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Kalzium-Werbung

Darf auf zuckerreichen Frühstückscerealien Kalzium-Werbung stehen?

Frage

Ich habe Frühstückscerealien gefunden, die im Internet mit der Aussage beworben werden: „Gut für die Entwicklung und das Wachstum der Knochen. Eine 30 g-Portion der Cerealien ist eine gute Kalzium-Quelle und deckt bis zu 23 % der empfohlenen Tageszufuhr“. So wird der Anschein eines gesunden Nahrungsmittels erweckt, das gut für die Entwicklung des Kindes sein soll und das Wachstum unterstützt. Pro 100 Gramm sind aber 25 Gramm Zucker enthalten. Die Cerealien bestehen fast zu 20 Prozent aus Schokolade. Ist die Werbung nicht täuschend?

Antwort

Die Werbung besteht aus der nährwertbezogenen Angabe „gute Kalzium-Quelle“ und der gesundheitsbezogenen Angabe „gut für die Entwicklung und das Wachstum der Knochen“.

Diese Werbeaussagen sind in der EU-Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben, der so genannten Health-Claims-Verordnung, geregelt.

Eine Kalziumquelle darf danach beworben werden, wenn pro 100 Gramm oder 100 Milliliter des Lebensmittels mindestens 120 mg Kalzium enthalten sind.

Mit diesem Kalziumgehalt darf auch die gesundheitsbezogene Angabe genutzt werden: „Kalzium wird für ein gesundes Wachstum und eine gesunde Entwicklung der Knochen bei Kindern benötigt.“

Wenn die Frühstückscerealien 120 Kalzium pro 100 Gramm enthalten, erfüllen sie also die Voraussetzungen für beide Werbeaussagen – und zwar unabhängig davon, wie viel Zucker und Fett darin stecken.

Das ist auch aus Sicht der Verbraucherzentralen der wichtigste Schwachpunkt der Health-Claims-Verordnung. In der Verordnung ist zwar vorgesehen, so genannte Nährwertprofile als Voraussetzung für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben festzulegen.

Nährwertprofile legen Anforderungen an ein Lebensmittel hinsichtlich des Gehalts an Inhaltsstoffen wie Zucker fest. Wenn die betreffenden Werte in einem Lebensmittel über- bzw. unterschritten werden, sind keine nährwert- oder gesundheitsbezogenen Angaben erlaubt.

Unter dem Einfluss der Lebensmittelindustrie ruht die Diskussion um die Nährwertprofile jedoch seit Jahren. So können Hersteller derzeit auch Fett- und Zucker"bomben" mit Nährstoffen anreichern und ihnen ein gesundes Image verpassen.

Aus Sicht der Verbraucherzentralen sind nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben ohne Nährwertprofile keine sinnvolle Verbraucherinformation. Deshalb fordern sie, dass die vorgesehenen Nährwertprofile endlich festgelegt werden.

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Letzte Änderung 
5. Februar 2014