Skip to content Skip to navigation

Schriftgröße

-A +A

Milch mit der Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“

Ist sie immer völlig ohne Gentechnik?

Milchkrug mit Label "ohne Gentechnik"
Milchkrug mit Label "ohne Gentechnik" © kuvona - Fotolia.com

Frage

Ich habe eine Frage zur "Ohne Gentechnik"-Milch. Ist diese immer völlig ohne Gentechnik oder mit ein bisschen Gentechnik? Auf Ihrer Seite (http://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/kennzeichnung-ohne-gentechnik) steht, dass die Kuh mehr als 3 Monate vor dem Melken mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert werden darf und auch die Futtermittelzusatzstoffe mittels Gentechnik hergestellt werden dürfen. Ist die Kennzeichnung "Ohne Gentechnik" dann nicht eine Verbrauchertäuschung?

Antwort

Die Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ gibt es seit dem Jahr 2009. Sie verbietet Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen sowie verschiedene Zusätze, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wurden. Es gibt allerdings mehrere Ausnahmen für tierische Lebensmittel. Wie Sie ganz richtig schreiben, müssen Milch gebende Tiere zwar während der Milchgewinnung sowie drei Monate davor gentechnikfrei gefüttert werden, damit die Kennzeichnung aufgedruckt werden darf. Im Zeitraum davor ist eine Fütterung mit gentechnisch verändertem Futter aber erlaubt. Zudem dürfen die Tiere Futtermittelzusätze und Medikamente erhalten, die mit gentechnisch veränderten Organismen hergestellt wurden. 

Ganz ohne Gentechnik geht es heute kaum noch

Wir stimmen Ihnen zu, dass dies nicht 100 Prozent konsequent ist und beim Verbraucher Fragen aufwirft. Hier hilft es, die Hintergründe dieser Ausnahmeregelungen zu kennen. Viele Arzneimittel, Impfstoffe sowie Futtermittelzusätze wie Vitamine werden mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt. Die Herstellung erfolgt in geschlossenen Systemen, und die gentechnisch veränderten Organismen werden aus dem Endprodukt entfernt. Frühere Regelungen hatten die Verwendung solcher Medikamente und Zusätze für „ohne Gentechnik“-Produkte ausgeschlossen. In der Praxis führte das dazu, dass die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ faktisch nicht möglich war. Ohne den Anreiz, Lebensmittel speziell bewerben zu können, fehlte der Druck auf die Futtermittel-Hersteller, überhaupt gentechnikfreie Futterpflanzen anzubauen.   

Die Fristen für gentechnikfreie Fütterung – in diesem Fall drei Monate – lehnen sich an Umstellungsfristen der EU-Öko-Verordnung an. Damit soll es Betrieben erleichtert werden, auf ökologische oder in diesem Fall gentechnikfreie Produktion umzustellen. So können beispielsweise Betriebe gentechnikfreie Milch anbieten, auch wenn sie Milchkühe zukaufen und nicht selbst aufziehen.

Aus unserer Sicht ist die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ durchaus eine wichtige und schnelle Information für Verbraucher, die Gentechnik in Lebensmitteln ablehnen. Wir sind uns aber bewusst, dass sie für einen Teil der Käufer nicht streng genug geregelt ist. Sie ist als Kompromiss anzusehen.

Wie informativ fanden Sie diesen Beitrag? 
Durchschnitt: 4.4 (14 Stimmen)
Klicken Sie zur Bewertung auf die Sterne.
Letzte Änderung 
10. August 2016