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Aufgetaute Ware schlecht oder gar nicht gekennzeichnet

Ist das erlaubt?

Frage

Ich würde gerne wissen, ob es rechtens ist, aufgetaute Backwaren nicht als solche gekennzeichnet wie Frischware zu verkaufen. Muss das Tieffrieren und Auftauen von Backwaren gekennzeichnet werden? Manchmal finde ich gar keinen Hinweis, manchmal den Hinweis "Bitte nicht wieder einfrieren". Bei Fleisch verhält es sich ähnlich: Die Kennzeichnung als "aufgetautes Fleisch" findet man klein, zwischen allen möglichen Informationen irgendwo auf der Rückseite. Damit wird der Eindruck erweckt, es würde sich um Frischware handeln. Bei beidem (Backwaren und Fleisch) wird eine Qualität vorgegeben, die nicht dem Produkt entspricht.

Antwort

Werden verpackte Lebensmittel tiefgefroren und wieder aufgetaut, müssen sie – von einigen Ausnahmen abgesehen – für den Verkauf entsprechend gekennzeichnet werden. Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung schreibt vor, dass der Hinweis „aufgetaut“ der Bezeichnung des Lebensmittels hinzugefügt werden muss. Diese Angabe muss in unmittelbarer Nähe der Bezeichnung angebracht werden, beispielsweise „Hefegebäckstücke, aufgetaut“. Nicht erlaubt ist es, den Hinweis an anderer Stelle „zu verstecken“. In folgenden Fällen darf der Hinweis entfallen:

  • Wenn nur die Zutaten vorher eingefroren waren, nicht aber das ganze Endprodukt. Ein Beispiel hierfür ist mariniertes Fleisch, das aus aufgetauten Fleisch hergestellt wird. Da das Fleisch in diesem Fall nur eine Zutat des Endproduktes ist, muss der Hersteller nicht darauf hinweisen, wenn es vorher eingefroren war. 
  • Wenn das Einfrieren ein „technologisch notwendiger Schritt beim Herstellungsprozess“ ist – beispielsweise beim Lachs, der nur durch das Einfrieren in dünne Scheiben geschnitten werden kann.
  • Bei Fischprodukten, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes nach dem Fang gefroren wurden.
  • Bei Lebensmitteln, bei denen das Einfrieren keine negativen Auswirkungen auf die Qualität hat – beispielsweise bei Butter.

Die Verpflichtung gilt außerdem nicht für lose Ware. Hier muss man im Zweifelsfall beim Händler nachfragen.

Allerdings darf – allen Ausnahmen zum Trotz – der Verbraucher nie in die Irre geführt werden. Bewirbt ein Anbieter beispielsweise “frisches Hefegebäck“, darf sich dahinter unserer Rechtsauffassung nach kein aufgetautes Produkt befinden.

Verbraucheranfragen zeigen allerdings, dass Kunden oft davon ausgehen, dass beispielsweise vorverpacktes, mariniertes Fleisch aus der Kühltheke aus frischem Fleisch hergestellt wurde. Nach unserer Ansicht sollte der Hinweis „aufgetaut“ auch auf Produkten angebracht sein, deren primäre Zutat aufgetaut wurde. Auch auf loser Ware sollte die Angabe „aufgetaut“ verpflichtend sein.

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Letzte Änderung 
24. August 2016