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Mikrobielles Lab in Käse

Darf mikrobielles Lab in Käse Lab heißen? Darf es auch "pflanzliches Lab heißen?

Frage

Liebes Team, ich habe (als Nicht-Vegetarier) immer mehr Schwierigkeiten, geschmackvollen Käse, der mit tierischem Lab hergestellt wird, zu finden. Ich habe das Gefühl, dass die Firmen um jeden Vegetarier buhlen, aus Angst vor Umsatzeinbußen zu (geschätzten) 90 Prozent nur noch Mikrobielles Lab verwenden. Außerdem wird oft mit „Pflanzlichem Lab“ geworben, das dürfte aber so gar nicht auf der Verpackung stehen.

Antwort

Das Enzym Lab wird bei der Käseherstellung zur Dicklegung der Milch verwendet. Es wird in der Magenschleimhaut von Wiederkäuern gebildet und deshalb aus Kälbermägen gewonnen. Durch die Zunahme des Käsekonsums steht nicht ausreichend Lab aus Wiederkäuermagen zur Verfügung, um den Bedarf für die Käseherstellung zu decken. Entsprechend der Käseverordnung ist es daher seit 1975 erlaubt, anstelle des Labs aus dem Wiederkäuermagen Labaustauschstoffe zu verwenden.

Labaustauschstoffe im Sinne der Verordnung sind Enzymgemische mikrobiellen Ursprungs, das heißt, sie werden beispielsweise durch Bakterien oder Schimmelpilze gebildet.

Es gibt auch pflanzliche Gerinnungsenzyme, die zur Dicklegung der Milch verwendet werden können. Solche eiweißspaltenden Inhaltsstoffe sind etwa in Artischocken enthalten. Sie kommen jedoch lediglich in sehr kleinem Maßstab, zum Beispiel bei Hofkäsereien zum Einsatz.

Käse, dem keine weiteren Zutaten zugesetzt wurden, außer die für die Herstellung notwendigen Milchinhaltstoffe, Lebensmittelenzyme, Mikroorganismen-Kulturen und Salz, muss keine Zutatenliste tragen. Dann erfahren Käufer nicht, ob Lab oder Labaustauschstoff verwendet wurde, es sei denn, ein Hersteller informiert freiwillig darüber.

Ist ein Zutatenverzeichnis vorhanden, so ist dort häufig die Angabe „mikrobielles Lab“ zu finden. Auch wenn es sich bei Labaustauschstoff nicht um Lab im eigentlichen Sinne handelt, wird die Angabe „mikrobielles Lab“ als marktübliche beschreibende Bezeichnung akzeptiert.

Einige Käsesorten sind als geschützte geografische Angabe oder geschützte Ursprungsbezeichnung eingetragen und müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. So ist beispielsweise für „Gouda Holland“ oder „Odenwälder Frühstückskäse“ vorgeschrieben, dass diese nur mit Kälberlab hergestellt werden dürfen.

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Letzte Änderung 
15. Mai 2017

Kommentare

Mich hat der ganze Zutatenwahnsinn dazu gebracht, mir vor dem Kauf eines neuen Produktes immer die Zutatenliste anzusehen.
(Das ist die beste und günstigste Diät, die man sich vorstellen kann.)

Produkte mit tierischem Lab oder Eiern (die vermutlich nicht aus Freilandhaltung kommen) bleiben genauso im Laden, wie Produkte, die Mikroplastik o.ä. enthalten (Duschgel usw.) oder deren Hersteller noch auf Tierversuche setzen.
Da ich gerne im Einzelhandel Käse kaufe und entsprechend Geld dafür ausgebe will ich auch wissen was drin ist. Mein Dank an die Hersteller. Das ist Großartig!


Dem armen, gequälten Menschen, der seinen Käse mit tierischem Lab so furchtbar vermisst, empfehle ich einen über mehrere Tage gehenden Aufenthalt in einer Anlage der Milchindustrie, das Hören der Trauer der Kuhmütter und -kinder und als Ergänzung einen Besuch in einem Stall mit Anbindehaltung. Guten Appetit danach!


Ich schliesse mich Jutta´s Kommentar voll und ganz an! Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Jegliche Art von Massentierhaltung gibt jedem Tierquäler eine neue Chance, seinen Unmut an wehrlosen Opfern auszulassen. Jeder müßte sein Fleisch selber "zur Strecke bringen". Warum in Schulen über diese Art der Käseproduktion nicht unterrichtet wird, ist mir rätselhaft. Milch ist nichts für erwachsene Säuger! Stellt Euch vor, Euer Baby wird gleich nach der Geburt geklaut, ohne zu erfahren was damit geschieht. Einfach nur pervers, der Gedanke aus Magenschleimhaut Zusatzstoffe für Käse zu verwenden! Igitt, jahrzehntelang war auch ich so dumm!


Sehr geehrte Jutta und Sue, leider ist ihnen entgangen, dass die Kälber nicht wegen des Labs, sprich wegen des Magens geschlachtet werden, sondern darum, dass es zumeist männlich ist und den Kühen, sprich den Bauern die Milch wegtrinkt. eine Kuh gibt ja nur Milch, wenn sie ein Kalb hat, ansonsten steht sie trocken. Die Kälber werden wegen des Fleisches geschlachtet und der Magen landet auf dem Müll, sofern er nicht weiter verarbeitet wird zu Lab. Somit wird nur ein wertvoller Rostoff genutzt und nicht weggeschmissen.
Ist denn ein Stoffwechselprodukt von Schimmeln wirklich appetitlich?