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„Ergänzende bilanzierte Diät“

In Wahrheit scheint es sich um ein Nahrungsergänzungsmittel zu handelt, das wie ein Medikament beworben wird. Ist das erlaubt?

Frage

Vor kurzem ist mir ein Produkt aufgefallen, bei dem die Aufmachung und Bezeichnung wie bei einem Medikament erfolgt. Auf der Packung befindet sich recht klein gedruckt dann die Kennzeichnung als "Diabetisches Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (ergänzende bilanzierte Diät)" Das ist täuschend, undurchsichtig und widersprüchlich. Was ist ein Lebensmittel für medizinische Zwecke? Und was ist eine „bilanzierte Diät“? In einer kleinen aber umfangreichen Broschüre wird über Nervenschäden informiert und dass man sie durch die Einnahme dieses "medizinische Lebensmittels" behandeln kann. In Wahrheit scheint das Produkt ein reines Nahrungsergänzungsmittel zu sein, welches mit medizinischen Argumenten beworben wird und den Patienten mit falschen Versprechungen täuscht.

Antwort

Es gibt tatsächlich die Lebensmittelkategorie „ergänzende bilanzierte Diät“, die in der Diätverordnung geregelt ist.

Unter „bilanzierten Diäten“ versteht man Lebensmittel, die für die diätetische Behandlung von Patienten bestimmt sind. Sie dienen zur Ernährung bei Erkrankungen, die mit einer Störung der Verdauung, der Nährstoffaufnahme im Darm, des Stoffwechsels und der Ausscheidung von Nährstoffen einhergeht. Oder aber sie enthalten bestimmte Nährstoffe oder Bestandteile, die der Patient in erhöhtem Maß benötigt und durch eine Anpassung seiner Ernährung sonst nicht ausreichend enthalten würde.

Wenn von einer „ergänzenden bilanzierten Diät“ die Rede ist, dient das Lebensmittel nicht als einzige Nahrungsquelle, sondern als Ergänzung der Ernährung.

Laut Diätverordnung müssen diese Lebensmittel „wirksam sein in dem Sinne, dass sie den besonderen Ernährungserfordernissen der Personen, für die sie bestimmt sind, entsprechen.“

Für bilanzierte Diäten gelten zahlreiche besondere Kennzeichnungsvorschriften. Unter anderem ist die Bezeichnung „Diätetisches Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (Bilanzierte Diät)“ vorgeschrieben. Außerdem müssen sie den Hinweis tragen: „zur diätetischen Behandlung von …[Angabe der Krankheit oder Beschwerde].

Weiterhin muss „eine Beschreibung der Eigenschaften und Merkmale, denen das Lebensmittel seine Zweckbestimmung verdankt“ erfolgen.

Trotz der rechtlichen Regelungen haben auch wir den Eindruck, dass zum Teil Nahrungsergänzungsmittel als ergänzende bilanzierte Diäten vermarktet werden. Das bietet Firmen die Möglichkeit, die vorgeschriebenen Hinweise und Beschreibungen für krankheitsbezogene Werbeaussagen zu nutzen, die auf Nahrungsergänzungsmitteln nicht zulässig wären.

Umso wichtiger ist aus unserer Sicht, dass die amtliche Lebensmittelüberwachung diese Produkte eingehend auf die korrekte Einordnung als ergänzende bilanzierte Diät prüft.

Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte an die Lebensmittelüberwachung vor Ort (Link s. Randspalte).

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Letzte Änderung 
30. Juli 2015