pro Liter Milch erhalten, auch nach Wegfall der Milchquote. Außerdem steht auf der Verpackung, dass die Milch von „heimischen Landwirten“ stammt, beispielsweise aus Baden-Württemberg.

Auf der Milchverpackung ist ein Siegel „certified bee friendly“ abgebildet und auch die Website bewirbt eine bienenfreundliche Landwirtschaft. Das vom europäischen Berufsimkerverband initiierte Siegel wurde bisher nur an wenige Produzenten vergeben, die selbst an der Entwicklung beteiligt waren.

Andere Kriterien bleiben unklar. So ist beispielsweise auf der Verpackung von einer „artgerechten“ Fütterung die Rede. Wer weitere Informationen auf der Website sucht, erfährt, dass die Kühe 60 Prozent Grünfutteranteil erhalten und einige weitere Angaben zur Zusammensetzung der Futtermittel. Auf der Website springen gleichzeitig aber Abbildungen ins Auge, die „sternenfair“-Milch oder Kühe auf der Weide zeigen. Leicht kann dabei der Eindruck entstehen, die Kühe hätten grundsätzlich Weidegang. Das scheint aber zumindest nicht bei allen Landwirten der Fall zu sein. Die Website beschreibt die teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe, die zum Teil, aber nicht alle angeben, den Milchkühen Weidehaltung zu ermöglichen.

Nur die in Nordrhein-Westfalen produzierte Milch wird ausdrücklich als Weidemilch bezeichnet. Hierbei ist zu beachten, dass es keine rechtsverbindlichen Kriterien für die Bezeichnung „Weidemilch“ gibt. So legen die Milchanbieter – wie auch die der Sternenfair-Milch – die Kriterien für Weidemilch selbst fest.

Weitere konkrete Angaben fehlen, dazu gehören beispielsweise die folgenden ungeklärten Fragen: Wieviel Quadratmeter Platz haben diese im Stall oder im Auslauf? Ist Einstreu vorgeschrieben und Anbindehaltung verboten? Stammt das Grünfutter aus dem eigenem Betrieb?  

Die Website spricht von „glücklichen Kühen“. „Wir behandeln unsere Kühe respektvoll“ – so heißt es dort. Klare Kriterien zur Tierhaltung fehlen jedoch. So ist zu befürchten, dass die Anforderungen nicht wesentlich über die gesetzlichen Standards hinausgehen.

Auch zu anderen Aspekten erhält man auf der Website mehr Werbung als Fakten.

Siegel und Marken wie „sternenfair“ sind nach unserer Auffassung keine verlässliche Entscheidungshilfe beim Einkauf, auch wenn sie zum Teil positive Ansätze haben.

Die Verbraucherzentralen fordern EU-weit einheitliche, rechtlich geregelte Label zu Nachhaltigkeitsaspekten und Weidemilch, die für Verbraucher verlässlich und leicht wiedererkennbar sind.

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Letzte Änderung 
21. Juli 2015